Fotopreis: Hybris in Beton

Duer begehrteste Trophäen unter Fotografen – der Sony Award – geht im Bereich Architektur dieses Jahr an den Franzosen Fabrice Fouillet für seine Bilder düster moderner Kirchen. Darunter Werke des Deutschen Pritzker Preisträgers, Gottfried Böhm.

 

Fouillets Bilder, wie die von ihm fotografierten Kirche St. in Saarlouis von Gottfried Böhm haben eine eigene Ausstrahlung. Der Franzose konnte sich gegen eine harte internationale Konkuurenz, darunter der deutsche Fotograf Johannes Heuckeroth durchsetzen. Auch dessen Bilder haben sich mit modernen Bauwerken und ihre Wirkung auf den Menschen auseinandergesetzt – mit Dubai. „Dort werden Türme und Hochhäuser aus der Wüste gewuchtet - mit kaum einem Gedanken an Nachhaltigkeit.“

Die biblische Geschichte vom Turm von Babel, der bis in den Himmel reicht und alle Gebäude überragt, hat die Menschen in allen Zeiten beschäftigt. Sie sollen den Namen ihrer Erbauer für alle Zeiten im Gedächtnis der Menschheit festschreiben – und halten in der Neuzeit jedoch oft ihren Rekord nur wenige Jahre oder gar Monate. Der 2010 in Dubai errichtete Burj Khalifa ist mit 828 Meter das zur Zeit höchste Gebäude der Welt. Seine einzige Existenzberechtigung: Die Aufmerksamkeit der Welt sollte sich auf Dubai richten. Doch in der Vergangenheit waren solche Türme oft Ausdruck einer Hybris, der schon bald der wirtschaftliche Abschwung folgte. Heute ist aus dem ehemaligen Wüstennest Dubai innerhalb weniger Jahre ein Finanzzentrum und eine internationale Flug-Drehscheibe geworden. Die Erscheinung der Stadt wirkt allerdings seltsam unwirklich – ein Objekt, dass den Fotografen Johannes Heuckroth faszinierte und das er zum Thema seiner Bachlor-Arbeit an der Georg Simon Ohm Universitat der angewandten Wissenschaften in Nürnberg machte. Zwischen Januar und July 2012 beschäftigte er sich mit der Stadt am Golf und stellte aus seinen Fotografien das Buch Dreaming of Dubai zusammen. Seine Bilder einer kalten und unwirklichen Welt unter der Sonne der Golfstaaten faszinierte nun auch die Jury-Mitglieder des renommierten Sony Awards

Heuckeroth ist nur einer der deutschen Finalisten des begehrten Fotopreises Sony Award. Neun deutsche Profi- und Amateurfotografen haben es in die engere Auswahl geschafft. Das sind so viele wie noch nie, heißt es von WPO und Sony. Über 122.000 Bilder aus 170 Ländern wurden für den Fotocontest eingereicht - mehr als je zuvor. Seit Anfang Februar stehen die 43 Finalisten der 15 Profi-Kategorien – darunter die der Architektur – fest.

Fast schon eine Generation älter ist der 1963 in Essen geborene Christof Plümacher. Er wurde mit seiner Serie Urban Darkness einer von drei Finalisten des Sony Awards im Bereich Architektur. Geisterhafte Hochhäuser und finstere Städte dominieren die Bilderserie "Urban Darkness", die in der Dunkelheit entstanden ist - und auch genau davon handelt. Oder eher: vom Fehlen des Lichts. "Mir ist aufgefallen, dass in unseren Städten viele Gebäude, die früher nachts hell erleuchtet waren, heute stockdunkel sind", sagt Christof Plümacher. Der Fotograf deutet den sparsamen Umgang mit Strom als Folge der Energiewende, eines der wichtigsten Themen der jüngsten Zeit. Plümachers tiefschwarze Bauten stehen so symbolisch für diesen gesellschaftlichen und politischen Bewusstseinswandel. Die Idee für seine Serie "Urban Darkness" sei ihm zufällig bei einem Besuch in Düsseldorf gekommen. Fünf Monate lang arbeitete Plümacher dann an seiner Studie - und noch immer betrachtet er sie als unvollendet. "Es gibt noch viele Gebäude, die ich bei Nacht fotografieren möchte, denn die Dunkelheit der Hochhäuser kann ein ganzes Stadtbild verändern", sagt er. Seine Serie vom Fehlen des Lichts verleiht dem populären Fotothema Architektur einen weniger technischen, fast schon emotionalen Anstrich.

