Im Anthropozän: Willkommen im Menschenzeitalter!

Ob wachsende Gewächshäuser-Landschaften in Südspanien, Autobahnen oder Veränderungen des Klimas: Seit es die Menschen gibt, haben sie noch nie so stark die Erde geprägt und verändert wie aktuell. Das Deutsche Museum zeigt die weltweit erste große Ausstellung wie vielfältig sich das Anthropozän darstellt.

 

Insbesondere seit der Industrialisierung hinterlassen wir Menschen einen unverwechselbaren und oft unwiderruflichen Fingerabdruck auf der Erde. Für Außerirdische, die vom All ein Blick auf die Erde richten, werden die Eingriffe durch den Menschen sichtbar sein, wie es Satellitenbilder zeigen: Ob die Plastik-Gewächshäuser in Almería in Spanien (Foto oben) oder die farbigen Tulpenfelder in Lisse, Niederlande (Foto links). Doch viele Eingriffe sind subtiler und doch tiefgreifender. Inzwischen ist dieser Abdruck so stark, dass Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutieren, ob sich die vom Menschen initiierten Veränderungen in geologischer Form niederschlagen und so langfristig sind, dass wir bereits in einem neuen Erdzeitalter leben.

Auf 1400 Quadratmeter erklärt die weltweit erste große Ausstellung zu diesem Zukunftsthema das Anthropozäns anhand von sechs Themen – Urbanität, Mobilität, Natur, Evolution, Ernährung und Mensch-Maschine-Interaktion. Sie visualisiert Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Menschenzeitalters und vereint Technik, Naturwissenschaft und Naturkunde mit Kunst und Medien. Historische Exponate vermitteln den Weg ins Anthropozän, aktuelle Forschungsergebnisse und Projekte stellen die Herausforderungen und mögliche Lösungen vor, künstlerische Übersetzungen regen zum Nachdenken an.

 

Die Ausstellung versucht das Thema mit vielfältigen und teils spielerischen Mitteln begreifbar zu machen: Technische Objekte werden mit künstlerischen Ausdrucksformen kombiniert. „Wir zeigen hier die Vielfalt unseres Hauses auf eine neue, kontroverse Weise. Das ermöglicht den Besuchern eine völlig neue Perspektive“, so Ausstellungs-Kuratorin Nina Möllers.  Ein gehäkeltes Riff ist ebenso zu sehen wie ein Modell der „Clock of the Long Now“, einer Uhr, die die Zeit in den nächsten 10 000 Jahre anzeigen soll. In der Ausstellung gibt es Roboter und lebende Pflanzen, faszinierende Satellitenbilder der menschengemachten Erde – und auf einem Laufband werden Tier- und Pflanzenarten gezeigt, die vom Menschen in neue Lebensräume eingeschleppt wurden.

Und nicht zuletzt soll die Ausstellung zur Diskussion und zum Nachdenken anregen: Auf einem riesigen Feld mit rund 1000 Papierblumen, das sich im Verlauf der Ausstellung permanent verändert, können Besucherinnen und Besucher selbst ihre Zukunftsvisionen hinterlassen.

 

 

 

 

Willkommen im Anthropozän Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde

Zeit: Sonderausstellung bis 31. Januar 2016; Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 17 Uhr

Ort: Deutsches Museum, Museumsinsel 1, München

Zu der Ausstellung ist ein Katalog erschienen – mit 208 Seiten und 200 Abbildungen (ISBN 978-3-940396-48-8). 

Weitere Informationen:

Sonderausstellung im Deutschen Museum: Willkommen im Anthropozän

 

Fotos: Papierblumen-Landschaft - Deutsches Museum; Tulpenfelder, Lisse, Niederlande, Plastik-Gewächshäuser in Almería, Spanien - Daily Overview /Digital Globe