Berg am Laim: Konzertsaal wird im Werksviertel gebaut

Das bayerische Kabinett hat entschieden: Das neue Münchner Konzerthaus soll im Osten der Stadt gebaut werden. Die zeitliche Verfügbarkeit sowie die Finanzierung würden für diese Entscheidung sprechen..

 

Ein Grund für die Entscheidung sei "die zeitliche Verfügbarkeit mit einer möglichen Inbetriebnahme bis Ende 2021", teilt die Staatskanzlei mit. Ein weiterer Grund ist die Finanzierung: Der Bau am Ostbahnhof auf dem Gelände einer ehemaligen Knödel-Fabrik birgt ein geringeres finanzielles Risiko als auf dem Gelände einer alten Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke.

Die bayerische Staatsregierung will mit dem Grundstücksbesitzer im Werksviertel, Werner Eckart, die Verhandlungen fortsetzen. Eckart will das Areal zwar nicht verkaufen, sondern nur in Erbpacht dem Freistaat überlassen. Dafür möchte der Pfanni-Erbe für das gut 8000 Quadratmeter große Areal, auf dem 15 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen sollen, einen Erbpachtzins von 4,9 Prozent des Bodenwertes. Dies entspricht einen jährlichen Pachtzins von fast 600 000 Euro.

Zeitgleich zu den Verhandlungen will der Freistaat die Voraussetzungen für den Bau vorantreiben. Ziel ist es, Sommer 2016 so weit voranzukommen, dass ein Architektenwettbewerb gestartet werden kann. Im besten Fall könnte dann Herbst 2019 mit dem Bau begonnen werden und 2021 der Konzertsaal eröffnet werden.

Die neun Eigentümer, die an der Entwicklung des Viertels beteiligt sind, begrüßen die Wahl der Staatsregierung mit einer Stellungnahme: „Wir freuen uns sehr darauf, dass im Werksviertel das neue kulturelle und musikalische Herz Münchens schlagen wird. Die heutige Entscheidung bestätigt, dass wir mit unserem Konzept für diesen Standort den richtigen Weg gehen.“

Eine Visualisierung und Übersichtspläne zum Konzerthaus wurde von Steidle Architekten angefertigt, die mit ihren Entwürfen an der Entwicklung des Werksviertel maßgeblich beteiligt sind

Bilder: steidle architekten

Quellen: Pressemeldung von Werksviertel, SZ, Münchner Merkur vom 08.12.2015

 

Die Konzertsaal-Punkte für das Werksviertel

Bei der scheinbar unendlichen Geschichte der Standortentscheidung eines neuen Konzertsaals in München bahnt sich doch überraschend eine Entscheidung an. Anlass der seit 15 Jahren anhaltenden Diskussion über den Bau eines neuen Konzertsaals ist der Zustand, dass München zwei international bekannte Sinfonieorchester hat - die Münchner Philharmoniker und das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Das BR-Ensemble hat gar keine eigene Bühne, während die Philharmoniker im städtischen Kulturzentrum Gasteig mit mittelmäßiger Akustik untergebracht sind, mit deren Sanierung voraussichtlich ab 2020 begonnen werden soll. Die Zeit drängt daher. Bis 2018 will die Bayerische Staatsregierung daher „unumkehrbar einen neuen Konzertsaal für München auf den Weg bringen.“ Der neue Konzertsaal soll beiden Orchestern zu einer Wirkungsstätte mit Spitzenakustik verhelfen.

Das bayerische Kabinett hat Kultusminister Ludwig Spaenle beauftragt, bis Anfang Dezember einen konkreten Plan für den Bau eines neuen Konzertsaals für München zu erstellen. Dann soll sowohl ein Standort als ein Modell vorliegen. Die Staatsregierung will bis dahin auch klären, wie teuer ein solcher Konzertsaal werden könnte. Experten schätzen, dass der Konzertsaal einen dreistelligen Millionenbetrag kosten wird.

