Schlösser-Bilanz: Rekordeinnahmen in 2012 für Bayern

Einnahmen von über 61 Millionen Euro vermeldete für das vergangene Jahr die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Erstmals lagen die Einnahmen der Schlösser über den Ausgaben. Neuschwanstein liegt unangefochten an der Spitze, aber es gab auch Überraschungen.

 

„Auch 2012 spielt die Bayerische Schlösserverwaltung ganz oben in der Champions League der öffentlichen Kultureinrichtungen Deutschlands“, verkündte Markus Söder, Bayerns Finanzminister.

 

"Rekordeinnahmen 2012 setzen eine neue Bestmarke!“ jubelte Söder anlässlich der Veröffentlichung der Jahresbilanz der Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Rund fünf Millionen Besucher erlebten Bayerns große und kleine Schätze. Dank dieser hervorragenden Zahlen wirtschaftete die Schlösserverwaltung 2012 mehr als kostendeckend. Sonderausstellungen wie etwa „Ritter, Recken, edle Frauen“ in der Burg Prunn (Bild unten links) und "Der frühe Dürer" im Germanischen Nationalmuseum nahe der Kaiserburg in Nürnberg sowie die Landesausstellung 2012 auf die Burg in Burghausen sorgten für einen besonderen Andrang in einige der bayerischen Burgen und Schlösser (siehe Übersicht nach Burgen und Schlösser Grafik links). 

Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, kurz Schlösserverwaltung, ist eine der traditionsreichsten Verwaltungen des Freistaates. Als Hofverwaltung der Kurfürsten und der Könige entstanden, ist sie heute mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen der größte staatliche Museumsträger in Deutschland. 

 

Die Schlösserverwaltung geht in ihren Ursprüngen auf den Obersthofmeisterstab zurück, der schon Ende des 18. Jahrhunderts für die Betreuung der Residenzen und Schlösser in Bayern zuständig war. Unter Graf Montgelas wurden die Schlösser und Residenzen in der Konstitution von 1808 zum unveräußerlichen Staatsgut erklärt und in die so genannte "Zivilliste" aufgenommen. Zum Ausgleich dafür übernahm der Staat neben dem Unterhalt der Residenzen, Schlösser und Hofgärten den gesamten finanziellen Bedarf der königlichen Hofhaltung. Nach dem Ende der Monarchie in Bayern am 8. November 1918 wurde die ehemalige Zivilliste zum Staatseigentum erklärt.

Heute beschäftigt die Schlösserverwaltung für die Verwaltung der 60 Denkmalanlagen an mehr als 30 Orten in Bayern, die früher vorwiegend im Besitz des Hauses Wittelsbach waren, rund 850 Mitarbeiter, darunter Spezialisten für Restaurierung, Kunsthistoriker, Baufachleute sowie eine Gärtenabteilung. Die Bayerische Schlösserverwaltung ist unmittelbar dem Bayerischen Staatsministerium für Finanzen unterstellt. 

Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern konnten um 6,6 Prozent auf 23,5 Millionen Euro (2011: 22 Millionen Euro) gesteigert werden, die Gesamteinnahmen stiegen um 3,5 Prozent auf 61 Millionen Euro. Die Ausgabendeckungsquote (ohne Baumaßnahmen) liegt erstmalig über 100 Prozent. Im Doppelhaushalt 2013 / 2014 sind für die Schlösserverwaltung Mittel in Höhe von knapp 200 Millionen Euro vorgesehen. Für große Baumaßnahmen (inklusive Kulturkonzept) gibt der Freistaat insgesamt 37,2 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg von 47 Prozent. Bis zum Jahr 2017 sollen mindestens 132 Millionen Euro für große Baumaßnahmen an den Schlössern investiert werden. Herausragende Projekte sind die Instandsetzung und Restaurierung des Markgräflichen Opernhausees Bayreuth mit insgesamt 19,15 Millionen Euro, der Schlosspark Linderhof mit der Venusgrotte mit 18,9 Millionen Euro. Für die Generalsanierung der Festungsanlage Marienberg in Würzburg sollen in den nächsten Jahren insgesamt über 35 Millionen Euro investiert werden.

