Der Vollender des Rundbogens

Sein Schicksal war es, dass er von anderen entworfene Bauten und Ideen fertig stellen musste. Mit der Kirche St. Bonifaz konnte jedoch der Architekt Georg Friedrich Ziebland ein eigenständiges Werk schaffen. Das Gebäude symbolisiert die Stilwende seines königlichen Auftraggebers Ludwig I. von seiner klassizistischen Phase.

 

Georg Friedrich Ziebland wurde am 1. Februar 1800 in Regensburg geboren. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste bei Carl von Fischer und Friedrich von Gärtner. Sein Studienkollege war Joseph Daniel Ohlmüller, mit dem er später an der Vollendung von Schloss Hohenschwangau zusammenarbeitete.

Ziebland ist vor allem durch seine Weiterentwicklung des Rundbogenstils von Friedrich von Gärtner in die Geschichte der Architektur eingegangen, insbesondere durch seine an die frühchristliche und byzantinische Architektur erinnernde Terrakotta-Ziegel-Kombination seines Hauptwerks, der Abteikirche St. Bonifaz. Ziebland war Professor für Baukunst an der Akademie und später auch Oberbaurat. 1864 wurde Ziebland mit dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst, später sogar mit dem Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste ausgezeichnet. Ziebland starb am 23. Januar 1873 in München. 

 

 

 

 

 

St. Bonifaz (1838-1845)

Das Kloster St. Bonifaz wurde  1835 vom bayerischen König  Ludwig I. gegründet, der durch die Einrichtung neuer Klöster die Tradition des geistlichen Lebens neu beleben wollte. Denn die Wieder- und Neugründung von Klöstern nach der durch Napoleon ausgelösten Säkularisation 1803 lag König Ludwig I. von Bayern besonders am Herzen. Seine Vorliebe galt den Benediktinern, die er in seiner Haupt- und Residenzstadt ansiedeln wollte. St. Bonifaz liegt in der Stadt, was für ein Benediktinerkloster eher ungewöhnlich ist. Doch die stetig anwachsende Einwohnerzahl führte zu einer Neuorganisation der Münchener Pfarreien. Mit Sankt Bonifaz als Abtei und Pfarrei in der neuen Maxvorstadt konnte König Ludwig beide Aspekte verwirklichen. Zur materiellen Versorgung der Mönche kaufte Ludwig I. das säkularisierte Kloster Andechs einschließlich der zugehörigen landwirtschaftlichen Flächen und schenkte es der Abtei. 

Mit dem Bau beauftragte der König Ziebland. Die Kirche entstand unter dem Einfluß von Zieblands Studienreise nach Italien, auf die ihn Ludwig I. geschickt hatte, um die römischen Basiliken zu studieren.Mit der Basilika Sankt Bonifaz ließ König Ludwig I. von Ziebland einen imposanten und repräsentativen Kirchenbau ganz im Stil der Neoromanik errichten.Mit der Basilika von St. Bonifaz schuf der Architekt eine nach frühchristlichen Vorbildern gestaltete fünfschiffige Kirche mit offenem Dachstuhl: 76 Meter lang und 36 Meter breit. In ihrer prachtvollen Ausstattung galt sie als eine der schönsten modernen Kirchen ihrer Zeit. Von Ziebland stammt auch das sich nach Norden anschließende Kloster. Heinrich von Heß gestaltete das berühmte Freskenprogramm unter anderem  mit Szenen aus dem Leben des heiligen Bonifatius.

Die Kirche im byzantinischen Stil ist ein Beispiel der Abwendung Ludwig I von seiner anfänglichen klassizistischen Phase, die in den Bauten Leo von Klenzes realisiert wurde. Trotzdem stellt St. Bonifaz auch die Verbindung zur den von der Antike beeinflussten Bauten her: Denn  die Kirche und das Kloster von Sankt Bonifaz ist mit dem Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz, der von Ziebland ebenfalls erbauten Staatliche Antikensammlung, angeschlossen. Der König realisierte damit architektonisch sein Ideal des Dreiklangs von Kirche, Wissenschaft und Kunst. Nach der Vorstellung Ludwig I. war die Religion Quelle aller Kunst. Deshalb bestimmte er Sankt Bonifaz auch zu seiner Grablege.

