Ein Fest für Hoteliers

Das Oktoberfest sorgt jährlich für eine Auslastung der Münchner Hotels. Doch auch sonst haben die Hotelbetreiber an der Isar zur Zeit Grund zum Feiern. Betreiber und Investoren stehen deshalb Schlange, da trotz Neubauaktivitäten kaum ausreichend Objekte angeboten werden.

 

Wenn am Samstag die Wiesn-Wirte in festlich geschmückten Kutschen auf dem Oktoberfest einziehen und OB Christian Ude das erste Fass mit dem Ruf „ O ╠üzapft is“ ansticht, fließt nicht nur viel Bier. Rund eine Milliarde Euro geben Wiesn-Besucher laut Tourismusamt jedes Jahr in München aus.

 

Dabei werden direkt auf der Theresienwiese 390 Millionen Euro, für Übernachtungen 365 Millionen Euro und 250 Millionen Euro für Verpflegung und sonstige Einkäufe außerhalb des Wiesn-Geländes ausgegeben.

Die meisten Hotels und Pensionen, die während des Jahres im Durchschnitt eine Auslastung von etwa 40 Prozent haben, sind zwischen Mitte September und Anfang Oktober schon Wochen im voraus ausgebucht. Unter 130 Euro pro Nacht ist um die Zeit der Oktoberfest- Eröffnung ohnehin nichts zu bekommen.

Immer mehr Touristen sind aber nicht mehr bereit, die saftigen Wiesn-Aufschläge für Hotels zu bezahlen. Internetportale wie airbnb.de, wimdu.de und ebay.de, die private Übernachtungen vermitteln, finden daher regen Zulauf. „Der Vermieter profitiert von einem lohnenden Nebenverdienst - der Reisende erhält eine völlig neue Perspektive auf sein Urlaubsziel“, wirbt das Portal wimdu auf seiner Homepage. Wimdu erhebt vom Übernachtungsanbieter drei Prozent und vom Gast zwölf Prozent Gebühr von den Übernachtungskosten. Es orientiert sich damit an dem amerikanischen Vorreiter-Modell airbnb.de.

Als Konkurrenz werden die Hotels die privaten Zimmervermieter wegen des Andrangs in der Wiesn-Zeit kaum spüren. Auch ist ein Schlafplatz in Untermiete nicht jedermanns Sache. Doch bei großen Preisvorteilen könnten die Privaten den Hotels einfacher Ausstattung Gäste streitig machen, und vor allem durch „Wiederholungstäter außerhalb der Wiesn-Zeit“ den professionellen Bettenanbietern durchaus Umsatzeinbußen verursachen. Zumal die Privaten nicht immer für die Einnahmen Steuern abführen und auch kein Personal vorstrecken müssen. 

 

Schon heute übernachtet immerhin über ein Drittel der Wiesn-Gänger privat bei Freunden und Bekannten (siehe Chart links). Nehmen immer mehr Interessenten die Internetvermittler wahr, kommt zumindest das einfache Hotelsegment unter Wettbewerbsdruck.

Aktuell können sich Münchner Hoteliers aber kaum beklagen. Im Gegenteil: Zwar schwankt die Bettenauslastung in München stark. Den Übernachtungsspitzen im Sommer und während des Oktoberfests Ende September folgt dann meist der Einbruch im Spätherbst und in den Wintermonaten.

Solche saisonalen Schwankungen sind in der Hotelbranche aber üblich. Wichtig ist, dass der mittelfristige Trend nach oben zeigt. Und dies ist in der Isarmetropole seit Jahren der Fall. 

