Steinhausen: Der Ursprung des Klinikum rechts der Isar

Das Klinikum rechts der Isar kann auf eine über 180-jährige Geschichte zurückblicken. Eines der noch am ältesten erhaltenen Gebäude ist das 1893 von Wilhelm Rettig entworfene Verwaltungsgebäude, wo in einem ehemaligen Kaffeehaus das Krankenhaus gegründet wurde.

 

Das Klinikum rechts der Isar ist das Universitätsklinikum der Technischen Universität (TU) München im Bezirksteil Steinhausen des Stadtbezirks Au-Haidhausen. Es verfügt über 33 Kliniken und Abteilungen, sowie 17 Institute und mehrere Interdisziplinäre Zentren. Das Klinikum rechts der Isar weist über 1000 Betten und rund 4500 Mitarbeiter auf.

Die Anfänge waren bescheiden. Noch bevor Haidhausen in München eingemeindet war (1854), wurde am 1. Mai 1834 eine lokale Kranken- und Armenversorgungsanstalt eröffnet. Es befand sich in einem ehemaliges Kaffehaus (Bild links) entlang der Straße zwischen Haidhausen und Bogenhausen, das mit freiwilligen Spenden von Anna Kurz, der Witwe eines Leibgardisten, umgebaut und gepachtet wurde. Das Krankenhaus umfaßte zwei Stockwerke mit 34 Allgemein- und 2 Separatbetten, einem Bad und zwei Toiletten, angestellt waren ein Spitalsarzt, ein Hausmeister und ein Rechnungssteller. 1838 wurde das Anwesen gekauft und im August 1840 übernahm der Orden der Barmherzigen Schwestern für die nächsten 130 Jahre die Krankenpflege.

Die starke Bevölkerungszunahme und die rege Bautätigkeit in München und seiner Vorstadt Haidhausen brachte für das Krankenhaus eine ständige Platznot. In den Jahren 1870 - 1902 errichtete man deshalb immer wieder neue Pavillons und Verbindungstrakte.


1892 wurde der älteste Teil der Anstalt, das ursprüngliche Kaffeehaus, abgebrochen. An seiner Stelle entstand - im Stil der Gründerzeit - das heutige Verwaltungsgebäude in der Form eines neubarocken Palastgebäudes (großes Bild oben, Bild links). Entworfen hatte es der Münchner Oberbaurat Wilhelm Rettig, der die kommunale Hochbauverwaltung der Stadt München leitete. Der gebürtige Heidelberger war ein ausgesprochener Tüftler, der vier Jahre zuvor die Stufenbahn, eine Art Stadtbahn erfunden hatte, die 1893 in der Weltaustellung in Chicago gezeigt wurde. Auch für München hatte der Architekt, der bei Paul Wallot am Bau des Berliner Reichstags beteiligt war, jede Menge Ideen für die Stadtplanung. So rief er 1893 das Stadterweiterungsbüro ins Leben rief und ernannte den jungen Theodor Fischer zu dessen Leiter. Im Münchner Stadtrat und bei einigen Kaufleuten machte sich Rettig jedoch mit seinen Ideen unbeliebt, so dass der Reformator bereits 1896 kündigte und sich nach Berlin begab.

Die von ihm initierte Bautätigkeit im Klinikum rechts der Isar hatte 1902 einen vorläufigen Abschluss erreicht. Die Bettenzahl war auf 736 gestiegen, konnte aber in Notzeiten auf 850 erhöht werden.

Auch heute befindet sich in dem von ihm entworfenen Gebäude in der Ismaninger Straße neben dem Haupteingang der Verwaltungstrakt. Das Klinikum wurde aber in mehreren Bauabschnitte (1954, 1967 und seit 1970) deutlich erweitert.

Quellen: TUM 175 Jahre Klinikum rechts der Isar;

Bildnachweis: historisches Kaffeehaus – TUM 175 Jahre Klinikum rechts der Isar, sonst Fotografien – Ulrich Lohrer