Bauen im Bestand: Preise für Staab, Brückner + Brückner und Muck Petzet

Zum ersten Mal wurde der Staatspreis Bauen im Bestand vergeben. Ausgezeichnet wurden Staab Architekten für das Richard Wagner-Museum in Bayreuth, Brückner + Brückner für die Burg Falkenberg und Muck Petzet für das Bürogebäude Bavariaring in München.

 

Die Auszeichnungen für den vorbildlichen Umgang mit bestehender Bausubstanz in Bayern gehen nach Bayreuth (Richard Wagner Museum, siehe Bild oben), Tirschenreuth (Burg Falkenberg, siehe Bild links) und München (Neugestaltung Verwaltungsgebäude am Bavariaring, Bild links unten)

Die Bayerische Architektenkammer und das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst zeichneten bei der Preisverleihung am 20. Juni 2017 in der Allerheiligen-Hofkirche zum ersten Mal Werke und deren Urheber aus, die mit zukunftsweisenden architektonischen Konzepten sowohl die Geschichte des Bestands wie auch deren „graue Energie“ in besonderem Maße berücksichtigen und sich damit um einen vorbildlichen Umgang mit bestehender Bausubstanz verdient gemacht haben. 
„Etwa 80 Prozent des Bauinvestitionsvolumens fließen derzeit in den Gebäudebestand. Sanierungen, Erweiterungen und Modernisierungen sind die aktuellen planerischen, gesellschaftlichen und kulturellen Aufgaben“, so Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer.
Die Preise „Bauen im Bestand“ wurden in drei Kategorien verliehen. Diese sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert. In die Kategorie 1 fallen Gebäude, die ursprünglich vor 1900errichtet wurden, Kategorie 2 berücksichtigt Gebäude, die zwischen 1900 und 1945 entstanden sind und Kategorie 3solche, die aus den Jahren 1945 bis 1985 stammen. Alle Gebäude wurden in den letzten fünf Jahren saniert bzw. umgebaut. Die Gebäude können unter Denkmalschutz stehen, müssen es aber nicht.

Preisträger Kategorie 1: 
Der Preis „Bauen im Bestand“ in der Kategorie 1 geht an das Richard Wagner Museum Bayreuth, Bauherr: Stadt Bayreuth, Architektur: Staab Architekten GmbH, vertreten durch die Geschäftsführer Volker Staab, Alfred Nieuwenhuisen, Per Pedersen, Hanns Ziegler, Berlin, in Zusammenarbeit mit der HG Merz GmbH, Stuttgart, und der Levin Mosigny Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin. 
Bei der Preisverleihung begründete die Laudatorin Prof. Dr. Uta Hassler das Votum der Jury für das Richard Wagner Museum u.a. wie folgt: „Bemerkenswert ist dieses Projekt auf Grund der stimmigen Behandlung in allen Maßstabsebenen. Nicht nur allein der virtuose Umgang mit den Volumina, die es erlaubt haben, den historischen Bestand wieder frei zu stellen, sondern auch die zurückhaltende Eleganz des Neubaus zeugen von großem architektonisch planerischem, kulturellem und technischem Geschick.“

Das Projekt wurde zusätzlich mit dem „Staatspreis Bauen im Bestand“ der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet.

Vier Anerkennungen Kategorie 1: Die Jury sprach zudem je eine Anerkennung für vier weitere Projekte aus: Neues Schloss Ingolstadt (Bauherr: Freistaat Bayern, Staatliches Bauamt Ingolstadt; Architektur: Guggenbichler Netzer Architekten GmbH, München), Königlicher Bahnhof Feldafing - Umbau zum Rathaus (Bauherr: Gemeinde Feldafing, Architektur: Sunder-Plassmann Architekten + Stadtplaner, Greifenberg, siehe Bild links unten), Veranstaltungsräume in der ehemaligen Staatsdomäne (Bauherr: Gemeinde Sonnefeld, Architektur: KUG Architekten Carolin Kodisch, Odile Ullrich-Heigl, Harald Gasmann, München, in Zusammenarbeit mit dem Architekten Reinhold Huth, Burgkunstadt und dem Landschaftsarchitekten Jochen Köber, Stuttgart) sowie für das Projekt Alt und Neu im Dienstleistungszentrum Iphofen (Bauherr: Stadt Iphofen, Architektur: Architektur Büro Jäcklein, Volkach und Architekturbüro Böhm + Kuhn, Iphofen).  


