Shoppingmetropole München: Cash Cow Altstadt, wenige Problemviertel

Nach dem Handelsatlas München 2013 der BBE Handelsberatung und die CIMA Management + Beratung gibt es zwischen den einzelnen Stadtteilen teilweise enorme Unterschiede. Viele Nahversorgungszentren haben einen großen Ergänzungs- und Modernisierungsbedarf.

 

München ist als Shoppingstadt der Superlative bei Handel und Immobilienwirtschaft seit vielen Jahren einer der gefragtesten Topstandorte in ganz Europa.

Laut der Studie Handelsatlas München 2013" ist die Verkaufsfläche in München mittlerweile auf über 1,7 Millionen Quadratmeter gestiegen. Allein die Innenstadt weise als „absolutes Flaggschiff des örtlichen Einzelhandels“ mit 450.000 Quadratmetern über ein Viertel der gesamten Verkaufsfläche Münchens auf. Auch beim Einzelhandelsmsatz dominiert die Altstadt bei weitem den der anderen Stadtbezirke Münchens (siehe Tabelle links). „In der Innenstadt erwirtschaftet der dortige Handel jährlich rund vier Milliarden Euro Umsatz, knapp ein Drittel des gesamten Münchner Einzelhandelsumsatzes von 11,5 Mrd. Euro“, so Angelus Bernreuther, Leiter der BBE-Standortforschung. „Dies zeigt die Klasse und hohe Anziehungskraft der City.“ 

Diest belegen Frequenzzählungen, die von der CIMA erstmals über den ganzen Tag statistisch erfasst wurden. „Die üblichen Passantenbefragungen erheben nur die Spitzenwerte“, sagt Sebastian Mahrenholz, CIMA-Projektleiter. Danach gibt es unter der Woche und am Wochenende große Unterschiede  bei den Kundenfrequenzen und Spitzenzeiten. Während in der Kaufinger-/Neuhauserstraße an einem durchschnittlichen Wochentag zwischen 12 und 13 Uhr die meisten Kunden gezählt werden, wird am Samstag  der Höhepunkt mit rund 17.000 Passanten erst zwischen 16 und 17 Uhr erreicht (siehe Grafik links).

„An einem durchschnittlichen Wochentag werden in der frequenzstärksten Straße insgesamt ca. 50.000 Passaten gezählt. Am Samstag sind es dann mit rund 110.000 mehr als das Doppelte“, erläutert Mahrenholz. In den Samstagen vor Weihnachten würden sich bis zu einer Viertelmillion Besucher in der  Einkaufsmeile Kaufinger-Neuhauserstraße drängen. Mehr als die Hälfte dieser Besucher komme außerhalb Münchens – dies belege die enorme Anziehungskraft der Münchner City.

Bewohner und Besucher würden jedoch nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den Stadtteil- und Quartierzentren ein attraktives Einzelhandelsangebot finden. „Die aktuellen Entwicklungen insbesondere in Moosach und Allach zeigen, dass die Stadt mit ihrem polyzentrischen Konzept auf das richtige Pferd gesetzt hat“, so Bernreuther von der BBE-Standortforschung.

Weil der Handelsatlas bereits 2009 erstmals veröffentlicht wurde, konnten nun auch Veränderungen in den einzelnen Bezirken mit den Tahlen vor vier Jahren verglichen werden. So zeigen sich im Verkaufsflächenangebot durchaus unterschiedliche Tendenzen.

Sie spiegeln die Nachfrageveränderungen nach Einzelhandelsgüter und die damit verbundene Mietzahlungsfähigkeit und die Verdrängung durch Büroräume – etwa in den Seitenstraßen der Viertel – wider.

Während die Flächen in der Maxvorstadt, aber auch in Au-Haidhausen und in einigen Bezirken im Norden, Osten und Westen deutlich zunahmen, wurden sie deutlich in Schwabing-West reduziert. Auch in der Altstadt wurden Flächen aufgrund von Um- und Neubauten (beispielsweise durch das Joseph-Pschorr-Haus) reduziert (siehe Karte links). 

Bezogen auf das Sortiment ergeben sich ebenfalls unterschiedliche Folgerungen für den Einzelhandel. Während bei Bekleidung, Schuhen und Lederwaren die Versorgung laut Bernreuther „ausgezeichnet“ ist, weisen jedoch andere Sortimente Defizite auf. Im Stadtgebiet von München würden aber immer noch ausreichend Baumärkte und auch Möbelmärkte fehlen. Hier habe das Umland „kräftig aufgerüstet und so Kaufkraft abgezogen“. Auch Großmärkte für Baby-Artikel würden in München praktisch fehlen.

Große Unterschiede bei Attraktivität, Umsatz und Einzelhandelsangebot bemängelt auch CIMA-Projektleiter Mahrenholz. Während im Stadtbezirk Altstadt-Lehel jedes Jahr „Umsatzraketen abgeschossen“ werden, seien Untergiesing-Harlaching, Allach-Untermenzing und Feldmoching-Hasenbergl eher die „Sorgenkinder“ der Stadt. Bei der Versorgung mit Lebensmitteln herrschen Mängel in der Angebotsqualität. „Die dortige Nahversorgung muss sowohl quantitativ, als auch qualitativ verbessert werden“, warnt Experte Mahrenholz und fordert mit Blick auf den Einwohnerzuwachs in den kommenden Jahren. „Hier muss die Stadt weiterhin die planerischen Weichen stellen und die Ansiedlung von Lebensmittelgeschäften von Beginn an einkalkulieren –Nahversorgung ist ein Stück Lebensqualität.“

Trotz aller Probleme sind sich Mahrenholz und Bernreuther einig, dass München als Welteinkaufstadt „nahezu perfekt aufgestellt“ ist. Die Defizite seien eigentlich nur „Luxusprobleme“. Andere Großstädte würden neidisch auf München schauen.

 

Quelle: Presseveranstaltung/Pressemeldung von BBE Handelsberatung GmbH/ CIMA Beratung + Management GmbH vom 24.04.2013

 

Weitere Informationen:

Handelsatlas München 2013: Vorstellung der Publikation von BBE/CIMA