 

Mit rund 11,1 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr erzielte das Münchner Beherbergungsgewerbe sein achtes Rekordergebnis in Folge  (siehe Chart unten links). Bezogen auf die Kettenhotellerie belegte die bayerische Metropole 2010 bei den drei wesentlichen Kennziffern – Zimmerauslastung, Zimmerpreis und Zimmererlös (RevPAR) den Spitzenplatz. „Mit einer Auslastungsquote von 55 Prozent lag München im vergangenen Jahr vor Hamburg mit 54,2 Prozent und Berlin mit 51 Prozent“, sagt Alexander Trobitz, Leiter Hotel bei dem Makler- unternehmen Dr. Lübke. Unter den Hotelkategorien gehören vor allem die Hotelketten zu den Gewinnern: Mit einer durchschnittlichen Zimmerauslastung von 72 Prozent und einem um 18,5 Prozent auf 113,18 Euro gestiegenen Zimmerpreis mit durchschnittlichem Erlös pro Zimmer von 81,60 Euro, weisen sie für München imposante Zahlen aus.

Entsprechend begehrt ist die Anlageklasse Hotel. Bundesweit lag das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2011 bei rund 500 Millionen Euro und damit fast doppelt so hoch wie der Vorjahreswert von etwa 270 Millionen Euro. „Die magische Grenze von einer Milliarde Euro wird in der zweiten Jahreshälfte mit Sicherheit durchbrochen“, schätzt Thorsten Faasch, Leiter Investment bei Jones Lang LaSalle Hotels Deutschland.

Aufgrund der guten Zahlen wird München unter Investoren besonders stark nachgefragt – allerdings kann das Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt halten. Im traditionellen Münchner Hotel-Gebiet – dem Bahnhofsviertel/Klinikviertel – werden zwar an allen freiwerdende Ecken neue Hotels erbaut, doch wird eben nicht allzu oft etwas frei.  Auch für Gesamt-München gilt: Neue Hotels werden zwar entwickelt, aber längst nicht im erwünschten Umfang. Von August 2010 bis Frühjahr dieses Jahres wurden in der Stadt vier neue Hotels mit insgesamt 1155 Zimmern eröffnet, darunter zuletzt das Adagio City Aparthotel mit 123 Zimmer im Bahnhofsviertel.

Da das Oktoberfest in der Regel der wichtigste Umsatzträger im Jahr ist, achten die Betreiber neuer Hotels darauf, dass die Zimmer rechtzeitig zur Wiesn bezugsfertig sind. Nach Angaben des Referats für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München öffnen oder öffneten noch rechtzeitig zum Oktoberfest vier weitere Hotels ihre Tore: Im Bahnhofsviertel das Rilano 24/7 in der Schillerstraße 17 mit 52 Zimmern und die von Marriott betriebenen Hotels Residence Inn und Courtyard (125 und 225 Zimmer in der Orleansstraße 71) am Ostbahnhof sowie das Derag Hotel Campo dei Fiori (43 Zimmer) in der Geyerstraße im Dreimühlenviertel. Spätestens im nächsten Jahr sollen weitere Hotels auf den Münchner Markt kommen: Das Rilano Hotel München West in der Bodenseestraße mit 160 Zimmern, das Angelo Designhotel (207 Zimmer) in der Albert-Roßhaupterstraße und ABBA Hotel in der Paul-Heyse-Straße (196 Zimmer) im Wiesn-Viertel St. Paul.

Direkt im Bahnhofsviertel befindet sich an der Schwanthalerstraße auch ein weiters Hotel im Bau. Bauherr ist die spanische Gruppe "Hoteles Turísticos Unidos" (Hotusa). Diese hat erst vor kurzem im Münchener Arnulfpark (Maxvorstadt) ein anderes Vier-Sterne-Hotel eröffnet. Das im "Quartier Luft" an der Arnulfstraße gelegene "Eurostars Grand Central" verfügt über 229 Zimmer, acht Suiten und zehn Apartments für Langzeitaufenthalte sowie vier Konferenzräume. Die KapHag Immobilien GmbH hatte das Grundstück Ende 2006 von Vivico Real Estate erworben und später an Hotusa veräußert.

Weitere Großprojekte wie am U-Bahnhof des Olympiazentrums (ECE Projektmanagement), in der Messestadt Riem (Accumulata) und an der Leopoldstraße (Schwabinger Tor – Jost Hurler) sind in Planung. So schnell versiegen die Ideen der Projektentwickler nicht – wie beim Bier im Oktoberfest wird hier für Nachschub gesorgt.