Neuaubing: Bürger-Versuche im Stadtteillabor

Am 2. Juni wurde das sogenannte „Stadtteillabor Neuaubing-Westkreuz“ eröffnet. München ist damit mit den Partnerstädten Wien und Lyon eine der ausgewählten Großstädte des EU-Projekts „Smarter Together“, in dem Bürger mit Wissenschaftlern und Unternehmen Lösungen für das urbane Leben entwickeln sollen.

 

Bei der Auftaktveranstaltung am 2. Juni im Paul-Ottmann-Zentrum wurde das gesamte Projekt vorgestellt und erläutert, wie die BewohnerInnen einzelne Bausteine des Projekts konkret mitentwickeln können. Ziel des Projektes ist es, den großflächigen Einsatz von innovativen Energie-, Verkehrs- und Technologielösungen zu erproben.

München hat sich innerhalb des Konsortiums mit dem Sanierungsgebiet Neuaubing-Westkreuz und dem Neubaugebiet Freiham beworben. Neuaubing-Westkreuz im Bezirksteil Aubing-Süd des westlichsten Münchner Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied ist mit seinen 350 Hektar eines der größten Entwicklungsgebiete Deutschlands. Es beinhaltet zahlreiche Bestandsgebäude aus den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren, die dringend modernisiert werden müssen. Ein vordringliches Ziel von Smarter Together ist es, durch großflächige, energetische Wohnhaussanierungen Niedrigenergiequartiere zu schaffen, unterstützt durch die Geothermie- gespeiste Fernwärme-Versorgung aus dem Neubaugebiet Freiham. Durch das EU-Projekt können insgesamt bis zu 42.000 qm Wohnfläche auf einen anspruchsvollen Eneregiestandard saniert werden. "Das gibt dem Stadtviertel am Stadtrand einen enormen Schub", sagt Ulf Millauer, Chef der städtischen MGS, die das Projekt koordiniert. Die sozialverträgliche energetische Sanierung von Wohngebäuden nimmt eine besonders hohe Priorität im Projekt ein. Geplant ist, Eigentümerinnen und Eigentümer mit ganzheitlichen Sanierungskonzepten zu unterstützen. Ein Teil der Kosten für deren Umsetzung wird durch die EU-Förderung getragen. Die Finanzberatungsfirma G5 Partners ist Projektpartner und berät. Die Firma Bettervest, ebenfalls Projektpartner, betreibt eine Crowdfunding-Plattform für Energieeffizienzprojekte.

„Die magische Zahl für das Projektgebiet lautet „20“: wir möchten mehr als 20 Prozent CO2 einsparen, mehr als 20 Prozent erneuerbare Energien nutzen und die Energieeffizienz um mehr als 20 Prozent steigern“, erläutert Münchens 2. Bürgermeister Josef Schmid (CSU).

Insgesamt 20 Millionen Euro fließen in den nächsten fünf Jahren in das Sanierungsgebiet Westkreuz und Neuaubing sowie in das Neubaugebiet Freiham. Mit diesem Geld plant die Landeshauptstadt gemeinsam mit städtischen Gesellschaften und Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft, führenden europäischen Industrie- und Forschungspartnern sowie Non-Profit-Organisationen den „Stadtteil der Zukunft“. Sein Markenzeichen soll eine möglichst hohe Energieeffizienz und eine vernetzte Mobilität sein. „Mit Smarter Together entwickeln wir die Stadt von morgen“, betonte Josef Schmid.

Die EU-Kommission fördert dabei nur Innovatives, das in Folge dann auch von anderen Städten und Wohnquartieren übernommen werden könne. Neue Technologien, ganzheitliche Sanierungen auch von privaten Wohnungen, Niedrigenergie-Quartiere, erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilitätskonzepte, moderne Dienstleistungs-Apps – es gibt bereits viele Themen und Ideen, um die Zukunftsstadt zu gestalten. Ein Beispiel ist die Mobilität. Hier sollen innovative Konzepte umgesetzt werden. Das bisherige Angebot des ÖPNV (Öffentlicher Personen-Nahverkehr) könnte beispielsweise mit E-Autos beim CarSharing, mit Lastenpedelecs und Fahrrädern der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ergänzt werden. Dazu möchten die Verantwortlichen eine möglichst einfache APP entwickeln, die alle Dienstleistungen digital verbindet.

Im Stadtteil-Labor sollen zunächst die Bürger das Wort haben. Ihnen stehen Professor Ignacio Farias vom Munich Center for Technology in Society der Technischen Universität München mit seinen Mitarbeitern gemeinsam mit der MGS zur Seite. Farias ist Experte für Partizipationsforschung.

Stadtteil-Labor 'Gemeinsam Gegenwart Gestalten'

Zeit: 02.06.2015, 18h

Ort: Paul-Ottmann-Zentrum Westkreuz
Radolfzeller Straße 5a (1.Stock)
81243 München

Weitere Informationen:

http://aktive-zentren-neuaubing-westkreuz.de/startseite.html

Quellen: Professur für partizipative Technikgestaltung TUM, Referat für Arbeit und Wirtschaft Landeshauptstadt München