Der Verwandlungskünstler

Der Frankfurter Architekt Stefan Forster gestaltete in Ostdeutschland triste Plattenbauten in attraktive Eigentumswohnungen um. Sein Vorgehen: schneiden, stutzen, herausbrechen, füllen. Nun ist der Verwandlungskünstler erstmals an einem Projekt in München beteiligt. Mit dem Bauabschnitt LöwenHof ist er an dem Großprojekt der WelfenHöfe in der oberen Au beteiligt. 

 

Wegzug  großer Teile der Bevölkerung verwandelten viele ostdeutsche Städte seit den 1990er-Jahren in trostlose Gebiete mit sozialen Sprengstoff. In den tristen Plattenbauten des real existierenden Sozialismus wollten immer weniger Menschen als ihre Heimat ansehen. Doch mit Hilfe architektonischer Gestaltungskraft gelang zum Teil durch Rück- und Umbau die Verwandlung in attraktive Wohngebiete. Als Künstler auf diesem Gebiet erwies sich Stefan Forster.

Stefan Forster (*1958) studierte an der TU Berlin Architektur (1978-1984), legte mit einem Stipendium des DAAD ein Aufenthalt in Venedig ein und arbeitet in verschiedenen Büros (Langhof, Berlin; Kuhler, Mannheim) , ehe er sich 1989 mit einem eigenen Architekturbüro in Darmstadt selbständig machte. In den Jahren von 1988 bis 1993 war Forster Assistent bei Jürgen Bredow am Lehrstuhl für Wohnungsbau der Technischen Hochschule Darmstadt. Die Schwerpunkte des Büros, das seit 1995 ihren Sitz in Frankfurt am Main hat, liegen auf dem städtischen Wohnen. 2008 wurde Forster in den Vorstand des Bundes Deutscher Architekten (BDA) berufen.

 

Plattenbauwohnungen in Leinefelde, Goethestraße, Um- und Rückbau von  (2003-2007)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Prinzipien Addition, Subtraktion sowie Privatisierung des direkten Wohnumfeldes werden in den Bauten der Goethestraße variiert. Die Anzahl der Geschosse der zuvor entmieteten Gebäude wurde von fünf auf dreieinhalb reduziert. Die Hauszugänge werden auf die Hofseite verlegt und stärken mit ihrer neuen Lage die Privatheit des Quartiers. Die Anzahl der Eingänge wurde von vier auf zwei gesenkt. Durch die völlige Neuordnung der Grundrisse entstanden zwanzig Wohnungen, die durch ihre Größe die gesteigerte Nachfrage nach Vierzimmerwohnungen befriedigen. Die Wohnungen in den obersten Etagen erhielten großzügige Dachterrassen, die in den Zwischengeschossen tiefe Balkone, die über zwei Fensterachsen reichen. Vor den Eingängen wurde der haushemeinschaftliche Bereich mit verschieden hohen Klinkermauern, einer Sitzbank und Bäumen und einem Haushof weiterentwickelt.

„The before and after photographs of socialhousing blockst hat architect Stefan Forster has had his way with look like preoperative and postoperative images advertising architectural plastic surgery.“

Terri Peters, „Cut, Crop, Erase, Fill“; in Mark –Another Architecture, No 31, April/Mai 11

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Plattenbau in Halle, Oleanderweg, Um- und Rückbau (2003-2010) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Oleanderweg liegt in „Haneu“. Das Kürzel ist nicht mit dem vietnamesischen Hanoi zu verwechseln, sondern steht  für Halle-Neustadt. Das Gebiet ist weniger prosaischer als es klingt, sondern Platte. Haale an der Saale ist eine „schrumpfenden Stadt“, weshalb ganze Straßenzüge von Gründerzeitvierteln leerstehen. Man hat entschieden, die zu DDR-Zeiten entstandene Plattenbausiedlung   Halle-Neustadt gesundzuschrumpfen. Die IBA Stadtumbau in Sachsen-Anhalt suchte nach Auswegen. In   Workshopverfahren gewnn Stefan Forster mit seiner Lösung den ersten Preis.  Durch den Rückbau von zwei Treppenhäusern und des so genannten „Verbinders“ wird die fußläufige Verbindung des Blockinnenbereiches zur „Grünen Galerie“ verbessert. Die verbliebenen elf Treppenkerne wurden durch die Vergrößerung der Wohnungen und die Umwandlung der bestehenden Zweispänner in Dreispänner in den Obergeschossen auf insgesamt sechs reduziert. Durch Abtreppung des 3. und 4. Obergeschosses entstanden große Dachterrassen.

