Bogenhausener Ror: Ramada-Hotel-Betreiber wird Mieter

Die Investorengruppe der Von der Heyden Group und der Bayern Projekt verkündeten für das geplante Münchner Großprojekt den Abschluss eines langjährigen Pachtvertrages mit einer Tochtergesellschaft der Hospitality Alliance AG, dem Franchisenehmer für Ramada Hotels. Damit dürfte der Baustart am Vogelweideplatz absehbar sein.

 

In das neue Münchener Stadtquartier "Bogenhausener Tor" wird ein Vier-Sterne-Hotel der Marke Ramada einziehen. Dies melden übereinstimmend verschiedene Fachpublikationen wie Thomas Daily, Deal Magazin und Rohmert Medien unter Bezug auf den Projektentwickler Bayern Projekt GmbH. Geplant ist ein 15 Etagen hoher Neubau mit 344 Zimmern und Suiten sowie einem 700 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal. Das Hotel soll Mitte 2017 eröffnet werden.

Insgesamt soll für das Hotel über 15.000 Quadratmeter  gemietet werden, womit rund 40 Prozent des betreffenden Teilprojekts des Bogenhausener Tors vermietet sind.

Das Projekt ist Teil des "Bogenhausener Tors", das von einer Investorengruppe um die Von der Heyden Group und der Bayern Projekt GmbH realisiert wird. Insgesamt sollen in dem Büroquartier vier Hochhaustürme mit knapp 90.000 Quadratmeter BGF entstehen.

 

UL, (31.07.2014)

Bogenhausen gilt als Münchens nobler Stadtbezirk mit gediegenen Jugendstilvillen, ruhigen Grünanlagen und prächtig gestalteten Plätzen. Am Vogelweideplatz, wo die Autobahn A94 in die Einstein- und Prinzregentenstraße der Stadt mündet, ist davon wenig zu spüren. Dies soll sich bald ändern. Auf einem Areal mit Bürohäusern der 1970er-Jahre und der Asphaltwüste soll ein trendiger Geschäftsstandort entstehen, das Bogenhausener Tor. 

Bereits 2008 hatte die dafür eigens gegründete Projektgesellschaft, – die Bogenhausener Tor Immobilien GmbH – in Abstimmung mit den Nachbareigentümern, einem institutionellen Anleger und der Landeshauptstadt München, ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben.

Bei der Projektgesellschaft handelt es sich um ein Unternehmen der Von der Heyden Group (VDHGroup) und der Bayern Projekt GmbH. Die VDHGroup wird von Sven von der Heyden geleitet und ist in Zentraleuropa mit Schwerpunkt Polen tätig. Bayern Projekt GmbH ist ein inhabergeführtes Unternehmen unter der Leitung von Sven Renz und ist seit über 15 Jahren in Bayern mit Schwerpunkt München als Investor und Projektentwickler aktiv.

Zu dem Wettbewerb geladen wurden nicht nur bekannte deutsche Architektenbüros wie 03 Architekten, Allmann Sattler Wappner, BRT Bohte Richter Teherani, Fink + Jocher sowie GKK + Architekten, sondern auch Davidsson + Tarkela aus Finnland und KCAP Architects & Planers aus den Niederlanden und der Schweiz. Die von der Bayern Projekt mit der Landeshauptstadt München ausgearbeiteten Vorgaben waren anspruchsvoll: "Die Gesamtsituation soll auf eine zeitgemäße Interpretation des Themas "Stadteinfahrt“ abzielen. Die Planung soll der doppelten Torwirkung des Standortes - stadtein- und auswärts - gerecht werden. ... Die Auslober erwarten räumliche Kompositionen aus Gebäuden und Freiflächen, die sowohl eine städtebauliche Aufwertung des städtischen Raumes und der privaten Grundstücke bewirken als auch imagebildend für München, insbesondere für den Münchner Osten, sind.“

Spanisches Ehepaar gewinnt   

Das Rennen machten nicht die genannten Architektenterams, sondern Fusensanta Nieto und Enrique Sobejano. Das Architektenehepaar hat sich durch Museumsbauten in Spanien (Madinat al Zahra und Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Cordoba; Museum San Telmo in San Sebastian) und im deutschsprachigen Raum (Landesmuseum Joanneum in Graz, Museum Moritzburg in Halle) sowie mit gewerblich genutzten Bauten und Veranstaltungseinrichtungen (Kaufhaus Kastner & Oehler, Graz; Kongresszentrum Expo 2008 in Saragossa) einen Namen gemacht.

