Tradition von morgen

Eine Ausstellung in der Bayerischen Akademie der Künste zeigt 39 vom Architekten Uwe Kiessler ausgewählte Bauwerke der Moderne. Zur der Ausstellung ist ein Buch erschienen, dass die Architekturzeitgeschichte mit Textbeiträgen bekannter Autoren kritisch kommentiert und durch die Fotografien  von Gerrit Engel eine Vorstellung dieser Werke gibt.

 

Vor 30 Jahren sorgte die von Otl Aicher und Wend Fischer konzipierte Ausstellung „Die andere Tradition – Architektur in München von 1800 bis heute“ mit wegweisende Bauten der Moderne für Aufsehen. 

 

Aicher, Fischer und der Philosoph Jürgen Habermas beklagten dabei die vom Traditionalismus beherrschte Architektur an der Isar. Dies behinderte in den 1920er-Jahre die Moderne, forcierte nach dem Krieg den Wiederaufbau eines biederen „lieben, alten München“ und ließ mit den Olympiaanlagen von Günter Behnisch nur kurz eine Architektur von Weltgeltung zu.

„Die Tradition von morgen“ in der Bayerischen Akademie der Künste knüpft an die Ausstellung von 1982 an. Dabei wird auf Habermas Leitmotiv zurückgegriffen nach der sich in der modernen Architektur "der ästhetische Eigensinn des Konstruktivismus mit der Zweckgebundenheit eines strengen Funktionalismus“ zu verbinden habe. Entsprechend fiel die Auswahl Uwe Kieslers, einem der wichtigsten Vertreter moderner Baukunst in München, aus: Zu den strikt an Funktionalität und Konstruktion verpflichteten, schnörkelos gestalteten Gebäude gehören der von Hans Busso von Busse entworfene Flughafen München (großes Aufmacherbild ganz oben) mit Hans Büschls gewaltigen Hangar, das Klärwerk Gut Marienhof von Kurt Ackermann (Bild oben links)  sowie Peter C. von Seidleins Verlagsgebäude der „Süddeutschen Zeitung“.

Als eine am Material ausgerichtete, künstlerisch funktionale Architektur wird die Sammlung Goetz von Herzog und de Meuron (kleines Bild oben links), die Herz-Jesu-Kirche von Allmann Sattler Wappner, Florian Naglers Kirchenzentrum Riem (Bild mittlere Reihe links) sowie Andreas Mecks Dominikuszentrum gezeigt. Zu den vorgestellten Wohnbauten zählen Otto Steidles Turm auf der Theresienhöhe (Bild mittlere Reihe rechts) und ein Wohnhaus Fink + Jocher im Westend (Bild links). Relativ bescheidenen Raum wird dagegen der Landschaftsarchitektur eingeräumt.

Der Fotograf Gerrit Engel, bekannt durch seine Bilder der Berliner Moderne und Schinkels Werke in Potsdam, hat die Bauten angemessen in sachlichem Stil vor zeitlosem Himmel festgehalten.

Dazu gibt es ein Katalog von Dietrich Fink mit Texten von Gottfried Knapp, Niklas Maak, Elisabeth Merk und Winfried Nerdinger. 

 

 

DIE TRADITION VON MORGEN

Architektur in München seit 1980

Begleitende Publikation zur gleichnamigen Ausstellung

(12. Mai bis 24. Juni 2012)

Technische Universität München Bayerische Akademie der Schönen Künste

Herausgegeben von Professor Dietrich Fink, Technische Universität München, Fakultät für Architektur, Lehrstuhl für Integriertes Bauen. Mit sieben Essays und 41 Photographien von Gerrit Engel sowie Architekturzeichnungen von 39 Bauten und Landschaftsarchitekturen

176 Seiten, ISBN 978-3-8296-0607-3, Ladenpreis € 36.-

 

Bilder:

kleines Aufmacherbild Buchcover Schirmer Mosel Verlag,  Klärwerk Gut Marienhof, Ackermann und Partner, sonst Ulrich Lohrer