Am Riesenfeld: BMW-Industriedenkmal im neuen Glanz

Das von Otho Orlando Kurz und Eduard Herbert entworfene Verwaltungs- und Dienstgebäude mit Eingangsportal der ehemaligen Süddeutschen Bremsen AG und späteren Bayerischen Motoren Werke gilt als eines der interessantesten Industriegebäude Münchens.

 

Ende des Zweiten Weltkrieges wechselte die Süddeutsche Bremsen AG die Architekten zum Bau ihres Firmenareals. Zusammen mit dem Bauunternehmen Leonhard Moll  gestaltete 1917 bis 1918 das Architekturbüro von von Eduard Herbert und Otho Orlando Kurz das Gebäude im neuklassizistischen Formen. Nach Zwischennutzung durch die Bayerische Motorenwerke und der Rapp Werke kehrten in den 1920er Jahren die BMW-Werke in den zwischenzeitlich überformten und vereinfachten Gebäudeteil an der Moosacher Straße und die dahinter liegenden Werkshallen zurück. Später wurde das Areal von der Knorr Bremse dominiert.

Nun hat BMW einen Teil davon zurückgekauft, um darin den Mythos der eigenen Firma zu schüren: Lanz Architekten verwandelten die geschichtsträchtige Produktionsstätte zu einem Zentrum für historische Fahrzeuge.

Anlässlich des Umbau zu Ausstellungsflächen mit Café (Mo 66) und Büros, wurden auch die Fassaden des Eingangsgebäudes in der Moosacher Straße 66 im Bezirksteil am Riesenfeld des 11. Münchner Stadtbezirk Milbertshofen – Am Hart instandgesetzt. Die ursprünglich glatt gezogenen Stuckarbeiten und der historische Fassadenputz waren mit Rauhputz überzogen und wurden nicht mehr wiederhergestellt. Jedoch ersetzte man die Einscheibenfenster durch denkmalgerechte Holisolierglasfenster, die ihr Vorbild in vereinzelt erhalten gebliebenen Original- fenstern hatten. Fehlende Fensterläden wurden rekonstruiert , das Dach neu gedeckt und die neu errichteten Dachgauben vorbildlich in der Dachhaut integriert. Die durchgeführte Befunduntersuchung an Fassaden und Fenstern zeigte einen materialsichtigen Stuck in Romankalk und weiß gekalkte Putflächen. Aufgrund der vollständig überputzten Fassaden kam ein monochromer kalkweißer Anstrich zur Ausführung, während Fenster und Fensterläden kontrastreich in kräftigem Graugrün gestrichen wurden. Der vernachlässigte Vorgarten wurde neu gestaltet und wertet die Vorgartenzone erheblich auf.

Zusammen mit der instand gesetzten Einfriedung und dem in moderner Form wiederhergestellten, ehemaligen Uhrtürmchen ist der vernachlässigte Bau zusammen mit dem offenen Campus in ein Vorzeigeobjekt umgewandelt worden, welches nun hohe gestalterische Maßstäbe für das gewerblich geprägte Gebiet an der Moosacher Straße setzt. Die Maßnahmen wurden mit dem Fassadenpreis 2017 der Landeshauptstadt München ausgezeichnet.

Quellen: Landeshauptstadt München, baunetz 16.08.2017

Foto: maurer und sigl GmbH / Landeshauptstadt München