Metamorphose des Siemens Hochhaus

Bestandsgebäude an heutige Maßstäbe der Flächeneffizienz und Energiestandards anzupassen, ist eine große Herausforderung für Architekten. Dies zeigt der Entwurf für die Umgestaltung eines Klassikers in München durch Brückner Architekten: das Siemens-Hochhaus.

 

Seit 1963 überragt das Hochhaus an der Siemensalle die Bebauung in Obersendling. Zur Zeit seiner Entstehung war das 75 Meter hohe Gebäude das höchste Bürohaus in München. Der Architekt Hans Maurer (1926-2001), der auch das Siemens-Verwaltungszentrum am Oskar-von-Miller-Ring erbaute, erstellte das 22geschossige Hochhaus im Stil der klassischen Moderne eines Mies van der Rohe.

Siemens veräußerte mit dem Hochhaus ein großes Areal an den Projektentwickler Hubert Haupt. Als Bestandteil des neuen, bereits im Bau befindlichen Stadtteils Südseite soll der denkmalgeschützte Turm, der bisher ausschließlich für Büros genutzte wurde, nach einem Umbau eventuell gemischt genutzt werden: Für Büros, Restaurant, ein Hotel, Wohnungen oder einen Spa mit Roof Top und Swimmingpool. Einen für ein solches Nutzungskonzept ausgeschriebenen Architektenwettbewerb gewannen 2007 die Münchner Brückner Architekten. Wie das Gebäude letztlich genutzt wird, dies wird von dem Bedarf der potentiellen Käufer und Mieter abhängen. Aktuell spricht die Nachfrage für einen zumindest hohen Anteil an wohnungswirtschaftlich genutzten Flächen – vorausgesetzt dass die Stadt eine solche Nutzung des Gebäudes zulässt.

Wie auch immer das Hochhaus belegt sein wird, Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermarktung ist eine tiefgreifende und umfassende architektonische Umgestaltung für den heutigen Bedarf. „Die große Herausforderung ist ein in den 1960er-Jahren erbautes Hochhaus an die heutigen Erfordernisse wie Flächeneffizienz und energetischen Standard anzupassen“, erläutert Laurent Brückner, Geschäftsführer der Brückner Architekten. Aktuell nimmt der Versorgungskern mit Aufzügen, sanitären Einrichtungen und umlaufende Gänge zu den Büros zuviel Platz ein: Nur 73 Prozent der Gesamtfläche könnten zum Arbeiten oder Wohnen genutzt werden. Mit einem neuen Grundriss wurde die nutzbare Fläche deutlich erhöht, indem der Versorgungsbereich verdichtet und effizienter gestaltet wurde. „Statt bisher 12 Aufzüge würden sieben ausreichen, wodurch sich auch Sanitärkerne und Zugänge effizienter anordnen lässt“, so Brückner. Die Folge wäre, dass sich die notwendige Fläche des Versorgungsbereichs fast halbieren und der für Büros oder Wohnungen nutzbare Bereich entsprechend vergrößern würde.

Äußeres Kennzeichen des Hochhauses ist die riesige Glasfassade. Unter dem Aspekt der Energieeffizienz ist eine solche Fassade aber zum Nachteil, weil wegen der schlechten Dämmung viel Energie verschwendet wird und aufgrund der wechselnden Sonneneinstrahlung extreme Temperaturschwankungen auszugleichen sind. Die gläserne Fassade ist jedoch wesentlicher Bestandteil des denkmalgeschützten Gebäudes. Durch Einsatz neuer Gläser und anderer effizienter neuer Materialien sowie einer nach Außen nicht wahrnehmbaren Neugestaltung lässt sich die die neue Fassadenkonstruktion so gestalteten, dass sie eine optimale Wärmedämmung und einen ausreichenden Lichteinfall und effektiven Sonnenschutz gewährleistet.

Das Siemens-Hochhaus wäre nach seiner Umgestaltung Bestandteil des neuen Viertels Südseite. Dieser umfasst östlich der S-Bahnlinie eine reine Wohnbebauung und westlich davon einen gemischt genutzten Bereich für Einzelhandel, Arztpraxen, Kindertagestätten und Schulen sowie Büros. Teil dieses gemischt genutzten Bereichs ist das von Brückner Architekten ebenfalls entworfenen Gebäude Viva Südseite, mit dessen Bau vor einigen Wochen begonnen wurde. Gemeinsam mit den anderen Neubauten entlang der Siemens-Allee wird es einen visuellen Sockel zum Siemens Hochhaus bilden.

Unübersehbarer Landmark wird jedoch schon allein aufgrund der Höhe des Gebäudes das Siemens-Hochhaus selbst bleiben. Die letzten Planungen nutzten die Lage durch eine begrünte Sonnenterrasse am Fuß der Südseite und einem Konferenzbereich in der obersten Etage des Baus. Auch wenn Zeitpunkt des Umbaus und die genaue Nutzung noch offen ist, so ist eines sicher: Wer die oberen Etagen der Südseite bezieht, erhält einen unvergleichbaren Blick auf die Alpen.

   

 

Bilder: Animationen der Brückner Architekten