Stadtmuseum: Lösung mit Kubus im Hof

Der Stadtrat hat die Sanierung und Umbau des Stadtmuseums für 100 Millionen Euro beschlossen. Der Plan des Münchner Architekturbüros Auer und Weber bezieht klug den bisher ungenutzten Innenhof ein und schafft ein Eingang vom Rindermarkt.

 

„Das Münchner Stadtmuseum ist ein baugeschichtlich und architektonisch äußerst heterogener, gewachsener Komplex“, so die Verfasser des „Standartwerks  Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München Mitte.“ Der Komplex umfasst das gotische Zeughaus (1491-1493) von Lukas Rottaler, der städtische Marstall mit seinem steilen Pultdach, den von Hans Grässel nördlich angrenzenden Trakt im Neurenaissancestil (1926-1928) sowie den östlichen Erweiterungsbau (1930-1931) von Hermann Leitenstorfer. Nach dem Wiederaufbau des im Zeiten Weltkriegs zum Teil zerstörten Stadtmuseums wurde der Komplex durch einen zusätzlichen Erweiterungsbau (1959-1964) von Gustav Gsaenger im Nordosten bis zum Rosental in seiner Größe nahezu verdoppelt.

Größtes deutsches Stadtmuseum

„Das 125 Jahre alte Münchner Stadtmuseum ist das größte kommunale Museum Deutschlands“, ist Dieter Reiter, Oberbürgermeister von München stolz. Doch nun bedarf das heterogene Gebilde einer Generalsanierung und einer Erweiterung.  „Die Funktionalität des Hauses und die technische Ausstattung entsprechen nicht mehr dem Anspruch an ein modernes Museum – München braucht ein zukunftsfähiges, modernes Stadtmuseum“, so der OB.

Finanzielles Großprojekt

Dies lässt sich die Stadt mit geschätzten 100 Millionen einiges kosten. Dabei stellte die Stadt den 23 Teilnehmer des europaweit ausgeschriebenen Architektenwettbewerb vor eine verzwickte Aufgabe: Zum einen sollten den denkmalgeschützten Gebäude erhalten und innerhalb der dichten Altstadtbebauung neue Ausstellungsflächen schaffen. Zudem sollte eine neue, funktionalere Gliederung der Räume und Erschließungswege entworfen und die baulichen und technischen Mängel beseitigt werden.

Aurichtung zum Rindermarkt und Rosental

Die Jury entschied sich für den Entwurf von Auer Weber, die mit der Bebauung des Innenhofes im Grässelkomplex und der Verlagerung des Eingangs nach Norden zum Rosental Richtung Rindermarkt eine elegante und kluge Lösung gefunden haben. Erst vor kurzem machte das Architekturbüro mit seinem Entwurf für die Umgestaltung des Münchner Hauptbahnhofs und des Postgebäudes in Nürnberg von sich reden.

Verwandlung des Hinterhofs zum Herz des Museums

Der Innenhof soll gläsern überdacht und durch einen Kubus ohne Außenwände ergänzt werden. „ Der Baukörper hält deutlichen Abstand zu den Bestandsfassaden und dockt nur punktuell mit den Stegen an den Bestand an – dadurch ist der Bestandsbau weiterhin erkennbar und der Erhalt der Innenhoffassaden nahezu vollständig gewährleistet“, lobt die Jury. Durch die wechselnden Geschosshöhen im Neubau werden flexible sowie unterschiedlich hohe Ausstellungsräume geschaffen. 

Die Denkmalpfleger im Gremium nörgelten allerdings, dass die „Präsenz des Innenhofs als Gesamtraum eingeschränkt und das Längsfenster an der neugestalteten Ecke an der Nordseite nicht nachvollziehbar“ sei.
 Auch soll der neue Kubus wohl etwas kleiner als geplant ausfallen.

"Die Architektursprache des Neubaukörpers und der Hofüberdachung wird in Bezug auf den Bestand kontrovers diskutiert. Sie wirft einerseits die Frage der Angemessenheit für ein Museum auf, andererseits gibt sie eine sinnliche Analogie zum gemischten Sammlungsbestand des Münchner Stadtmuseums. Denkmalpflegerisch ist anzumerken, dass die Präsenz des Innenhofs als Gesamtraum eingeschränkt und das Längsfenster an der neugestalteten Ecke an der Nordseite nicht nachvollziehbar sei.
Stadtplanerisch ist festzustellen, dass die Lösung mit einer Innenhofbebauung in dieser Größenordnung zwar nicht vorgesehen gewesen war, dieses jedoch in der Weiterentwicklung durch eine Verringerung der Baumasse des „Kubus“ als „heilbar“ angesehen wird.“

Neu gestaltet wird zudem das Filmmuseum und das Stadtcafé am Sebastiansplatz, wo ein neues „Altmünchner Wirtshaus“ eröffnet werden soll.

 

Ausstellung:

Das neue Münchner Stadtmuseum: Pläne und Modelle für die Zukunft

Die fünf Lösungsansätze einschließlich der Modelle werden bis zum 13. September 2015 während der regulären Öffnungszeiten im Saal des Münchner Stadtmuseums der Öffentlichkeit präsentiert, sie sind kostenfrei zugänglich.

Weitere Informationen:

Das neue Münchner Stadtmuseum: Pläne und Modelle für die Zukunft

 

Visualisierungen: Auer Weber