BMW-Projekte: Vollgas mit Autopilot

Die Autokonzerne wie BMW versuchen, mit Elektroautos und autonomen Fahren den Anschluss an amerikanische Unternehmen wie Google, Tesla und Uber zu halten. Mit Chancen und Risiken – auch für den Münchner Immobilienmarkt.

 

Mit dem iNext will BMW-Chef Harald Krüger ab 2021 eine neue Generation von Elektroautos auf die Straßen bringen. Sie sollen eine Reichweite von 400 Kilometer haben und sich autonom fortbewegen können.

Amerikanische Unternehmen bewirken Strategiewechsel deutscher Autobauer

Aktuell überschlagen sich solche Meldungen der Autohersteller. Getrieben von Elon Musks Elektroautofirma Tesla und US-Unternehmen wie dem Fahrdienstanbieter Uber oder Google mit den Plänen zum autonomen Fahren, kündigten Audi, BMW, Daimler und VW an, möglichst schnell effizientere Elektroautos anzubieten und Konzepte zu selbstfahrenden Autos zu  entwickeln.

Der Strategiewechsel hat nicht nur enorme Auswirkungen auf Mitarbeiter und Kunden. Auch besteht das Risiko, dass die Fahrt mit den bislang wenig profitablen Elektroautos in eine Sackgasse führt. Oder dass der Bedarf an Autos aufgrund der zwar selbstfahrenden, aber auch von mehr Menschen genutzten Fahrzeuge insgesamt zurückgeht. Doch nichts zu tun und den US-Konzernen wie Google, Tesla und Uber den Weg auf der Überholspur zu überlassen, wäre wohl das größte Risiko.

Schließlich haben die traditionellen Autobauer lange den bequemen Weg der herkömmlichen Technik gewählt und zum Teil heftig bei den Abgasenwerten getrickst. Wohl erst die Aufdeckung dieser Machenschaften hat VW & Co offenbart, dass  nur eine radikale Wende die Überlebenschancen deutscher Autokonzerne verbessern kann.

Der Spurwechsel hat auch Auswirkungen auf die Entwickungs- und Produktions-Standorte. Im September 2014 hatte sich BMW entschieden, das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) in Milbertshofen-Am Hart für 15.000 neue Arbeitsplätze als FIZ Future nach Plänen von Henn Architekten zu erweitern (siehe Bild unten). Ende Oktober 2016 wurde nun vom Stadtplanungsreferat bekannt, dass der Bebauungsplan überarbeitet werden muss, weil BMW das FIZ nochmals nach Norden auf die Flächen der ehemaligen Kronprinz-Rupprecht-Kaserne sowie dem ehemaligen Virginia-Depots ausweiten will. Im Zentrum des FIZ Nord ist das Werk 0 zur Erprobung von Montageverfahren und der Manufaktur von Prototypen geplant.

Dennoch will BMW für das autonome Fahren außerhalb des FIZ ein eigenes Forschungszentrum. Aktuell tüfteln Mitarbeiter daran, verstreut an Standorten wie dem FIZ, dem BMW-Stammwerk und in Garching.

Weitere Ingenieure, Software-Entwickler und IT-Spezialisten werden für das neue Kompetenzzentrum gesucht. „Wir wollen es in einer Art Campus zusammenführen und dort für 2000 Mitarbeiter neue Arbeitsplätze schaffen“, erklärte ein BMW-Sprecher. Der Konzern prüfe „derzeit mehrere Standorte im Großraum München“. Die Zeit drängt. 2016 verkauft BMW etwa 60.000 elektrifizierte Autos. „BMW soll im nächsten Jahr 100.000 elektrifizierte Autos verkaufen, also reine Elektrofahrzeuge und Hybride, die einen Elektro- und Verbrennungsmotor haben“, sagte Krüger. Und ergänzt: „Ich glaube, dass wir im Jahre 2025 einen Anteil von 15 bis 25 Prozent Hybrid- und Elektroautos haben werden.“

Die DIBAG von Alfons Doblinger (Bild links) will das BMW-Forschungszentrum auf ihrem Grundstück der Finckwiese in der Gemeinde Haar entwickeln und hat dafür vorsorglich einen Bauantrag gestellt. Doblinger hat durch Fleiß und Marktgespür den Aufstieg vom Oberpfälzer Landwirt aus einfachsten Verhältnissen zum deutschen Immobilientycoon geschafft. Als 23-jähriger hatte er ein Bauträgergeschäft gegründet und 1990 mit dem Kauf der in finanzielle Schwierigkeiten geratene bayerischen Neuen Heimat mit 33.000 Wohnungen einen Immobilienkonzern geschaffen. Seine DIBAG Industriebau arbeitet bereits seit Jahren mit BMW zusammen. Mit dem vom Baron Finck erworbenen Grundstück steht der DIBAG für BMW ein ideal an der A99 gelegenes Entwicklungsgrundstück zur Verfügung. Der erste Bauabschnitt sieht Büroflächen, eine Teststrecke, Rechenzentrum und Werkstätten vor. Im zweiten Bauabschnitt sollen weitere Entwicklungsgebäude entstehen und als drittes ist ein Wohngebiet geplant.

Unterstützt wird Doblinger von der Gemeinde, die den DIBAG-Bauantrag Ende Oktober bewilligt hat. „Wir werfen unseren Hut mit aller Macht in den Ring“, so Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD).

Baubeginn für das Forschungs- und Entwicklungszentrum soll bereits im Frühjahr 2017 sein, der Einzug ist für März 2018 geplant. Die Entscheidung über den Standort will BMW am 5. Dezember verkünden.

 

Quellen: Pressemeldungen BMW Group; Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München (BMW erweitert Forschungs- und Innovationszentrum nochmals) vom 20.10.2016; Medienberichte: http://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk-nord/haar/haar-will-bmw-entwicklungszentrum-gemeinde-holen-6908322.html ; http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/bmw-entwicklungszentrum-fuer-autonomes-fahren-geplant/14745368.html ; http://www.trendsderzukunft.de/2-000-mitarbeiter-bmw-plant-ein-entwicklungszentrum-fuer-selbstfahrende-autos/2016/10/28/

Bildnachweis: BMW Pressebilder zu BMW Vision Next 100; FIZ Future – Henn; Bürgermeisterin Gabriele Müller – Gemeinde Haar; Alfons Doblinger   – DIBAG