Family Office: Die Reichen schichten um

Nach einer Studie des Bayerischen Finanz Zentrum (BFZ) wollen Vermögenszentralen der Reichen, die Family Offices,  aktuell per Saldo Immobilien und vor allem festverzinsliche Anleihen verkaufen und dafür ihre Unternehmensbeteiligungen in Form von Aktien und außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen aufstocken.

 

Für manchen ist schwieriger, ein großes Vermögen zu erhalten, als es zu erwerben. Schwerreiche und ihre Familien gründeten daher familieneigene Unternehmen, in denen Entscheidungen zur Verwaltung ihres privaten Großvermögens gebündelt werden (Single Family Office – SFO).

In den vergangenen Jahren zeichnet sich zudem vermehrt der Trend zu Multi Family Offices (MFO) ab, die für mehrere Familien das Vermögen verwalten. Seit  2008 führt das Bayerische Finanz Zentrum (BFZ)  Umfragen unter Family Offices durch. Nun hat der Präsident des BFZ, Wolfgang Gerke, emeritierter Professor  für Bank- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg-Erlangen, die fünfte Untersuchung vorgelegt, die zeigt, wie die Family Offices die „Anlage im Niedrigzinsumfeld“ bewältigen. An der Studie haben 72 Family Offices – 30 Prozent SFOs und 70 Prozent MFO – vorwiegend aus der Schweiz und Deutschland teilgenommen. Der Umfang des betreuten Vermögens pro Family Office reichte von 300 Millionen Euro bis über drei Milliarden Euro. Das wichtigste Anlageziel ist für 41,7 Prozent der Family Offices der Kapitalerhalt, für 25,2 Prozent eine bestimmte absolute Rendite sowie für 14,2 Prozent die Erwirtschaftung eines konstanten Cashflows.

In den vergangenen Jahren haben die Reichen ihre Anteile an verzinslichen Wertpapieren (Fixed Income) zugunsten von Aktien und Immobilien verringert. Auch in diesem Jahr steht die Erhöhung des Aktienanteils und die Reduzierung der festverzinslichen Anleihen im Vordergrund (siehe große Tabelle unten). 

Immes mehr Family Offices entdecken Private Equity

Neu ist jedoch, dass mittlerweile mehr Family Offices angaben, ihren Immobilienanteil zu senken (9,7 Prozent) als solche, die Immobilien per Saldo zukaufen (8,3 Prozent) wollen. Stattdessen wollen die Family Offices vermehrt außerbörsliches Beteiligungskapital (Private Equity) – vorwiegend als Direktinvestment und etwas weniger in Form von Private-Equity-Fonds – zur Verfügung stellen. Auch soll mehr Wagniskapital für junge Unternehmen, wenn auch in geringerem Umfang als Private Equity, bereitgestellt werden.

Magere Immobilienrenditen.

Die geplante Reduzierung der Immobilienquote dürfte einige überraschen. Lange kauften private Investoren und Family Offices noch Immobilien in 1a-Lagen, als es vielen institutionellen Investoren bereits schon zu teuer war. Nach UBS / Campden Wealth und Famos lag der Immobilienanteil allerdings höher (siehe kleine Tabelle inks oben). Nach dem Immobilienunternehmen Famos machte die Immobilienquote 2016 sogar noch 36 Prozent aus. Die in der Famos-Studie befragten Family Offices verwalteten allerdings zu 63 Prozent ein Nettovermögen von weniger als 100 Millionen Euro und damit deutlich weniger als die vom BFZ befragten Unternehmen. Im Immobilien-Portfolio entfielen im Durchschnitt 44 Prozent auf Wohnimmobilien (2012: 40 %), 18 Prozent auf Büroobjekte (29 %), 16 Prozent auf gemischt genutzte Geschäftshäusern (10%) und 15 Prozent auf Einzelhandelsobjekte (10 %) sowie sechs Prozent auf sonstige Immobilien (Logistik, Hotels).

Nach der Analyse der Transaktionen 2017 durch Colliers in München kauften die Privaten und Family Offices bislang mehr Immobilien als sie verkauften. 

Text: 15.11.2017, Ulrich Lohrer; Bildnachweis: Ulrich Lohrer (Foto)