Die Shortlist führt die besten der internationalen zeitgenössischen Fotografen zusammen und gewährt einen besonderen Blick auf das Jahr 2012 durch die Augen einiger der weltbesten aufstrebenden Talente und etablierten Fotografen.

Die Ehrenjury unter dem Vorsitz von Catherine Chermayeff, Director of Special Projects bei Magnum Photos sichtete alle Einreichungen in der Profi-Kategorie und traf die Entscheidung, welche Bilder es auf die Shortlist schaffen: „Drei besonders anregende Tage, an denen wir viele lebendige und leidenschaftliche Diskussionen geführt haben“, erinnert sich Catherine Chermayef. „Wir Juroren waren schon nach den ersten Bildern ganz überwältigt. Ich freue mich sehr, dass jede Jury-Gruppe am Ende ihre jeweiligen Favoritenlisten mit Stolz präsentiert und die Auswahl begründet hat.“

Astrid Merget, Creative Director der World Photography Organisation, fügt hinzu: „Die World Photography Organisation hat das Ziel, die welt- weit besten zeitgenössischen Fotografen zu finden. Diese Shortlist zeigt deutlich, wie viele spannende Fotografen es da draußen gibt. Wie jedes Jahr freuen wir uns sehr darauf, unsere Auswahl einem internationalen Publikum zu präsentieren.“ Zu sehen sind dabei die von Fabrice Fouillet düster fotografierten Kathedralen (siehe links St. in Saarlouis von Gottfried Böhm) oder die Schwarz-Weiß-Bilder von Walter Schönenbröcher.

Die Arbeiten aller Fotografen auf der Shortlist werden vom 26. April bis 12. Mai im Somerset House in London im Rahmen der Sony World Photography Awards Exhibition 2013 ausgestellt. Außerdem werden die Bilder in der Ausgabe 2013 des Sony World Photography Awards- Fotobandes veröffentlicht.

Die Namen der Gewinner der Offenen Kategorie und des Jugend- Wettbewerbs werden am 19. März 2013 bekannt gegeben.

Die Gewinner der Profi-Kategorie und des begehrten Preises L’Iris D’Or / Sony World Photography Awards Photographer of the Year werden am 25. April während einer festlichen Gala in London ausgezeichnet. Der L’Iris D’Or-Preisträger erhält 25.000 US-Dollar, der Open Photographer of the Year bekommt ein Preisgeld von 5.000 US-Dollar. Alle Gewinner, einschließlich der Preisträger in den einzelnen Katego- rien, erhalten eine hochwertige digitale Fotoausrüstung von Sony.

Die World Photography Awards, gesponsert von Sony, wurden 2007 von der World Photography Organisation (WPO) ins Leben gerufen. Die WPO fördert die professionelle, Amateur- und studentische Fotografie und bietet der Fotoindustrie eine globale Plattform zur Kommu- nikation, Kollaboration und Präsentation aktueller Trends in den Berei- chen Fotojournalismus, Fine Art und kommerzielle Fotografie. Eine Reihe von Initiativen und Programmen werden für diese globale Com- munity bereitgestellt, die kommerzielle, kulturelle und informative Akti- vitäten für Fotografen in den vielen verschiedenen Bereichen der Branche ebenso beinhalten wie kulturelle Veranstaltungen, an denen die breite Öffentlichkeit teilnehmen kann. Zum WPO-Portfolio zählen derzeit der World Photography Student Focus Wettbewerb, die inter- nationalen World Photography Festivals und Events sowie das World Photography Focus Programme.

Fotografien:

Johannes Heuckeroth

Christof Pluemacher

Fabrice Fouillet

Walter Schönenbröcher