Logistikimmobilien: Volle Lager für die Weihnachtsmänner

Der Münchner Logistikmarkt ist von Knappheit gekennzeichnet. Dabei sorgt auch der Internethandel für steigenden Bedarf an modernen Lagerhallen. Die nächste Bereich der vom Internet erfasst wird, könnte der Handel mit Lebensmittel sein.

 

Die Bayern sind im Kaufrausch. Der Handelsverband Bayern (HBE) schätzt, dass die Händler im Freistaat im Weihnachtsgeschäft 13,4 Milliarden Euro umsetzen werden – zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

„Lohnzuwächse, die weiterhin gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und die positive  gesamtwirtschaftliche Entwicklung sorgen für große Kauflust“, sagt Ernst Läuger, Präsident des HBE. Laut einer Umfrage der Hochschule für Oekonomie & Management (FOM) für die HBE wollen die Bayern durchschnittlich 495 Euro ausgeben. Dies ist das höchste Weihnachtsbudget aller Bundesländer. Einen starken Zuwachs weist mit zwölf Prozent der Onlinehandel auf. In Bayern werden für knapp 1,7 Milliarden Euro Bücher, Kleidung, Musik und Spielzeug im Internet gekauft.

Vom Boom des Onlinehandels profitiert auch die Logistikbranche, die laut des Fraunhofer SCS im vergangenen Jahrzehnt einen Beschäftigungsanstieg von 17 Prozent bei Logistikunternehmen wie Deutsche Post DHL, DB Mobility Logistics, Dachser, Kühne + Nagel und Rhenus verzeichnete.

Die größten Lagerflächen weisen traditionell Hamburg aufgrund des Hafens und Frankfurt am Main wegen des größten Flughafens aus. „Das umgesetzte Flächenvolumen übertraf in den „Big 5“-Ballungsräumen  in den ersten drei Quartalen das Ergebnis des Vorjahreszeitraums um 15 Prozent und erreichte mit 1,58 Millionen angemieteten Flächen den zweithöchsten Wert der letzten zehn Jahre“, so Helge Scheunemann, Chef der Researchabteilung von JLL in Hamburg.

München nimmt, bezogen auf den Mietumsatz, an Lagerflächen unter den fünf größten Logistik-Ballungsräumen den letzten Platz ein (siehe Tabelle unten). Weil die Grundstücke in der Isarmetropole zu teuer sind, existieren relativ wenige Lagerflächen. Lagerhallen im Ballungsraum München sind mit Abstand die teuersten unter den größten Logistikzentren.

 Dominierte lange die Industrie das Logistikgeschäft, so spielen nun Internetversandhändler wie Amazon, Otto.de oder Zalando für die Branche eine immer größere Rolle. Die meisten Flächen mietete 2015 bis zum 3. Quartal der Handel (34 Prozent) an. So plant Amazon den Aufbau eines Schnell-Lieferservices und hat laut einem Bericht der „SZ“ über ihr Tochterunternehmen Amazon Deutschland Transport in einem Gewerbegebiet in Olching im Landkreis Fürstenfeldbruck eine 12.000 Quadratmeter große Halle gemietet. Auch in München soll für diesen Zweck bereits eine Halle angemietet sein. Marktbeobachter schätzen, dass Amazon mit seinem Schnell-Lieferservice später wie bereits in den USA seine Lebensmittel-Sparte ◊Fresh“ in Deutschland etablieren will.

Andere Unternehmen haben dafür bereits moderne Speziallager. Im November gab die Nagel-Group bekannt, in Schweitenkirchen nördlich von München vom Projektentwickler Garbe Logistic ein Lager mit 20.000 Quadratmeter Fläche errichten zu lassen. Bald werden die Weihnachtsmänner mit den Geschenken wohl auch den Weihnachtsbraten mitliefern. 

Ulrich Lohrer, 9.12.2015

Fotografie: Logistikzentrum in Poing, Ulrich Lohrer