Eine von der Staatsregierung in Auftrag gegebene Studie des Architekturbüros „Albert Speer und Partner“ hatte die diskutierten Standorte Werksviertel am Ostbahnhof, Paketposthalle bei der Arnulfstraße, der Finanzgarten, Olympia-Eissportzentrum und Residenz geprüft. Das Werksviertel hat 81 von 100 Bewertungspunkten erhalten, die Paketposthalle 67. Die anderen drei Standorte erhielten eine noch deutlich niedrigere Punktzahl. Bewertet wurden die zeitliche Verfügbarkeit der Fläche (30% der Gesamtgewichtung), die Standort-Identität (20%), die Kosten (20%), die Erreichbarkeit (10%), die Umsetzung des Raumprogramms (10%), die Außenwirkung (5%) und eine mögliche Standort-Konkurrenz (5%)

Zunächst will der Freistaat daher nur mit den Eigentümern im Werksviertels und der Paketposthalle verhandeln. Die Paketposthalle gehört der Post, die aber bereit wäre an einen anderen Standort umzusiedeln.

Vor- und Nachteile eines Konzert-Standorts Werksviertel

Das Werksviertel liegt jedoch zentraler. Dort wäre auch ein Konzertsaal schneller zu entwickeln, da das Gelände sich bereits in der Entwicklungsphase befindet und zudem südlich von Haidhausen und der ansprechenderen Architektur sich wohl eher als „In-Viertel“ etablieren wird, weshalb ein Konzertsaal dort mit höherer Akzeptanz rechnen könnte. Problem im Werksviertel: Pfanni-Erbe Werner Eckart will ja das gesamte Gelände zum Wohn- und Büroquartier mit Kultur und Hotel entwickeln. Der Freistaat könnte das Konzert-Areal wohl nicht kaufen, sondern nur pachten oder mieten.

Spaenles Kunstministerium soll nun einen Lenkungsausschuss „Neuer Konzertsaal München“ starten, der die Steuerung übernimmt. Das Finanzministerium von Markus Söder soll in Verhandlung mit den Grundstückseigentümern treten. Problem im Werksviertel: Pfanni-Erbe Werner Eckart will ja das gesamte Gelände zum Wohn- und Büroquartier mit Kultur und Hotel entwickeln. Der Freistaat könnte das Konzert-Areal wohl nicht kaufen, sondern nur pachten oder mieten. Anfang Dezember legt Spaenle das Ergebnis des Ausschusses vor.

Lage im Werksviertel und erwartender Planungsverlauf

Der mögliche Standort im Werksviertel liegt direkt im Herzen des Viertels in der Nähe zum WERK 3, dem gerade verpachteten und geplanten Hotel im Pfanni-Turm und zu dem zukünftigen Park (siehe Karte oben, Fotos links). Die Befürwörter des Konzertsaal-Standortes Werksviertel betonen, dass es im direkten Umfeld des Konzertsaales schon jetzt mit der TonHalle und dem Technikum zwei innovative Bühnen für Musik und Kultur gibt. Außerdem sieht die Planung bereits viel Raum für Proberäume, Kunstateliers und Musikfachhandel vor. Gemeinsam mit dem Konzertsaal kann ein Ensemble für alle Facetten und Aspekte der klassischen und populären Musik entstehen. Die verkehrliche Anbindung ist optimal: S-Bahn-Stammstrecke, Tram, U-Bahn und Bus. Durch die Nachbarschaft mit dem Ostbahnhof könnte der Konzertsaal mit allen ÖPNV-Mitteln erreicht werden und er wäre hier auch über das Straßenverkehrsnetz sehr gut erschlossen.Der Konzertsaal könnte im Werksviertel bis 2022 tatsächlich fertiggestellt werden – genau dann, wenn der aktuelle Standort Gasteig spätestens renoviert werden muss.

Quellen: Bayerische Staatsregierung, Newsletter werksviertel münchen Ende Oktober 2015

Bilder: Karte – newsletter werksviertel; Fotografien (2011) – Ulrich Lohrer