Schlicht und mit Holz

Für das Ingeborg-Ortner-Kinderhaus in Garching wurden die Architekten Martin Aichner, Hermann Kaufmann, Hans Kazzer mit dem Holzbaupreis ausgezeichnet. Es zeigt: Niedrigenergiebauten lassen sich schön gestalten.

 

Jedes Jahr verleiht das bayerische Forstministerium zusammen mit dem Landesbeirat Holz Bayern den Holzbaupreis. Sieger in diesem Jahr wurde unter 204 eingereichten Objekten ein Kinderhaus in Garching. Ausgezeichnet wurden das Münchner Architektenbüro aichner kazzer architekten und der Münchner Tragwerksplaner Bauart  Konstruktion.

Die Arbeit entstand durch die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Architekt Hermann Kaufmann, einer der führenden Vertreter der neuen Vorarlberger Bauschule und Professor für Holzbau an der TU München. Die Arbeiten des Zimmermannssohns aus dem Bregenzerwald zeichnen sich durch die intensive Beschäftigung mit der Nachhaltigkeit des Holzbaus in Verbindung mit der klassischen Moderne aus. Dies zeigt sich an den Ein- und Mehrfamilienhäuser genauso wie bei den gewerblichen Gebäuden wie dem Kaufhaus Sütterlüty in Hohenems oder der Raiffeisenbank in Egg. Am eindrucksvollsten ist die Schlichtheit der klassischen Moderne in Verbindung des handwerklichen und gestalterischen Umgang mit dem Material Holz aber im Neubau der Olpererhütte für den Deutschen Alpenverein und der Elma Alp im Bregenzerwald sichtbar. Die Sensibilität Kaufmanns bei der Umgestaltung alter Gebäude zeigt sich bei den Bregenzerwälderhäuser, wie etwa bei der Gestaltung der Innenräume des Gasthof Adler in Schwarzenberg oder beim Umbau Bauernhaus von Rinner in Egg.

Hans Kazzer, der in München zusammen mit Martin Aichner ein Architekturbüro leitet, ist zu gleich wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl von Kaufmann. „Der Neubau des Ingeborg Ortner Kinderhauses stellt ein herausragendes Beispiel für den konsequenten und ma- terialgerechten Umgang mit Holz in der Architektur dar“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Der Bau des Kinderhauses wurde durch das Münchner Ehepaar Ingeborg und Johannes B. Ortner finanziert, die Trägerschaft hat das Studentenwerk München übernommen. Das einstöckige Gebäude mit begrüntem Dach fügt sich wie selbstverständlich in den Naturraum am Wiesäckerbach auf dem Garchinger Forschungsgelände an. Die Konstruktion besteht aus vier tragenden Schotten aus Sichtbeton. Dazwischen sind massive Brettsperrholzwände und Holzbalkendecken angebracht.

Das Kinderhaus ist für maximal 75 Kinder gestaltet: zwei Gruppen á zwölf Kinder bis drei Jahre als Kindergrippe und für zwei Gruppen á 25 Kinder als Kindergarten. Alle vier Räume öffnen sich nach Osten auf die Freiflächen zu den Spielflächen. Die Räume sind hell und wirken durch die Farben fröhlich. Die Raumbestandteile jeder Kindergruppe haben eigene, aber nur in Nuancen unterschiedliche Identifikationsfarben.

„Ziel war es, ein energetisch sparsames Gebäude zu entwickeln“, sagt Hans Kazzer. Durch den Einsatz von Materialien wie Holz konnte der Primärenergiebedarf gering gehalten werden. Großen Wert wurde auf niedrigen Unterhaltsaufwand gelegt. „Der Öffnungsgrad der Gebäudehülle wurde optimiert, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung senkt den Energieverbrauch nochmals beträchtlich“, so Kazzer. Das Kinderhaus Garching könnte Modellcharakter für den geplanten Ausbau der Münchner Kitas haben.

Informationen mit Bildern des Kinderhaus Garching gibt es auf dem Internetauftritt der aichner kazzer architekten.

Elma Alp. „Aus der im Bregenzerwald in drei saisonalen Etappen gegliederten Viehwirtschaft entstand das „Vorsäß“, ein Bereich der Almen auf rund 1000 m Höhe, der zweimal jährlich, im Frühling und Herbst, jeweils vier bis fünf Wochen von Mensch und Tier besiedelt wurde. Da die Bauern früher maximal zehn Rinder hatten, waren die typischen Vorsäßhütten sehr klein bemessen und spartanisch auf die kurze Aufenthaltsdauer zugeschnitten. Gerade diese Beschränkung auf das Notwendige prägte die Eigenheit dieser Bauten und ihre ebenso strenge wie unbelastete, naturnahe Atmosphäre macht sie heute zu beliebten Ferienhäusern.“ Architekten Hermann Kaufmann


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Olpererhütte. „Die auf knapp 2.400 Höhe mitten in den Zillertaler Alpen errichtete neue Olpererhütte ist eine bewusst spartanische Antwort auf die einzigartige, exponierte Lage. Ein Refugium für Wanderer und Bergsteiger, das als „Low-Tech“-Gebäude Innovation in der Reduktion sucht.“

 

 

 

 

 

 

Hotel Hubertus in Balderschwang. Zusammen mit Hermann Kaufmann arbeiteten Hans Kazzer und Aichner bei dem Umbau und Neugestaltung des Alpine Lodge und Spa-Bereichs des in schöner Landschaft gelegenen traditionellen Hauses. Auch hier zeigt sich gekonnte Umgang mit dem Material Holz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WIS Servicezentrum Theresienwiese München. „Das Gebäude ersetzt das langjährige Containerprovisorium des Behördenhofes und beherbergt 12 unterschiedliche Behörden dienender Funktionen für das Oktoberfest, wie Polizei, Feuerwehr, Sanitätsstation, Fundbüro, Festleitung, TÜV. Die Lage auf einer innerstädtischen Freifläche zu Füßen der denkmalgeschützten Bavaria erforderte einen sensiblen, zurückhaltenden Umgang mit dem Ort. Mehr als 50% der Gebäudefläche ist unterirdisch untergebracht, vier eingeschnittene Innenhöfe belichten die Flächen im UG. Das Gebäude, das nur temporär genutzt wird, wurde als einfacher, klarer Körper gestaltet, der mehr einem Infrastrukturgerät als einem Haus im konventionellen Sinne gleicht, und sich flach und unaufgeregt unter die Hangböschung der Theresienwiese duckt. Seine Kupferhülle wird mit den Jahren patinieren und sich weiter optisch seinem Hintergrund anpassen.“ Aichner kazzer architekten