Großhadern: Klinikum soll abgerissen und neugebaut werden

Das erst im Jahre 1977 fertig gestellte Klinikum Großhadern mit dem 60 Meter hohen Bettenhaus mit Spitznamen „Toaster“ soll abgerissen werden, so der bayerische Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU). Dies und den Neubau beschloss die Bayerische Staatsregierung am 27. Januar 2015 in ihrer Kabinettssitzung.

 

Das Universitätsklinikum Großhadern wird am selben Standort im Bezirksteil Großhadern des Stadtbezirk Hadern komplett neu gebaut. Die sanierungsbedürftigen alten Gebäude sollen nach und nach ersetzt werden, der Klinikbetrieb währenddessen weiterlaufen. Damit folgt Bayern der Empfehlung eines Gutachtens vom vergangenen Jahr.  Dieses hat drei mögliche Varianten diskutiert: eine Sanierung während des laufenden Betriebs, Teilabriss und Sanierung des verbleibenden Bestands sowie Komplettabriss und Neubau. Dabei wurde die letzte Variante eindeutig favorisiert.

„Die Bayerische Staatsregierung hat heute Vormittag grünes Licht für die konkrete Planung einer Neubaulösung am Standort Großhadern gegeben, bei der der Altbestand des Klinikums nach und nach durch neue Gebäude ersetzt werden soll. Das neue OP-Zentrum ist dabei der erste Fixpunkt, an den sich künftig weitere Gebäude anschließen sollen“, so Minister Spaenle. „Ziel sei es, so der bayerische Wissenschaftsminister, für Krankenversorgung, Forschung und Lehre in den nächsten 10-20 Jahren optimale und flexible bauliche Strukturen zu schaffen, die es dem Klinikum ermöglichen, eine moderne patientenorientierte Zentrumsstruktur zu etablieren. Mit dieser sollen auch in Zukunft neue Entwicklungen in der Medizin rasch umgesetzt werden können.

„Wir gehen dabei für die Gesamtmaßnahmen, die rund 20 Jahre in Anspruch nehmen werden, von einem Finanzbedarf von rund 40 Millionen Euro pro Jahr aus. Wir haben heute eine langfristige Weichenstellung für Spitzenmedizin in Großhadern vorgenommen“, sagte Spaenle.

Der Neubau soll bisherigen Planungen zufolge neben dem bisherigen Bettenhaus entstehen und an das kürzlich eröffnete Operationszentrum anschließen. Über die Kosten gibt es noch keine Angaben. Laut „SZ“  hielt Karl-Walter Jauch, der Ärztliche Direktor des Klinikums, eine Summe von 500 Millionen Euro für "sicher nicht zu hoch gegriffen".

Nun sollen die Planungen für den ersten Bauabschnitt beginnen. Für das Gesamtkonzept soll es einen Realisierungswettbewerb geben, um "strukturell, medizinisch, aber auch städtebaulich und gestalterisch eine optimale Lösung zu finden."

 

Geschichte des Klinikum Großhadern

1954 gab es einen Ideenwettbewerb für den Bau eines neuen Großklinikums am südwestlichen Stadtrand, bei dem die Wahl auf ein 70 Hektar großes Grundstück in Großhadern fiel. Durch die Lage am Stadtrand wollte man den Patienten eine ruhige Lage und bessere Luftverhältnisse bieten und sich problemlose künftige Erweiterungen offenhalten. Die konkrete Planung des Klinikums begann 1966 und der eigentliche Klinikbau 1967. Nach 10 Jahren Bauzeit und 367 Millionen Euro Baukosten waren die Baumaßnahmen 1977 abgeschlossen, nachdem einzelne Nebengebäude bereits 1973 in Betrieb gegangen waren. Das Erscheinungsbild der Anlage wird im Wesentlichen durch das 60 Meter hohe und 205 Meter lange Bettenhaus aus Stahlbeton geprägt. Es ist wegen seiner Form und der Aluminiumfassade weithin sichtbar und trägt bei Studenten den Spitznamen „der Toaster“.

1999 fusionierten das Klinikum Innenstadt und das Klinikum Großhadern zum Klinikum der Universität München. Es ist mit diesen beiden Standorten eine der größten Kliniken Deutschlands (insgesamt rund 2300 Betten). Die genaue Bezeichnung lautet seit der Fusion Klinikum der Universität München – Campus Großhadern. Mit seinen 1210 (Stand 31. Dezember 2013) Betten und den angeschlossenen Instituten ist es der größte zusammenhängende Krankenhaus-Komplex Münchens. 1994 wurde das neue Gebäude des ebenfalls zur Ludwig-Maximilians-Universität München gehörenden Genzentrums in Betrieb genommen, 1999 wurden die gesamten Fakultäten für Chemie und Pharmazie auf den HighTech CampusLMU in Hadern umgesiedelt. In unmittelbarer Umgebung befindet sich das Biozentrum Martinsried, welches einen Großteil der Abteilungen der Fakultät für Biologie der LMU in sich vereint. Das Klinikum der Universität München ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts. Ihr gehören 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen an beiden Standorten zum Klinikum der LMU.

 

Quellen: Pressemeldung bay. Staatsministerium für Wissenschaft vom 27.01.15; SZ; Landeshauptstadt München

Bilder: Ulrich Lohrer