Ranking: Spitzenstädte für Investoren

London ist nicht nur als Finanzzentrum Europas Nummer 1. Die Investoren suchen weiterhin sichere Häfen und glauben, sie mit der britischen Insel und in Skandinavien zu finden. Doch auch deutsche Städte gelten noch als sicher. Allen voran: München.

 

Nur 20 Tage vor den Olympischen Sommerspiele fand ein Spektakel anderer an Art in London statt: Mit einer eindrucksvollen Laser-Show wurde Europas höchstes Bürogebäude – The Shard (Bild oben, Mitte; Bild links unten) – eingeweiht. Für den Architekten Renzo Piano, der am 14. September seinen 75. Geburtstag feierte, war die "Scherbe" ein verfrühtes, aber eindrucksvolles Geschenk.

Auch für internationale Investoren bleibt die Finanzmetropole trotz schwerer Wirtschaftskrise in Großbritannien an der Spitze Europas. In einem soeben vom Investmentmanager LaSalle Investment veröffentlichten Ranking von 326 europäischen Wirtschaftsregionen und Großstädten nimmt die Stadt an der Themse unangefochten den ersten Platz ein. Auch wenn auf dem Kontinent Staatschefs Rekordsummen an Steuergelder und Notenbank-Euros verschieben, so bleibt die City weiterhin die internationale Hauptstadt des freien Kapitalmarktes.

Im Ranking des European Regional Economic Growth Index – kurz E-REGI – finden sich unter den Top 20 Europa-Metropolen gleich sechs deutsche Großstädte. Und Platz 2 des E-REGI nimmt München ein (siehe Chart rechts).

Bewertet wurden im Ranking 15 Variablen, die in die drei Bereiche Wachstum, Wohlstand und Geschäftsumfeld den Gesamt-Score bilden. Der E-Regi favorisiert wohlhabende Weltstädte mit Fundamentaldaten. Im Vergleich zum Vorjahr konnte München einen Platz gut machen. "Obwohl München beim hinsichtlich der Punktzahl für die Wachstumkomponente um einiges hinter dem Spitzenreiter London hinterherhinkt“, habe die bayerische Hauptstadt nach wie vor hervorragende Aussichten, so Claus P. Thomas von LaSalle. Die Isarmetropole profitiere von einer sehr robusten und stark diversifizierten Wirtschaft.

Zu den starken Regionen gehört auch Stuttgart, dass sich um drei Plätze gegenüber dem Vorjahr verbessern konnte und nun Rang sieben belegt. Auch die Region Mannheim-Karlsruhe (Rang 10/plus fünf), Frankfurt (11/+6), Köln-Bonn (14/+ 9) und Nürnberg (17/ + 8) konnte ihre Position zum Teil deutlich verbessern. Dagegen ist Hamburg zurückgefallen (23/ - 4).

Zu den Gewinnern gehören aber vor allem auch skandinavische Städte. Allen voran liegt aufgrund des hohen Wohlstandsniveaus und der guten Wachstumsaussichten Stockholm (siehe Bild links: Büroquartier Hötorgsskraporna), das nach München im Gesamtranking Platz 3 einnimmt. Auch Oslo, Copenhagen-Öresund, Helsinki und Göteborg konnten sich unter den Top 20 einreihen.

Paris hat an Punkte verloren, konnte aber ihren vierten Platz behaupten. Zu den Verlieren gehört dagegen die ohnehin abgeschlagene, für Investoren wenig sexywirkende deutsche Hauptstadt mit Startschwierigkeiten. Berlin verlor sieben Ränge und rutschte auf Platz 46 ab (siehe Gesamtranking bis Platz 103 unten). Noch schlechter ist die Hauptstadt Russlands positioniert. Der Absturz Moskau gegenüber dem Vorjahres-Ranking ist unvorstellbar tief: Nachdem die russische Metropole im vergangenen Jahr sogar an die Spitze des Rankings geklettert war, fiel es nun auf Platz 77 zurück. Obwohl die Stadt auch weiterhin gute Wachstumsaussichten attestiert werden, so fiel die Beschäftigungsbilanz mager aus: Die starke Abhängigkeit vom Energie- und Herstellungssektor in Verbindung mit einer schrumpfenden Bevölkerung und einer Konsolidierung des öffentlichen Sektors hat zur Folge, dass Russland im Blick auf die Umwandlung des konjunkturellen Wachstums in Arbeitsplätzen nicht mitziehen kann.

 

Renditen stabilisieren sich

Unter den Büroimmobilien spiegelt sich allerdings die gute Ranking-Positionierung Londons, Deutschlands und Skandinavien in niedrigen Renditen wieder. Nach Savills, einem Immobiliendienstleistungsunternehmen, betragen die Bürospitzenrenditen in London 3,75 Prozent, in Stockholm 4,75 Prozent und in den wichtigsten deutschen Städten zwischen 4,25 Prozent und 4,80 Prozent. „Schaut man bis zum Jahresende 2012 voraus, werden sich die Renditen in den meisten Märkten stabilisieren, insbesondere an Standorten, die als sicherer Hafen gelten, während die Renditen in peripheren Märkten weiterhin steigen könnten“, so Lydia Brissy, Director European Research bei Savills. Obwohl das Gesamttransaktionsvolumen im Jahr 2012 geringfügig gegenüber 2011 zurückgegangen sei, gab es im Jahresverlauf punktuell höhere Investitionen in bestimmten Märkten wie Österreich, Belgien, Irland und Schweden. Um noch etwas Rendite erzielen zu können, würden sich die Investoren in diesen Regionen nach alternativen Anlagemöglichkeiten umschauen. „Da nach wie vor genügend Eigenkapital für Investitionen zur Verfügung steht, beobachten wir eine Verlagerung des Trends von traditionellen Spitzensegmenten auf spezialisierte alternative Anlageklassen wie Hotels, Studenten- und Pflegeheime“, so Eri Mitsostergiou, Director European Research bei Savills.

Bleibt abzuwarten, welchen Schutz die sicheren Häfen im nächsten Sturm tatsächlich bieten. Platz ist jedenfalls zum Teil noch ausreichend vorhanden: Die Büros in der Londoner Scherbe sind noch weitgehend leer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder:

London - The Shard (Photo by DAVID ILIFF. License: CC-BY-SA 3.0)

München – Highlights Towers – Ulrich Lohrer

Stockholm – Hötorgsskaporna, Hötorgsskraporna  (Holger Ellgaard)