Der neue, tiefe und durchlaufende Balkon in den darunter liegenden Geschossen schafft neue Außenraumqualitäten für die Wohnungen. Im Erdgeschoss entstanden zehn zweigeschossige, etwas 135 Quadratmeter große Townhouses mit eigenen Zugängen und Privatgärten. 

Wie bei den Leinefelder Platten-Umbauten von Stefan Forster erhielt auch dieses Gebäude einen umlaufenden Sockel auf Erdgeschossniveau mit den Wohnungen direkt zugeordneten Privatgärten. Insgesamt wurden aus vormals 125 nun 81 Wohnungen in den Größen von 35  bis 130 Quadratmetern Wohnfläche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wohnanlage Voltastraße, Frankfurt (2006)

„Die Wohnanlage erinnert an die großen Wiener Wohnhöfe. Die vier- bis sechsgeschossige Anlage in Form eines langschenkligen U nimmt kalkuliert Anleihen auf die gründerzeitliche Blockrandbebauung auf. Die kraftvolle Klinkerfassade, die mit den eher zarten Geländern kontrastiert, weckt Assoziationen an die derzeit verschwindende Fabrikarchitektur der Umgebung. Wenige, klar gesetzte Vor- und Rücksprünge, betonte Laibungen und tiefe Dacheinschnitte geben dem Karree eine verhaltene Plastizität. Nicht nur in Bezug auf das Erscheinungsbild, sondern auch in Sachen Nutzerfreundlichkeit versucht das Gebäude Maßstäbe zu setzen. 15 Wohnungen pro Treppenaufgang, drei Mieteinheiten pro Geschoss sorgen für übersichtliche Größe, gut proportionierte Grundrisse für Flexibilität. Details woe stehende Fenster, großzügige Loggien oder Hochparterrewohnungen geben der Anlage eine noble Anmutung, die im geforderten Wohnungsbau selten ist.“ Stefan Forster Architekten

 

 

Kepler-Residenz in Frankfurt (2010)

Mit der Wohnanlage aus 27 Wohneinheiten wurde eine Lücke in einem Blockrand geschlossen und eine Brache bebaut. Die Anlage mit einem Verkaufspreis von 4100 Euro pro Quadratmeter ist auf das gehobene Segment ausgerichtet.

„Die vielfach gestaffelte Frankfurter Anlage mit ihren Vor- und Rücksprüngen, den Terrassen, Balkonen und Loggien ist wie ein dreidimensionales Puzzle aus den baurechtlich notwendigen Abständen und dem Wunsch nach möglichst viel Privatheit trotz der hohen Dichte entstanden.“ Christof Bodenbach, „Neues im Nordend, Baumeister B3 2011

 

 

 

 

Löwenhof in den Welfenhöfen, Welfenstraße in München (2010-2013)

In der oberen Au errichtet die Bayerische Hausbau gegenüber dem Ostfriedhof die Wohnanlage Welfenhöfe. Einen Teil der Anlage haben Stefan Forster Architekten konzipiert. Die sechsgeschorrigen Gebäude in Form eines Doppel-T´s beziehen sich auf das Münchner Modellquartier der 1920er Jahre wie der Borstei. Die Wohnungen sind als Mehrspänner organisiert und werden über Innenhöfe erschlossen. Ein gemeinschaftlicher Grünbereich steht den Bewohnern zur Verfügung. Die Fassaden erhalten ihre Profilierung durch die Aufnahme aus der Grundrissfigur entwickelten L-Form.“ Stefan Forster Architekten.

 

 

Weitere Information:

Gibt es im Internetauftritt der Stefan Forster Architekten.