Büromarkt: Warum Mieter umziehen

Eine Umfrage der Fakultät Bauprozessmanagement der Technischen Universität München und Colliers International deckt auf, wie (un)zufrieden Büromieter sind und weshalb sie umziehen. Wer glaubt, dass Einsparungen bei der Miete oder der Betriebskosten der häufigste Umzugsgrund ist, irrt sich.

 

Gute Adressen befördern den guten Ruf ihrer Mieter. Im März verkündete Hines den Abschluss eines Mietvertrags mit dem Condé Nast Verlag für Räume im Oskar.

Die auch als Siemens-Forum bekannte Core-Immobilie in der Maxvorstadt hatte das Immobilienunternehmen Hines 2013 für den südkoreanischen Pensionfonds NPS vom Siemens-Konzern erworben. Entworfen wurde der weiße Vorzeigebau von der amerikanischen Architektenlegende Richard Meier. Er soll Ende 2016 nach dem Umzug der Siemens-Mitarbeiter in die benachbarte neue Siemens-Zentrale revitalisiert werden – eine passende deutsche Adresse für den Verlag Condé Nast. Deren Konzernmutter Advance Publications residiert im höchsten Wolkenkratzer der USA, dem One World Trade Center in New York.

Einige fragen sich jedoch, warum der Verlag Condé Nast, der Hochglanzmagazine wie „Vogue“, „Glamour“, „GQ“ und „DA - Architectural Digest“ veröffentlicht, aus seinem aktuellen, nicht weniger edlen Gebäude im Luxusquartier Lenbach-Gärten ausziehen will. Ist der Verlag mit seinem Standort unzufrieden, werden mehr Räume benötigt oder ist die Miete im neuen Gebäude günstiger?

Vermieter und Investoren von Büroimmobilien haben guten Grund darauf zu achten, dass ihre Mieter zufrieden sind und nicht ausziehen. Schließlich bestimmt die Miete nicht nur den laufenden Cashflow ihrer Investition, sondern auch den Marktwert. Sie dürften sich für die Ergebnisse einer Umfrage interessieren, die der Lehrstuhl für Bauprozessmanagement und Immobilienentwicklung (LBI) an der TU München mit dem Beratungsunternehmen Colliers International unter bundesweit 1200 Büromietern durchgeführt hat.

Die gute Nachricht für Vermieter: 41 Prozent der befragten Büromieter sind zufrieden, weitere 41 Prozent sogar sehr zufrieden. Nur sechs Prozent der Mieter sind mit ihren Büros unzufrieden, nur ein Prozent sogar sehr unzufrieden.

Dabei gibt es große Unterschiede, was den Mietern konkret gefällt oder stört. „Mit 88 Prozent wurde die Lage der Büros am positivsten beurteilt, wobei hier Standortfaktoren sowie Infrastruktureinrichtungen zusammengefasst wurden.  80 Prozent sind mit Raumgestaltung und Freiräumen zufrieden oder sehr zufrieden“, so Peter Bigelmaier von Colliers International Deutschland. „Die geringste Zufriedenheit erreichten die Faktoren Komfort und Wirtschaftlichkeit“, so Professor Josef Zimmermann vom LBI.

Auf die Frage, weshalb sie an einen Umzug denken, wurde überraschend selten die Verringerung der Nettokaltmiete, die Flächenreduktion sowie die Reduzierung der Betriebskosten genannt.

Häufiger Umzugsgrund sind dagegen Probleme mit dem Vermieter. Vor allem aber wegen einer notwendigen Erweiterung von Büroflächen, eine bessere Ausstattungs- und Lagequalität sowie der Steigerung der Repräsentativität ziehen Firmen um. Condé Nast ist hierfür ein gutes Beispiel

Weitere Informationen:

Colliers International: Zufriedenheitsanalyse von Büronutzer 2015

Quellen: Colliers Pressemeldung vom 23.02.2014, Studie zur Umfrage

Bilder: Grafik - Colliers International; Foto: Ulrich Lohrer