Europäischer Einzelhandel: London Platz 1, München Platz 8

London ist der attraktivste europäische Standort für internationale Einzelhändler. Zu diesem Ergebnis kommt der Report „Destination Europe 2015“, der unter anderem die Expansion und Präsenz von 250 internationalen Einzelhändlern in den knapp 60 wichtigsten Einzelhandelsmärkten Europas untersucht.

 

„Für internationale Einzelhändler ist London die klare Nummer 1 als Sprungbrett nach Europa. Die Marktgröße, die hohe Markttransparenz und die grundsätzliche Einzelhandelsfreundlichkeit verleihen London eine starke Anziehungskraft auf internationale Einzelhändler, die bereit sind, für erstklassige Standorte einen Aufschlag zu bezahlen. Auch andere etablierte europäische Städte mit ähnlicher Anziehungskraft wie Paris, Mailand, Rom und die führenden deutschen Metropolen profitieren von der Expansionsfreudigkeit internationaler Einzelhändler und konnten trotz der anhaltenden Schwierigkeiten der europäischen Wirtschaft neue Marken anlocken“, so James Brown, Head of EMEA Retail Research & Consulting bei JLL.

Auch als attraktivster europäischer Standort für Luxuslabels konnte London seinen Vorsprung vor Paris ausbauen. Der Report macht in dieser Hinsicht einen deutlichen Abstand zwischen den beiden weltbekannten Metropolen und dem Rest Europas deutlich. Dies belegt laut JLL den hohen Stellenwert, den Luxuslabels einer Präsenz in symbolträchtigen Städten beimessen und das knappe Angebot solcher Standorte. So erzielen Einzelhandelsflächen in der Londoner Bond Street mit jährlich 12.300 Euro pro Quadratmeter denn auch die höchsten Mieten Europas. Der aktuelle Wert entspricht einem Anstieg von über 40 Prozent gegenüber 2012.

„Expansions- und Eintrittsmöglichkeiten nach Europa sind nicht auf die etablierten Märkte beschränkt“,James Dolphin, International Director, EMEA Retail Agency bei JLL. „So wächst Moskau rasch und holt schnell auf. Möglicherweise wird die Stadt bei ihrer internationalen Einzelhandelspräsenz bereits mittelfristig zu Paris aufschließen.“ Allerdings stellt sich die Frage, ob die Studie die wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen aufgrund der Annexion der Krim und der militärischen Unterstützung der seperatistischen Bestrebungen in der Ukraine durch Russland hinreichend berücksichtigt.

Die in einer Übergangsphase befindlichen Einzelhandelsmärkte Moskau und Istanbul schreiben laut JLL eine europäische Erfolgsstory – in keiner anderen der untersuchten Städte wurden in den letzten beiden Jahren so viele neue Markteintritte verzeichnet wie dort. Trotz der erhöhten geopolitischen Risiken boomt der Moskauer Einzelhandelsmarkt dank seiner Größe, der steigenden verfügbaren Einkommen und des schnell wachsenden Bestandes an Einkaufszentren. Auch Istanbul entwickelt sich äußerst dynamisch. Dolphin weiter: „In der zweiten Hälfte unseres Rankings gibt es noch zahlreiche starke Einzelhandelsmärkte, die trotz guter Fundamentaldaten und Marktchancen aus internationaler Einzelhandelsperspektive relativ unterentwickelt bleiben. Hierzu zählen zum Beispiel einige der größeren regionalen Städte in Großbritannien und Frankreich sowie die skandinavischen Märkte“.

München auf Rang 8

München liegt mit 145 Indexpunkte in dem europäischen Einzelhandels-Städte-Ranking noch hinter Istanbul (148), aber einen Rang vor Berlin (139 Indexpunkte). Hamburg nimmt mit St. Petersburg Rang 12, Düsseldorf mit Brüssel Rang 18 und Frankfurt am Main Rang 19 ein.

Als Top Einkaufstraßen in München werden in der Studie Kaufingerstraße, Neuhauser Straße und das Gebiet um den Marienplatz, genannt, die von der hohen Passantendichte profitieren. Maximilianstraße und Maximilianhöfe werden als Luxusmeilen genannt. Fünf Höfe werden als best performing scheme erwähnt. Als wichtige Erweiterung im Einzelhandelsbereich wird die Eröffnung des Hofstatt Quartiers in der Sendlinger Straße und das Palais an der Oper mit den Luxusmieter Luis Vuitton gesehen. Aktuelle Eintritte neuer Labels sind Jeep Store, Freeman T. Porter, Brandy Melville, Fendi, J. Lindberg, Iro und Hublot.

Expansive Marken und Labels

Im Vergleich zum Vorläufer-Report „Destination Europe 2013“ zeigt sich, dass Mainstream- und Premium-Anbieter generell schneller expandieren als die etablierten Luxuslabels. Damit belegen sie auch höhere Plätze im Ranking. H&M steht bei der Einzelhandelsabdeckung nun gemeinsam mit Zara an der Spitze des JLL-Rankings. Beide Marken weisen eine 100-prozentige Abdeckung der 57 wichtigsten europäischen Märkte auf, gefolgt von Mango und The Body Shop.

Angetrieben von expandierenden Premiummarken haben die USA Italien als Land mit der stärksten Einzelhandelspräsenz in Europa überholt. Der expansionsfreudigste der insgesamt 250 untersuchten Einzelhändler ist das amerikanische Unternehmen Michael Kors, gefolgt von Superdry, Cos und 7 For All Mankind. Auch viele europäische Einzelhändler haben in den letzten beiden Jahren stark expandiert, so zum Beispiel Ecco und Hugo Boss. In Zukunft werden laut JLL verstärkt Marken aus der Region Asien-Pazifik den Weg nach Europa finden.

Mit Blick auf die Perspektiven für Einzelhändler in Europa zieht James Brown folgendes Fazit: „Die Erholung verläuft zwar sicherlich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, aber die Wachstumsaussichten für den europäischen Einzelhandel sind aktuell die besten seit Anfang des Jahrzehnts. Wir rechnen mit einer anhaltend dynamischen Expansion des Einzelhandels in den wichtigen europäischen Märkten. Die physische Expansion gestaltet sich allerdings vorsichtiger, überlegter und selektiver als je zuvor. Denn der massive strukturelle Wandel führt zunehmend zu einer Neudefinition des Einzelhandels und der Standorte. Als Folge erleben wir eine enorme Fluktuation der Einzelhandelsgeschäfte in Europa. In den letzten beiden Jahren galt die grobe Regel, dass auf zwei Neueröffnungen eine Geschäftsschließung kommt. Hier werden die Bemühungen der Einzelhändler deutlich, eine straffere und gezieltere Positionierung ihrer Geschäfte zu erreichen.“

 

Weitere Informationen:

JLL Retail: Destination Europe 2015

 

 

Quelle: JLL Pressemeldung 27.11.2014

Bild: Bondstreet; Dickbauch, Grafiken JLL Retail Studie