Der Entwurf von Nieto & Sobejano sieht nicht übliche rechteckige Glastürme vor, sondern ein Ensemble unterschiedlich hoher, weich geschwungener Baukörper ohne Ecken und Kanten. Auf beiden Seiten der Einsteinstraße ist eine parkartige Grünanlage mit Bäumen und Sträuchern angedacht, in der locker verteilt die fünf Türme mit einer Höhe von 46 bis 91 Metern stehen. Ein Turm steht zwischen Einstein- und Prinzregentenstraße, die vier übrigen südlich der Einsteinstraße. Vier Türme sind als Bürogebäude geplant, der fünfte als Hotel. Eine Brücke ermöglicht ein barrierefreies Überqueren der Einsteinstraße.

Die fünf Türme haben ein unregelmäßiges Fünfeck – ein von Nieto Sobejano gerne aufgegriffene Form – mit einer Fläche von etwa 1100 Quadratmeter als Grundriss. Die einzelnen Türme sind in unterschiedlichen Abständen voneinander und in unterschiedlicher Orientierung zueinander angeordnet, auch sind die Dachflächen unterschiedlich geneigt.

Wie in den früheren Arbeiten von Nieto & Sobejano, so lässt auch hier die Gestaltung des Ensembles eine Ausstrahlung auf das ummliegende Viertel erwarten. Bezugspunkt der Gebäude ist die ebenerdige Plaza. Für jeweils zwei Objekte ist eine Tiefgarage vorgesehen. In dem zweigeschossigen Sockel der Türme werden Serviceräume der Lobbys, Restaurants, Fitnessräumen und Kindergarten untergebracht.

Es wird allerdings noch etwas dauern, bis die alten Bürogebäude abgerissen und mit der Errichtung der neuen begonnen wird. ◊Der Baubeginn wird voraussichtlich 2013 sein“, sagt Kai Fischer, Projektleiter der Bogenhausener Tor Immobilien GmbH. Auch aufgrund der Größe – mit einer Nutzfläche von etwa 100.000 Quadratmetern und einem Investitionsvolumen von insgesamt 350 Millionen Euro – stellt das Projekt eine Herausforderung für die Entwickler und Investoren dar. Obwohl die Büroleerstände zuletzt zurückgegangen sind, besteht für Mieter zurzeit in München eine große Auswahl an modernen Büroflächen. Aus Sicht der Bayern Projekt ist das Bogenhausener Tor jedoch durch seine markante Architektur und seinen Landmark-Charakter einzigartig. 

Tatsächlich lässt der Bau nicht nur für München eine interessante neue Architektur erwarten, sondern wird wohl  auch städteplanerische Auswirkungen haben. Bislang ist die in den 1950er-Jahren entstandene Parkstadt Bogenhausen durch die Autobahneinfahrt von dem südlich gelegenen Steinhausen abgeschnitten. Mit  der angestrebten Quartiersentwicklung könnten beide Viertel aufgewerttet und miteinander verzahnt werden.

Statt Asphaltwüste Parklandschaft

Dies setzt ausreichend Raum für die Gestaltung voraus. Bereits Ende 2006 hatte die Objektgesellschaft am Vogelweideplatz von zwei Erbengemeinschaften und dem Süddeutschen Verlag GmbH drei Büro- und ein Lagergebäude erworben. Diese Gebäude aus den siebziger Jahren sollen abgerissen werden und durch die Neubauten des Bogenhausener Tors nach den Plänen von Nieto Sobejano ersetzt werden.

Ein zusätzlicher Baugrund aus städtischem Besitz steht im Norden zur Verfügung, der durch die Verschwenkung der Einsteinstraße und der Anbindung der Autobahn an den Richard-Strauß-Tunnel im Westen entstand. Dadurch wird Platz für einen neuen Park der Münchner Landschaftsarchitekten Keller Damm Roser frei, dessen Topografie mit Böschungen auch einen Lärmschutz vor dem Verkehr bilden soll.

 Es bestehen also gute Chancen, dass im Osten Münchens etwas entsteht, das dem positiven Image Bogenhausens auch gerecht wird.

 

Bogenhausener-Tor 

Nutzung und Größe

Fünf Hochhäuser mit etwa 100.000 Quadratmetern für Büro und Hotel und Services.

Projektentwickle

Bayern Projekt GmbH 

Architekten

Nieto & Sobejano

Zeitplan

2006 Grundstückserwerb

2008 Architektenwettbewerb,  2013 geplanter Baubeginn

2015 voraussichtliche Fertigstellung