Preisträger Kategorie 2:
Mit dem Preis „Bauen im Bestand“ in der Kategorie 2 wird das Projekt „Intarsien in Stein - Burg Falkenberg“ ausgezeichnet, Bauherr: Markt Falkenberg; Architektur: Brückner + Brückner Architekten GmbH, vertreten durch die Geschäftsführer Christian Brückner und Peter Brückner, Tirschenreuth.
Der Laudator Friedrich Geiger begründete die Entscheidung der Jury u.a. wie folgt: „Der sensible Umgang mit der teilweise über tausendjährigen Substanz, die selbstverständliche Überführung in eine aktuelle adäquate Nutzung und der angemessene Transfer in eine zeitgemäße Architektursprache, verdienen besondere Erwähnung. Die Burg, die nun von über zwei Seiten erschlossen werden kann, barrierefrei über eine Rampe und einen Aufzug vom Dorf, oder alternativ über die alte Zugbrücke, verliert damit den Charakter eines unzugänglichen Bollwerks und wird ganz selbstverständlich nutzbares, sichtbares Zentrum des Ortes.“ 
Drei Anerkennungen Kategorie 2:
Je eine gleichwertige Anerkennung in der Kategorie 2 ging an die drei Projekte: Ramersdorf Mitte – Familien zurück in die Stadt (Bauherr: GEWOFAG Wohnen GmbH, München, Architektur: Bogevischs Büro Architekten + Stadtplaner GmbH, München, in Zusammenarbeit mit Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner mbB, Freising), Autobahnmeisterei von Paul Bonatz weitergebaut, Nürnberg-Fischbach (Bauherr: Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Autobahndirektion Nordbayern, Architektur: Bernhard Landbrecht, Architekt und Stadtplaner, in Zusammenarbeit mit der 2-BS-Architektengesellschaft mbH, Nürnberg) sowie an das Effizienzhaus Plus im Altbau, Neu-Ulm (Bauherr: NUWOG Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Neu-Ulm; Architektur: 05 Architekten Joachim Raab, Jan-Henrik Hafke, Ruben Lang, Frankfurt/ Main, in Zusammenarbeit mit dem Architekten Georg Linder, Günzburg).

Preisträger Kategorie 3: 
Der Preis „Bauen im Bestand“ in der Kategorie 3 wird verliehen für die Neugestaltung Verwaltungsgebäude am Bavariaring, München, Bauherr: Verband Baugewerblicher Unternehmer Bayerns e.V., München; Architektur: Muck Petzet und Partner Architekten, vertreten durch den verantwortlichen Partner Architekt Andreas Ferstl, in Zusammenarbeit mit der Linsmeyer Projekte GmbH, München. 
Laudator Architekt Armando Ruinelli erläuterte die Entscheidung der Jury anlässlich der Preisverleihung u.a. wie folgt: „Das Projekt zeigt auf bemerkenswerte Weise, wie ein subtiler Umgang mit vorhandenen Qualitäten einer Bestandsimmobilie großmaßstäblich zu einer stärkeren Verbindung mit dem Quartier und gleichzeitig kleinmaßstäblich zu einer dem Typus angemessenen und aktuellen Anforderungen genügenden Nutzung führen kann.“
Zwei Anerkennungen Kategorie 3:
Die Jury sprach zudem je eine Anerkennung für Umbau und Sanierung Institutsgebäude 0505 TUM (Bauherr: Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatliche Bauamt München 2; Architektur: Hild und K Architekten, München, in Zusammenarbeit mit Keller Damm Kollegen Landschaftsarchitekten Stadtplaner GmbH, München) und für das Projekt „Klein-Amerika“, München-Obergiesing (Bauherren: Jutta und Oliver Klein; Architektur: Thomas Pscherer, Architekt, München) aus. 

Hintergrund zum Preis:
Der Preis „Bauen im Bestand“ wird in 2017 zum ersten Mal verliehen. Er zielt darauf ab, Vorhaben ins Blickfeld zu rücken, die besonders positiv auffallen, weil sie innovativ sind und gleichzeitig historischen Hintergrund, Traditionsbewusstsein und Moderne verbinden. Unabhängig von der Größe der Projekte soll das Qualitätsniveau von gelungener Architektur und damit Baukultur in Bayern sichtbar gemacht werden. 
Der Preis ist bundesweit einmalig. Die hohe Resonanz von 250 Einreichungen von Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern belegt, dass dieser auf fruchtbaren Boden fällt. In einem mehrstufigen Verfahren wurden von der Jury zunächst 74 Projekte aus den Einreichungen ausgewählt. 18 dieser Projekte wurden in die engere Auswahl für Preise und Anerkennungen genommen und im Mai 2017 von der Jury bereist. 

Die Preisträger-Projekte sind künftig an der im Rahmen der Preisverleihung übergebenen Plakette mit der Aufschrift „Preis Bauen im Bestand“ öffentlich zu erkennen.

Jury
Die Auswahl erfolgte durch eine hochkarätig besetzte Jury, die das baukulturelle Geschehen in Bayern besonders beobachtet. Ihr gehörten an: die Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, Christine Degenhart, die 1. Vizepräsidentin der Bayerischen Architektenkammer, Marion Resch-Heckel, der Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Prof. Mathias Pfeil, der Leiter der Abteilung Kunst und Kultur des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst MinDir. Toni Schmid, als Mitglied des Bayerischen Landesdenkmalrates und Vorsitzender der Jury Ulrich Karl Pfannschmidt, als Mitglied des Bayerischen Landesbaukunstausschusses Prof. Uta Hassler, der Leiter der Abteilung Hochbau der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, MinDir. Friedrich Geiger, als Vertreter der Lehre Prof. Dr. Manfred Schuller, Lehrstuhl für Baugeschichte, Historische Bauforschung und Denkmalpflege der TU München, der Architekturjournalist Alfred Dürr, Süddeutsche Zeitung, als Vertreter der Medien sowie als Architekt aus dem Bereich des Bauens im Bestand Armando Ruinelli.

Quelle: Bayerische Architektenkammer

Bildnachweis: Richard Wagner Museum Bayreuth, Foto: Markus Ebener; Intarsien in Stein, Burg Falkenberg, Foto: André Mühling,; Neugestaltung Verwaltungsgebäude Bavariaring, Foto: Muck Petzet Architekten