Durch die fast völlige Zerstörung des Gotteshauses im Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Gesicht der von Hans Döllgast umgestaltetenBasilika hin zu einem modernen Zentralbau, in dem der Altar Zentrum und Mitte der Kirche bildet.

 

 

 

 

 

 

Staatliche Antikensammlung am Königsplatz (1838-1848) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der Südseite des Klosters der Basilikas St. Bonifaz errichtete Ziebland im Auftrag von König ein Ausstellungsgebäude im Stil eines korinthischen Tempels. Der Bau gegenüber der Glyptothek des Architekten Leo von Klenze   ergänzt zudem das von Klenze ab 1815 mit dem Königsplatz geschaffene hellenistische Forum.

Bereits von 1869 bis 1872 beherbergte der Bau das königliche Antiquarium, von 1898 bis 1912 zog dann die Münchner Sezession ein. Ab 1919 war dann die Neue Staatsgalerie im Gebäude untergebracht. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfolgte die Wiedereröffnung als Antikensammlung 1967.

 

 

 

 

 

 

 

Fertigstellung der Mariahilfkirche (1839, nach dem Tod von Joseph Daniel Ohlmüller)

Nachdem die Au als „Vorstadt Au“ 1813 zur Stadt erhoben worden war erteilte König Ludwig I. – seinem antiken Ideal untreu geworden –dem Bamberger Joseph Daniel Ohlmüller den Auftrag, eine Stadtpfarrkirche „im Stile der deutschen Gotik“ zu bauen. Ohlmüller konnte auf seine Erfahrung bei der Purifizierung des Bamberger Domes zurückgreifen. Die katholische Pfarrkirche Maria Hilf wurde in den Jahren 1831 bis 1839 gebaut und gilt heute als das Wahrzeichen in der Au. Als Ohlmüller im April 1839 starb, stellte Ziebland das Werk seines ehemaligen Komilitonen fertig. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Mariahilfkirche bis auf die Außenmauern zerstört, nur der Turm hielt stand.   Bei dem 1951/52 erfolgten Wiederaufbau nach Plänen von Hans Döllgast und Michael Steinbrecher wurde das äußere Erscheinungsbild bis auf den Westturm sehr vereinfacht. Die großen Spitzbogenfenster der Kirche wurden bis auf schmale Schlitze zugemauert, so dass im Inneren entgegen dem äußeren Eindruck ein moderner Kirchenbau entstehen konnte. 1971 musste der Turmhelm abgetragen werden, da der Kalkstein durch Brand nach den Fliegerangriffen 1944/45 und durch Luftverschmutzung mürbe geworden war. Bis 1981 wurde die Turmspitze in Beton nachgegossen und wieder errichtet. Finanziert wurden die Kosten von umgerechnet 1,8 Millionen Euro nahezu vollständig durch Spenden der Auer Bevölkerung.

 

Fertigstellung von Schloss Hohenschwangau bei Füssen (1839-1840)

1832 erwarb Kronprinz Maximilian, – der spätere König Maximilian II –  die Ruine. Er beautragte zunächst den Architektur- und Theatermaler Domenico Quaglio (1787-1837) als Oberbauleiter das Gebäude im Stil der Neugotik umzubauen (bis 1837). Dem im praktischen Bauwesen unerfahrene Quaglio wurde Ziebland als Hilfe zugewiesen. Als Quaglio kurz vor Vollendung des Baus starb, wurden die Arbeiten unter der Leitung des Münchner Architekten Joseph Daniel Ohlmüller unter Mithilfe seines Exkomilitonen Zieblands vollendet. Die Ausmalung der Räume erfolgte nach Entwürfen von Moritz von Schwind und Ludwig Lindenschmit. In diesem Zustand hat sich das Schloss bis heute erhalten. Das Schloss diente der königlichen Familie als Sommerresidenz und war die Kinderstube des „Märchenkönigs“ Ludwig II. Die Inneneinrichtung aus der Biedermeierzeit ist unverändert erhalten. Der heutige Eigentümer des Schlosses ist der Wittelsbacher Ausgleichsfonds.

 

St.-Paulus in Perlach (1849)

Das Gebäude ist heute die älteste, noch erhaltene protestantische Kirche Münchens. Das Gebäude wurde von Ziebland im neugotischen Stil mit charakteristischen Giebelreitern gebaut.