Baudenkmale: Am 13. September sind die Tore geöffnet

Historische Baudenkmale, Stätten und Parks können neugierige Besucher deutschlandweit am Tag des offenen Denkmals erleben. Auch in München können Interessierte Gebäude wie die Anatomische Anstalt oder Luftschutzbunker besichtigen, die sonst für der Allgemeinheit verschlossen sind.

 

Mehr als 7700 historische Baudenkmale, Stätten und Parks können neugierige Besucher deutschlandweit am Tag des offenen Denkmals am 13. September erleben. Das teilt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz aus Bonn als bundesweite Koordinatorin der Aktion mit.

Geboren wurde die Idee  vom französischen Kultusminister Jack Lang, der 1984 in Frankreich die "Journées Portes ouvertes dans les monuments historiques" ins Leben ruft. Aufgrund der großen Resonanz in der Bevölkerung folgen in den nächsten Jahren weitere Länder dem Beispiel, darunter seit 1993 auch Deutschland.

In diesem Jahr steht der Denkmaltag unter dem Motto "Handwerk, Technik, Industrie". So können die Kultur- und Geschichtsbegeisterten vielerorts alte Turbinentechnik oder den Betrieb von Wind- und Wassermühlen live erleben. Orte wie historische Fabrikhallen – wie etwa die Agralko Deutsche Agraralkohol AG in der Neumarkter Str 1 im Münchner Stadtbezirk Berg am Laim – besitzen meist einen ganz besonderen Charme. Zudem ist die Industriegeschichte eng mit den sozialen und demografischen Entwicklungen ganzer Regionen verbunden. Dies und der Aspekt der Nachhaltigkeit macht die Umnutzung dieser Gebäudetypen so wichtig. Am Tag des offenen Denkmals werden ebenso gelungene wie noch umzusetzende Ideen für Nutzungskonzepte vorgestellt. Handwerker präsentieren ihre Gewerke mit den Techniken des alten Bau- und Kunsthandwerks an konkreten Beispielen. Zugleich erfahren die Besucher, wie man heutzutage denkmalgerecht instand setzt. Für die Besucher ist dies die Gelegenheit, sich einmal im Jahr über die Erfolge, aber auch Sorgen und Nöte im Ringen um die Erhaltung von Denkmalen zu informieren.

Auch in München können Gebäude besichtigt werden, die sonst der Allgemeinheit verschlossen bleiben. Dazu gehört die Anatomische Anstalt, die im vergangenen Jahr mit dem Bayerischen Denkmalschutzpreis in Gold ausgezeichnet wurde. Die Königliche Anatomie in München wurde von 1905 bis 1907 als Neue anatomische Anstalt nach Plänen des Architekten Max Littmann erbaut. Über einem durchgehenden Sockelgeschoss erhebt sich das Bauwerk in drei Geschossen. Das etwa 90 m lange Hauptgebäude wird von einem halbkreisförmig vor der Fassade vortretenden, 22 m überspannenden Kuppelbau dominiert.

Aufgrund des umfassenden Einsatzes des Werkstoffs Eisenbeton für die Fassaden und Wände, Decken und Außenanlagen zählt das Gebäude zu den ersten großen Stahlbetonbauwerken Deutschlands und wird als Hauptwerk der beginnenden Moderne in der Denkmalliste geführt.

Das Bauwerk ist in seiner Grundsubstanz weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten. Die ursprüngliche Konzeption mit dem heute zu beachtenden Sicherheitskonzept in Übereinstimmung zu bringen, war eine ingenieurtechnische Meisterleistung bei dieser umfangreichen Baumaßnahme. An diesem Gebäude wird deutlich, wie schnell sich die Eisenbetonbauweise und insbesondere die Kuppel- und Schalenbauweise entwickelte. Das damit erlebbare damals neue Raumgefühl in großzügigen Innenräumen und die Verwirklichung repräsentativer Bauformen sind heute unverändert abzulesen, trotz der Ertüchtigung für eine weitere nachhaltige Nutzung.

Bei der denkmalpflegerischen Sanierung ist es gelungen, die historischen Räume und Bauteile freizulegen und auf den Originalbestand zurückzuführen. Besondere Schwerpunkte bildeten die Sanierung der Fassade und die statische Ertüchtigung bei Erhalt der historischen Tragwerkskonstruktionen.

Weitere Informationen:

Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Tag des offenen Denkmals – Bayern

Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Tag des offenen Denkmals – München

Bild: Anatomische Anstalt Bayerischer Denkmalpflegepreis 2014: Die Anatomische Anstalt München wurde in der Kategorie „Öffentliche Bauwerke“ mit Gold ausgezeichnet., © StBA M2/ Anton Brandl