Museumsarchitektur in Spanien

Das Instituto Cervantes zeigt eindrucksvolle Fotografien neuer Museen in Spanien. In den vergangenen zwei Jahrzehnten entstanden von Architekten mit Weltruf zahlreiche Kunsttempel auf der iberischen Halbinsel. Der Kunstkritiker Klaus Englert hielt diese Werke fest –nun stoppte die Krise den Bauboom.

 

In den 1990er-Jahren erlebte Spaniens Kulturlandschaft einen unglaulichen Aufschwung. Spektakuläre Museumsbauten wie das Guggenheim-Museum in Bilbao  oder Ciudad de los Artes y de las  de les Ciencias in Valencia von Santiago Calatrava (Bild oben) haben heruntergekommene Viertel aufgewertet und sind zu Touristenmagneten geworden.

1997 wurde im spanischen Baskenland von der amerikanischen Stiftung Solomon R. Guggenheim Foundation im Auftrag gegebene Museum fertiggestellt. Das dekonstruktivistische Gebäude des kanadisch-US-amerikanischen Architekten und Designers Frank O. Gehry zog rasch die internationale Aufmerksamkeit auf sich und zog in den folgenden Jahren einen Besucherstrom an. So teilte die Museumsdirektion mit, dass die zur Eröffnung erwarteten jährlichen 600.000 Besucher in jedem Jahr übertroffen wurden. Zum 10-jährigen Jubiläum 2007 konnte auch der zehnmillionste Besucher begrüßt werden, die Zahl hat sich jetzt bei jährlich einer Million eingependelt, davon 60 Prozent aus dem Ausland. Das Museum ist neben der zweifellos großen kulturellen Bereicherung für Bilbao und die ganze Region Nordspanien auch ein wirtschaftlicher Erfolg, der mehrere tausend Arbeitsplätze geschaffen hat. Seither wird bei der gezielten Aufwertung von Orten durch spektakuläre Bauten von Architekten vom „Bilbao-Effekt“ gesprochen. Dies war sicherlich mit auch ein Grund, für die starke Bautätigkeit von Museumsprojekten in Spanien. Eine kritische Auswertung der Kosten und Nutzzen des Museumsbaus in Bilbao ergab jedoch, dass die großen Besucherströme relativ wenig Arbeitsplätze zu den Kosten des Baus geschaffen haben, und sich keine nachhaltige und wettbewerbsfähige Wirtschaft entwickeln konnte. Ein Problem, an dem die spanische Wirtschaft zur Zeit auch im Gesamten krankt. Ein Gewinn für die spanische Kulturlandschaft sind die Bauten jedoch allemal.  

Ein weiteres spektakuläres Großprojekt ist die von dem spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfene  Ciudad de las Artes y de las Ciencias (CAC) –  der Stadt der Künste und der Wissenschaften – in Valencia. Das Sciences Center wurde zwischen 1996 und 2006 in einem trockenen Flussbett des Rio Turia errichtet und besteht aus fünf Bereiche:  Dem L'Oceanogràfic, dem größten Aquarium Europas, das noch in den 1970er-Jahren von dem Betonschalen-Pionier Felix Candela geplant wurde, dem Palau de les Arts Reina Sofia, einer extravagante Oper und Musikpalast mit vier Sälen auf 37.000 Quadratmeter Gesamtfläche; deren Baukosten alleine schon 300 Millionen Euro betrugen (Aufmacherbild oben, dort Mitte links). Daneben befindet sich das L´Hemisfèric (Bild rechts), ein IMAX 3-D-Kino mit Planetarium und Laserium, das Calatrava als ein sich öffnendes und schließendes Auge konstruiert hatte und schließlich das von einer Kaurischnecke inspirierte Wissenschaftsmuseum Museu de les Ciencies Príncipe Felipe. Doch auch der Zugangsbereich zur CAC mit dem Parkhaus, L ´Umbracle genannt, wurde von Calatrava in einer auffälligen Skelettform gestaltet.

 

Der Wandel ist auch auf dem Land spürbar, wie beispielsweise in Santillana del Mar mit dem Museo de Altamira von Juan Navarro Baldeweg (Bild links). In den 80er Jahren begann er seinen eigenen Architekturstil in der Umgebung von Madrid zu verwirklichen. Zur Zeit widmet er sich hauptsächlich der Malerei und lebt zurückgezogen in Jalón.

In Mérida wurde Rafael Moneo beauftragt, das Museo de Arte Romano zu erstellen. Ausgangspunkt für den Neubau war der Wunsch, die bestehenden Grabungsfunde aus der antiken römischen Stadt adäquat aufzubewahren und auszustellen. Im Laufe der Zeit kamen weitere Fundstücke hinzu. Ferner sollte die Krypta als eigenständiger Raum in das Museum integriert und der Neubau mittels eines Tunnels mit dem Theater und Amphitheater der Stadt verbunden werden. Moneo löste diese Aufgabe, in dem er verschiedene Elemente der römischen Architektur aufnahm und diese in eine zeitgemäße Architektursprache übersetzte, so daß der Besucher Museum und Sammlung als Gesamtkunstwerk erlebt. Antike und Moderne bedingen sich gegenseitig.

In León errichtete das spanische Architekturbüro der Architekten Emilio Tuñón Álvarez und Luis Moreno Mansilla aus Madriddas Museo de Arte Contempóraneo de Castilla y Léon(MUSAC). Die polychrome Kunsthalle ist bereits kurz nach der offiziellen Eröffnung ein Wahrzeichen Léons geworden. Bewusst als Gegensatz zur traditionellen Architektur der Stadt geschaffen, soll es im Herzen Spaniens neue Akzente der Modernisierung setzen. MUSAC soll sich als ein lebendiger Raum entwickeln, das die Tore für zeitgenössische Kunst weit öffnet. Der Entwurfsgedankewar, im Grundriss ein Netzwerk aus Quadraten und Rhombenzu bauen, die sich wellenartig aneinanderreihenn.

Die expressive, aber "raue" Ausführung der Oberflächen mit Sichtbeton aus Bretterschalung, die zahllosen, speziell beleuchteten Fertigteil-Unterzüge und eine strengen Glashaut mit unzähligen Aluminiumleisten wurde bewusst gewählt, um das Museum gegenüber der Kunst zurückzunehmen. Auch die transluzenten Scheiben tragen zur geheimnisvollen Atmosphäre bei. Die Ausstellung ist in lockerer Abfolge um die Innenhöfe herum miteinander verbunden; einige Räume enden in den 18 Meterhohen, schmalen Türmen.

Der großzügige, öffentliche Vorplatz des Museums wird umgeben von einer Glasfassade mit farbigen Gläsern. 
Für die Auswahl der Farbtöne des Glases haben die Architekten 3351 verschiedene Farbtöne der alten Glasmosaike in den Fenstern der Kathedrale in Léon mit dem Computer analysiert. 

 

Basierend auf dem Bildband  des Architekturkritikers Klaus Englert „New Museums in Spain“ zeigt das Instituto Cervantes München Fotografien der Museen.

 

 

 

F o t o a u s s t e l l u n g 

New Museums in Spain

bis 16. März 
Mo-Do 10-18 Uhr, Fr 10-14 Uhr

Instituto Cervantes Múnich

Alfons-Goppel-Str. 7, München

Eintritt frei

 

 

Bilder: Presse Instituto Cervantes