Neues Kleid für Lehrkörper

Der Gebäudekomplex der Technischen Universität wird generalüberholt. Dabei leuchten nicht nur alte architektonische Perlen wieder, sondern es werden auch interessante neue Gestaltungen durch geführt.

 

Das Hauptgebäude der Technischen Universität München (TUM) im Museumsviertel hat seit dem Gründungsbau des „Königlichen Polytechnikum“ 1866 durch Gottfried von Neureuther große bauliche Veränderungen durchlaufen. Vor allem nach dem Zeiten Weltkrieg, bei dem 40 Prozent des Gebäudebestands zerstört wurden, erhielt die Anlage damals von dem Architekten Robert Vorhoelzer eine umfassende Neugestaltung beim Wiederaufbau.

Der Begründer der Münchner Postbauschule hat in den 1920-er Jahren mit seinen Mitarbeitern nicht nur elegante Gebäude im Stil des Bauhaus wie die geschwungene „Goethepost“, den Postbauten an der Tegernseer Landstraße und dem Harras errichtet, sondern war auch Professor für an der TH München.  Im Oktober 1933 wurde er auf persönliche Weisung des neuen Reichskanzlers, Adolf Hitler – der die Postbauten bolschewistisch einstufte – von seinem Lehrstuhl relegiert und in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Nun wurde Vorhoelzers sechsgeschossiger Bibliotheks- und Verwaltungsbau saniert. "Durch das staatliche Bauamt München 2 wurde ein CO2-Programm realisiert, bei dem die Fassade saniert und das Flachdach sowie die Terrassenflächen gedämmt wurden", erläutert Klaus Becker von der Technischen Universität München. Zudem wurde an dem Gebäude mit Hilfe des Konjunkturprogramm II Brandschutzmaßnahmen und durch die Londoner Architekten horden cherry lee der Eingangsbereich neu gestaltet. Die Gesamtkosten beider Maßnahmen betragen etwa 13 Millionen Euro und sollen noch dieses Jahr abgeschlossen sein. Vorhoelzers nach dem Krieg erbautes Gebäude im TUM-Areal leuchtet nun wieder zwischen den düsteren Altbauten und den Flügelbauten seines Ex-Kollegen German Bestelmeyer im hellem weiß. Trotz der energetischen Maßnahmen konnte die leichte Eleganz im Bauhausstil bewahrt werden.

 

Äußerlich deutliche größere Veränderungen erhält dagegen das Institutsgebäude für die Fakultät der Wirtschaftswissenschaften an der Luisenstraße Ecke Theresienstraße. Der von Franz Hart 1963 erbaute Stahlbetonbau mit Fertigteilfassade war ebenfalls bautechnisch und energietechnisch als auch hinsichtlich des Brandschutzes stark sanierungsbedürftig.

Als Ergebnis eines Wettbewerbs wurde an die Münchner Hild und K Architekten der Auftrag einer Sanierung mit neuer Fassadengestaltung vergeben. "Die Generalsanierung erfolgt in zwei Bauabschnitten", sagt Becker. "Während der Flügel zur Luisenstraße noch dieses Jahr fertig gestellt sein wird, dauern die arbeiten an der Theresienstraße noch bis etwa 2013 an." Die Baukosten werden mit 28 Millionen Euro veranschlagt.

Die Neugestaltung soll im Kontext der alten und neuen TU-Gebäude stehen. Andreas Hild und Dionys Ottl haben über Harts Gebäude eine Vormauer aus anthrazitfarbenen Ziegeln gesetzt. Ihre Fassade mit in unterschiedlichen Ebenen ausladenden Mauerpfeiler erzeugen eine geschwungene Dynamik und greift wie die benachbarten Altbauten mit ihren Natursteinarbeiten in den Stadtraum von Luisen- und Theresienstraße ein. Die dunklen, silbern schimmernde Ziegel korrespondieren zu der gegenüberliegenden hellen Sichtziegelwand der Hochvolthalle von Werner Eichberg und Franz Hart (1957-1960). Die silbern-schimmernde Erscheinung wurde durch das „Sintern“ verursacht, indem vor dem Brennen den Ziegeln metallische Pulver beigemischt wurden. Mit ihrer silbernen Erscheinung stellt die neue Fassade auch die optische Verbindung zu dem im Innenhof befindlichen, aluminiumverkleideten Auditorium Maximum von Rudolf Wienand aus den 1990er-Jahren her. 

Während Passanten bereits an der Luisenstraße diskutieren, ob die eigenartig-geschwungene Ziegelwand ihnen nun gefällt oder nicht, wird am Gebäude noch bis 2013 gearbeitet. Dann sollen auch die restlichen Fassadenteile sowier die in hellen Gelbtönen gehaltene Innenraumgestaltung der Seminar- und Büroräume vollendet sein.

 

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