Highlights der Besucherbilanz waren 2012 traditionell die drei Königschlösser Ludwig II mit 45 Prozent der Gesamtbesucherzahl, davon allein Schloss Neuschwanstein (Bild links) mit 1,4 Millionen Besuchern.

 

Auf Platz 2 folgt Schloss Linderhof (Bild links), dass mit knapp 437.000 Besuchern gegenüber dem Vorjahr einen leichten Besucherrückgang hinnehmen musste.

Platz 3 nahm mit dem Neuen Schloss (großes Aufmacherbild ganz oben) auf Herrenchiemsee ebenfalls ein Prachtbau von Ludwig II. ein. Gegenüber dem Vorjahr büßte es damit allerdings den Platz 2 ein, weil die Besucherzahlen um 40 Prozent zurückgingen. Grund für den starker Besucherrückgang war allerdings ein überdurchschnittlicher Besucherandrang auf Ludwigs II Kopie des Versailler Schlosses: Vom 13. Mai bis 16. Oktober 2011 fand auf der Insel des Chiemsees die überaus erfolgreiche Sonderausstellung "Götterdämmerung - König Ludwig II. und seine Zeit" statt, die die Besucherstatistik 2011 einen Ausreißer nach oben bescherte.

 

Hinter den Ludwigs II Schlösser folgte 2012 in der Gunst der Besucher die Würzburger Residenz und die Münchner Kulturbauten Schloss Nymphenburg und die Residenz (gemessen an den Eintritten des Residenzmuseums).

Auf Platz 7 folgt die Burg zu Burghausen (Bild links). Sie weist mit einem Zuwachs von 191 Prozent der Eintritte im Jahr 2012 gegenüber 2011 den größten Sprung in der Besucherstatistik auf. Auch hier war eine Ausstellung die Ursache für den Andrang: 143.997 Besucher kamen wegen der Landesausstellung 2012 auf die Burg in Burghausen.

Auch in Nürnberger verbuchten Sinwellturm und Kaiserburg mit Palas einen Anstieg der Gästezahlen – und dies, obwohl der Jugendherberge in der Kaiserstallung der Burg wegen Baumaßnahmen ganzjährig geschlossen war. Allerdings sorgte die Sonderausstellung "Der frühe Dürer" im Germanischen Nationalmuseum für einen Anstieg der Gäste in Nürnberg insgesamt. Platz 10 besetzte schließlich wieder ein Münchner Kulturbau: Das Marstall museum konnte seine Besucherzahlen 2012 um über sechs Prozent gegenüber 2011 steigern.

 

Besucher-Ranking 2012:

 

Gebäude

Ort

Besucher 2012

Besucher 2011

Änderung 12 via 11

Schloss Neuschwanstein

Schwangau

1402717

1412094

-0,66 %

Schloss Linderhof

Linderhof

436968

446518

-2,13 %

Neues Schloss Herrenchiemsee

Herrenchiemsee

411300

685321

-39,98 %

Residenz Würzburg

Würzburg

339243

321450

5,53 %

Schloss Nymphenburg

München

281233

259316

8,45 %

Residenzmuseum

München

249166

238476

4,48 %

Burg zu Burghausen

Burghausen

209862

72035

191,33 %

Sinwellturm, Tiefer Brunnen

Nürnberg

149491

141436

5,69 %

Kaiserburg - Palas

Nürnberg

135943

126697

7,29 %

Marstallmuseum

München

125739

118471

6,13 %

Befreiungshalle

Kelheim

112537

122612

-8,21 %

Nymphenburger Parkburgen

München

102222

94595

8,06 %

Burg Trausnitz

Landshut

83015

89873

-7,63 %

Cuvillées-Theater

München

82522

81034

1,83 %

Markgräfliches Opernhaus

Bayreuth

61039

58260

4,76 %

 

Weitere Informationen:

Bayerische Schlösserverwaltung: Offizieller Internetauftritt

 

Quelle:

Tabelle –  Freistaat Bayern, Pressemeldung 25.02.2013

Bilder:

Neues Schloss Herrenchiemsee – Jan Beckendorf, wikipedia

Schloss Prunn - © Sir Gawain, wikipedia commons 

Schloss Neuschwanstein – Softeis, wikipedia

Schloss Linderhof – Softeis, wikipedia

Burg zu Burghausen – Jacquesverlaeken, wikipedia