Signa: Benkos Griff nach den Konsumtempel

Die Signa Prime von René Benko hat von der RFR Holding von Michael Fuchs und Aby Rosen für 1,5 Milliarden Euro Immobilien gekauft. Nun plant Signa den Erwerb der kompletten Kaufhof-Gruppe von der kanadischen Hudson Bay Company (HBC.

 

Der Kauf des RFR-Immobilienportfolios durch Signa Prime ist die größte Immobilientransaktion 2017 in Deutschland. Außer dem Hochhaus Upper-West in Berlin, dem Kaufmannshaus und den Alsterarkaden in Hamburg sowie dem Projekt Upper Zeil umfasst er auch die Übernahme eines 50-prozentigen Anteils an Karstadt am Hauptbahnhof in München.

 „Eine Transaktion wie diese erfordert viel Vertrauen unter den Beteiligten. Mit der Signa Prime hatten wir von Beginn an gute, konstruktive und vertrauensvolle Gespräche“, so Michael Fuchs, Gründer RFR Gruppe. Die RFR von Aby Rosen und Fuchs hatte in den letzten 25 Jahren unter anderem in Deutschland den Eurotower in Frankfurt und in den USA die Wolkenkratzer-Ikonen Seagram Building und Lever House in New York erworben. RFR betreut heute ein Immobilienportfolio im Wert von über zwölf Milliarden Euro. Der Anteil an Karstadt am Hauptbahnhof hielt die RFR aber nur kurz in ihrem Bestand: Er wurde erst 2016 von Signature Capital für etwa 250 Millionen Euro übernommen.

Die Käuferin Signa besaß bereits die restlichen Anteile des Karstadt am Hauptbahnhof. Geplant ist ein Teil dieses Gebäudekomplexes entlang der Schützenstraße abzureißen und neu zu bauen. Damit würde sich die Fußgängerzone zwischen Hauptbahnhof – dessen Eingangsbereich die Deutsche Bahn ebenfalls komplett neu bauen wird – und  dem Hotel Königshof am Stachus – der ebenfalls durch einen Neubau ersetzt werden soll – völlig verändern.

In München ist die Signa zudem Eigentümer bedeutender Einkaufstempel in der Neuhauser Straße – Deutschlands umsatzträchtigste Einkaufsmeile. Sie hält via Signa Retail 49,9 Prozent über die The KaDeWe Group an Süddeutschlands größtem Warenhaus, dem Oberpollinger. Die Signa Holding hatte 2014 die angeschlagene Warenhauskette Karstadt sowie die restlichen noch von dem Finanzinvestor Nicolas Berggruen gehaltenen Minderheitsanteile an Karstadt Sports/ Karstadt Premium mit dem KaDeWe in Berlin und dem Oberpollinger in München übernommen.

Kurz zuvor hatte die Signa Holding Ende 2013 die Alte Akademie mit dem ehemaligen Kaufhaus Hettlage für 240 Millionen Euro auf Basis ein Erbbaurechts für 65 Jahre vom Freistaat Bayern erworben. Auf der Grundlage des Wettbewerbsentwurfs des Basler Architekturbüros Morger Partner Architekten soll die Liegenschaft in 22.000 Quadratmeter Mietfläche vorwiegend für Einzelhandel und Gastronomie umgebaut werden.

Kampf um Kaufhof.

Damit sind die Kaufwünsch des ehrgeizigen Signa-Eigentümers René Benko (40) aber noch nicht befriedigt. Wie die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ berichtet, plant Benko laut Insidern den Erwerb der Kaufhof-Kette, die aktuell mit 2,6 Milliarden Euro bewertet sei. Erst 2015 hatte der Metro-Konzern die Warenhaus-Kette an das kanadische Handelsunternehmen Hudson Bay Company (HBC) unter ihrem Chef Jerry Storch für 2,8 Milliarden Euro verkauft. Benko hatte damals mitgeboten, aber den Kürzeren gezogen. Storch brachte der Deal kein Glück: Nachdem die HBC im vergangenen Geschäftsjahr mit Kaufhof einen Verlust von 360 Millionen Euro schrieb, musste er im Oktober 2017 seinen Chefposten abgeben.

Am 1. November 2017 bot die Signa Holding nun drei Milliarden Euro für  Kaufhof. Sollte und dem Kaufhof am Marienplatz zwei weitere große Warenhäuser zum Signa-Portfolio hinzu. Der Kaufhof am Marienplatz gilt als umsatzstärkstes Warenhaus der Kette.

Doch übernimmt sich Benko mit seinen Kauftempel-Deals nicht, zumal der Onlinehandel zunehmend Anteile gewinnt? Der Innsbrucker hat in seinem Imperium wohl zuletzt die Schuldenquote zurückgefahren und Geldgeber mit zweifelhafem Ruf durch Kapitaleinlagen von Vertrauten ersetzt. Nachdem Benko den griechischen Reeder Georgios Ikonomou und den israelischen Diamantenschürfer Beny Steinmetz ausgezahlt hat, kontrolliert Benko über seine Familienstiftung (90 Prozent) mit dem Schweizer Ernst Tanner (CEO des Schokoladenfabrikanten Lindt & Sprüngli) nun wieder die Signa Holding allein. Vor allem hilft, dass Karstadt wieder schwarze Zahlen schreibt und das Online-Konzept wirkt.

Die Signa Holding wiederum ist zu 52 Prozent an Signa Prime Selection beteiligt, die nun die RFR-Immobilien erworben hat. Weitere Eigentümer von Signa Prime sind die Falcon Private Bank (Staatsfonds Abu Dhabi) sowie illustre Investoren wie Torsten Toeller, Eigentümer des Tierfutteranbieters Fressnapf, Hans Peter Haselsteiner (Strabag), Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Unternehmensberater Roland Berger sowie Ex-Rennfahrer Niki Lauda.

Text: Ulrich Lohrer, 15.11.2017

Bildnachweis: Karstadt am Hauptbahnhof, Ulrich Lohrer; Porträt René Benko, Signa Presse