Platzatlas: Die Vermessung der Stadträume

Anlässlich des  vor kurzem erschienenen Referenzwerks „Platzatlas – Stadträume in Europa“ zeigt die Architekturgalerie München vom 20. bis zum 28 Februar eine gleichnamige Ausstellung mit Zeichnungen von bekannten Stadtplätzen.

 

Während in der Antike sich die Athener auf der Agora versammelten, um Entscheidungen  für ihre Polis zu treffen, protestieren sie heute auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlamentsgebäude.

Häufiger zeigt sich die Akzeptanz von Plätzen unter Einwohnern durch die Nutzung von Handel, Gastronomie, Verkehr oder kulturellen Veranstaltungen.

Plätze mit Leben zu erfüllen, ist eine komplexe Kunst. Bei der Gestaltung von Stadträumen greifen Stadtplaner und Architekten daher gerne auf bekannte oder funktionierende Vorbilder als Referenzen zurück. Bei jedem städtebaulichen Entwurf, bei jedem Eingriff in die räuumliche Struktur öffentlicher städtischer Räume stellt sich die Frage nach der Komposition und den Qualitäten von Plätzen. Wie sind Dimension, Proportion, Ausrichtung, Geschlossenheit und Zugänge des jeweiligen Stadtraum ausgeprägt) Welcher Schwerpunkt wurde bei der Gestaltung gesetzt und wie ist der  Rand ausgebildet? Welche Oberflächen und Materialien wurden verwendet?

Eine typologische Darstellung solcher Plätze in vergleichbaren Karten und Plänen gab es bislang nicht. Diese Lücke schließt nun der von Sophie Wolfrum herausgegebene „Platzatlas“ mit von Francesca Fornasier und Heiner Stengel angefertigten Zeichnungen in beeindruckender Weise.            

Gezeigt werden 70 Plätze – von Stadtstaaten wie Florenz, Siena, Udine oder Venedig oder Reichsstädten wie Regensburg und Ravensburg. Vertreten sind die Saalplätze Spaniens, Residenzplätze und Großstadtplätze der heutigen Zeit.

Dabei werden die von Architekten genutzte und auch für andere Leser nachvollziehbare klare Darstellungsformen verwendet, wie wie sie auf hier am Beispiel des Münchner Odeonsplatz abgebildet sind. Die Plätze werden als Schwarzplan (siehe Bild links) in die Umgebung eingeordnet.

 

Grundriss (Bild links), Schnitt (Aufmacherbild oben) und Axonometrie (unten) im selben Maßstab spiegeln die exakten Proportionen wider und geben eine dreidimensionale Vorstellung der Stadträume. Der knappe, aber dichte Text beschreibt charaktistische Merkmale.  In einer Übersichtstabelle können die Plätze an Kriterien wie Bauepoche, Form, Größe oder Funktion miteinander verglichen werden.

Der Platzatlas ist ein mützliches Entwurfwerkzeug für Architekten und ein wertvolles Wissensarchiv. Ein schönes Buch mit Schätzen, die urban interessierte Leser dankbar entdecken.

 

Ausstellung

Ort: Architekturgalerie München; Türkenstrasse 30

Zeit: vom 20.02.2015 bis 28.02.2015; Öffnungszeiten: Mo, Di, Mi: 9.30 h bis 19.00 h,
 Do, Fr: 9.30 h bis 19.30 h
, Sa: 9.30 h bis 18.00 h

 

Sophie Wolfrum (Hrsg.): Platzatlas  – Stadträume in Europa; Birkhäuser Verlag; 312 Seiten, 380 Abbildungen; 79,89 Euro

Abbildungen: aus dem Buch Platzatlas für das Platzgefüge Theatinerplatz und Odeonsplatz in München