Baumärkte: Harter Wettbewerb auch nach Praktiker-Pleite

Das drittgrößte Konsumgütersegment kämpft auch nach der Insolvenz der zweitgrößten Baumarktkette – Praktiker/Max Bahr – mit sinkenden Margen. Aber es gibt auch Lichtblicke, wie die Studie des Kreditversicherers Euler Hermes zeigt. Eine besondere Rolle spielt dabei das gute Wetter.

 

Laut der Euler Hermes Studie „Baumärkte in Deutschland“: Regen oder Sonnenschein? vereinigen deutsche Baumärkte einen Umsatz von über 18 Milliarden Euro und sind damit nach dem Lebensmittel- und Textilhandel das drittgrößtes Konsumgütersegment Deutschlands. Deutschland ist mit rund 2.200 Baumärkten weiterhin Europas größter Markt für Bau- und Heimwerkerbedarf. Doch die Profitmargen sind gering und der Markt ist auch weiter hart umkämpft.

Insbesondere die Zulieferer kämpfen 2014 weiter mit Folgen der Praktiker Insolvenz, vor allem regionale kleine und mittelständische Unternehmen wären von weiterer Insolvenz in der Branche besonders stark betroffen. Die Aussichten für 2014 sind gemischt: Die Branchenumsätze sind durch die fehlenden Praktiker-Einnahmen rückläufig, die verbliebenen Baumärkte profitieren jedoch von dem Aufschwung der Gesamtwirtschaft.

Der nasskalte Frühling hat Deutschlands Baumärkten die Ernte im Jahr 2013 verhagelt – folgt nun in 2014 Regen wieder Sonneschein? Ein Grund dafür: Der Garten- und Pflanzenbedarf macht den größten Teilumsatzbereich der Baumärkte aus.

Im vergangenen Jahr bescherte allein der verregnete März einen Umsatzeinbruch von über 23 Prozent. Für Praktiker/Max Bahr, die ehemals zweitgrößte Baummarktkette im deutschen Markt, führte der Weg sogar in die Insolvenz. Insgesamt brach der Gesamtbruttoumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte 2013 im Vergleich zum Vorjahr nominal um 2,9 Prozent ein. Mit über Euro 18 Millionen Umsatz ist das Segment der Bau- märkte jedoch weiterhin das drittgrößte in der Konsumgüterbranche in Deutschland.

Das Frühlingswetter im Jahr 2014 mit dem vielerorts wärmsten März seit 20 Jahren spielt den rund 2.200 deutschen Heimwerkermärkten in diesem Jahr bisher in die Hände. Dennoch ist die Großwetterlage in der Branche gemischt, wie Euler Hermes in seiner jüngsten Baumarkt-Studie feststellt:

Aprilwetter für deutsche Baumärkte: Heiter bis wolkig mit einzelnen Schauern 

„Bei Deutschlands Baumärkten herrscht weiterhin ein starker Wettbewerb und in der Folge ein hoher Margendruck“, sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes. „Vor allem die Zulieferer müssen im Jahr 2014 erst einmal die Folgen der Praktiker-Insolvenz überstehen. Die Verunsicherung nach dem Aus des Branchenriesen ist anhaltend hoch und die dadurch fehlenden Umsätze können im Gesamtjahr vo- raussichtlich nicht vollständig kompensiert werden.“

„Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen in der Branche“, ergänzte Krings. „Zahlreiche Märkte wurden inzwischen von Wettbewerbern übernommen und eröffnen in den kommenden Monaten unter neuer Flag- ge. Deshalb generieren sie erst in der zweiten Jahreshälfte Umsatz. Die verbliebenen Baumärkte dürften dadurch ihre Umsätze insgesamt um rund drei Prozent steigern. Die Verbesserung des bundesweiten Wirtschaftsklimas sowie ein zuletzt wieder merklicher Anstieg der Bauvorhaben, dürften den erwarteten Aufwärtstrend weiter stützen Für weitere Insolvenzen gibt es derzeit keine Anzeichen. Erste Erhebungen deuten im ersten Quartal 2014 auf ein deutliches Marktwachstum mit einem zweistelligen Plus hin.“

Zulieferer im Garten- und Pflanzenbedarf besonders stark von Baumärkten abhängig Insbesondere Lieferanten für Garten- und Pflanzenbedarf sind von Baumärkten stark abhängig: 21 Prozent des Gesamtumsatzes in Heimwerkermärkten entfallen auf diese sowieso schon stark witterungsabhängige Branche, gefolgt von Ergänzungsbedarf (14 Prozent), Innendeko (13 Prozent), Sanitär (9 Prozent) und Baustoffe (9 Prozent).

Risiko variiert: Absolute Anzahl der Baumärkte in NRW, Bayern und Niedersachsen am höchsten Auch regional variiert das Risiko für die Zulieferfirmen erheblich. Nordrhein-Westfalen liegt mit 451 Baumärkten an der Spitze, gefolgt von Bayern (360), Niedersachsen (275) und Baden-Württemberg (250). Wegen der zum Teil regionalen Versorgungsketten wären kleine und mittlere Unternehmen in diesen Regionen von weiteren Großinsolvenzen besonders stark betroffen. Die größte Versorgungsdichte, gemes- sen an der Anzahl von Einwohnern pro Baumarkt findet sich in den ostdeutschen Bundesländern. In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie dem Saarland kommen besonders viele Einwohner auf jeden Baumarkt.

 

Quelle: Pressemeldung Euler Hermes vom 7. Mai 2014

Bilder: Fotografien – Obi Pressestelle; Grafiken: Euler Hermes