Dinos neue Heimat im Schloss

Weil die Ausstellungsflächen zu klein und der Besucherandrang zu groß ist, erhält das Museum Mensch und Natur im Nymphenburger Schloss  einen Erweiterungsbau und wird zum Naturkundemuseum Bayern. Nun wurde der Realisierungswettbewerb entschieden. Den ersten Preis erhielten die Berliner Staab Architekten. 

 

Mit mehr als 200.000 Besucher im Jahr ist das Museum Mensch und Natur (MMN) eines der besucherstärksten Naturkundemuseen Deutschlands.


Das Museum ist in dem Orangerietrakt im Nordflügel des Nymphenburger Schlosses untergebracht (großes Luftbild unten, linke Seite = Nordseite). Weil auf den 2500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche nur ein Bruchteil der über 30 Millionen Sammlungsobjekte gezeigt werden kann, soll das Museum nun erweitert werden. Durch ein Zufall ergab sich nun die Möglichkeit, das bereits voll belegte Schlossteilgebäude neu zu nutzen: Weil nun das im benachbarten Gebäudeteil untergebrachte Institut für Genetik und Mikrobiologie der LMU nach Martinsried verlegt werden soll, ergibt sich nun die Möglichkeit eines Erweiterungsbaus. Ende Februar wurde nun der Realisierungswettbewerb entschieden. Gewinner sind mit ihrem Entwurf die Berliner Staab Architekten (Modell links), die zu den renommiertesten Architekturbüros in Deutschland gehören.

 

Der gebürtige Heidelberger Volker Staab hatte 1991 in Berlin sein eigenes Architekturbüro gegründet und konnte sich in den Folgejahren mit seinem Team durch seine Arbeiten und Wettbewerbe an die Spitze der Architektur-Rankings hocharbeiten (siehe Baunetz-Ranking).

In München stammt von der Feder der Staab Architekten beispielsweise ein Erweiterungsbau des Maximilianeums. Auch befindet sich ein Geschäftshaus in der Dultstraße 1 am Oberanger nach dessen Plänen gerade im Bau.

In den vergangenen Jahren konnten die Berliner interessante Museumsbauten verwirklichen, darunter das Neue Museum (1996-1999) in Nürnberg, das Museum Georg Schäfer (1998-2000) in Schweinfurt, das Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau, das Zentraldepot Albertinum in Dresden sowie das Besucherzentrum in Kassel-Wilhelmshöhe (2011).

Die Grundidee: Der Entwurf von Staab Architekten für den Erweiterungsbau des MMN greift die Anordnung des bisherigen Gebäudes in breiterer Form auf, hebt sich aber durch das Material des warmtonigen Sichtbeton davon deutlich ab und betont die Eigenständigkeit des Museumsneubaus.

Die Architekten erläutern die Idee ihres Konzeptes wie folgt:

„Mit einem überraschend einfachen Eingriff gelingt eine der Schlossanlage gerecht werdende Kubatur, eine sinnfällige Organisation und räumliche Prägnanz des neuen Museums sowie eine zeichenhafte und großzügige Adressbildung. Durch die Erhöhung der Gebäudetiefe entlang der Maria-Ward-Straße entsteht ein Museumsvolumen, welches auf drei Etagen die vorgesehenen Museumsräume sinnfällig organisiert. Durch die beiden großen torartigen Durchgänge wird der Museumshof zur eigentlichen Adresse des neuen Hauses.“

Das Museum kann gleich durch drei Eingänge erreicht werden: Der Hauptbesucherstrom wird vom Vorplatz des Schlosses und von der Maria-Ward-Straße erwartet, hier wird der erste Zugang an der Ostseite angeordnet, ein weiterer Zugang wird von Westen vom Schlossgarten aus vorgeschlagen. Ein dritter Zugang zum neuen Museumshof wird deshalb über den bestehenden symmetrischen Durchgang vom Orangeriehof ausgebildet.

Der Haupteingang an der Maria-Ward-Straße (Visualisierung links unten) wirkt, indem die gesamte Breite des Innenhofs ausgenutzt wird, wie ein Brückendurchgang. Der Innenhof ist das neue Zentrum und zugleich Vorzone des Museums, von dem der Kassenbereich des Museums, das Café, der Zugang zu Sonderausstellungsräumen im Untergeschoss und einem Vortragssaal erschlossen wird.

 

„Wir begreifen diesen Raum als inhaltlichen Bestandteil des Museums und seines Rundgangs, er empfängt die Besucher und kann nur Ausstellung von witterungsunempfindliche Objekten genutzt werden“, erläutern die Staab Architekten.

Die äußeren Fassaden zu den Straßen erhalten eine Fassade aus warmtonigem Sichtbeton. Die Dachflächen werden mit Metallschindeln belegt, die durch ihre Proportion und Farbigkeit an die Ziegeldächer des Schlosses erinnern und als zeitgemäße Interpretation gelesen werden sollen. Während die Aussenfassaden sehr geschlossen wirken, sind die Fassaden des Innenhofes durch viel Glas geprägt.

Die Raumaufteilung ist sehr kompakt gewählt. Die Dauerausstellung wurde um einen zweigeschossigen Großraum (siehe Bild links unten) in der Mitte angeordnet. Von oben belichtet empfängt das Skelett des Diplodocus den Besucher. Durch seine lichte Höhe von rund zehn Meter können hier Großobjekte präsentiert und zum Beispiel in unterschiedlichen Höhen gehängt werden.

 

Blickbezüge aus den Ausstellungsräumen der Sammlung im ersten Obergeschoss lassen diesen Raum für Großobjekte zum zentralen Erlebnisraum des Naturkundemuseum werden. Für die Beleuchtung sorgt zudem ein Oberlichtband und zwei kleine Lichthöfe. „Einblicke und Durchblicke – sind vielfältig, klug und ohne Opulenz“, so das Lob der Wettbewerbsjury. „Insgesamt ein sehr kompaktes und schlüssiges Museumskonzept, dem im gesetzten Rahmen sowohl eine einladende Geste wie auch eine dem Ort angemessene Fortschreibung gelingt.“

Die aktuellen Ausstellungsflächen sollen durch den Erweiterungsbau mehr als verdoppelt werden und am Ende über 7000 Quadratmeter betragen. „Die Entwürfe bieten Raum für innovative Konzepte moderner Wissensvermittlung“, betonte der Bauherr, der bayerische Staatsminister Ludwig Spaenle. „So werden naturwissenschaftliche Themen mit allen Sinnen erfahrbar.“ Die geschätzten Gesamtkosten des Projekts betragen rund 84 Millionen Euro.

Im Wettbewerb für den Erweiterungsbau gingen insgesamt 125 Bewerbungen ein. 35 Büros wurden zur Teilnahme ausgewählt. Der Entwurf des 2. Preis von Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten aus Nürnberg  nutzte den Innenhof durch eine Kuppel als Großausstellungsraum und zeichnet sich dadurch ein großzügiges Konzept aus. Der 3. Preis erhielt PFP Architekten aus Berlin, der 4. Preis Hascher Jehle Architektur in Berlin.

Ulrich Lohrer, 05.04.2014

Textquellen: Realisierungswettbewerb – Erweiterung des Museums Mensch und Natur zum Naturkundemuseum Bayern vom Staatlichen Bauamt München 1; Naturkundemuseum Bayern in München, Erläuterungstext von Staab Architekten Berlin; Pressemeldungen des Bay. Staatsministerium für Kultur und Wissenschaften

Bildquellen: Visualisierungen Staab Architekten, Berlin; Fotos Staatlichen Bauamt München 1