Dänen gestalten neue Siemens-Zentrale

Die neue Konzernzentrale von Siemens in München wird nach den Plänen von Henning Larsen Architects aus Kopenhagen gestaltet. Das dänische Architekturbüro hat den Wettbewerb gewonnen, den der Siemens Konzern zu Jahresbeginn ausgeschrieben hatte. Die Bauarbeiten für die neue Zentrale werden voraussichtlich im Herbst 2012 beginnen und sollen Ende 2015 abgeschlossen sein. Der Bezug ist für 2016 geplant.

 

Mit deutlicher Mehrheit hat sich die 22-köpfige Jury des Architektenwettbewerbs für das Konzept von Henning Larsen Architects ausgesprochen, nach dem das Neubauprojekt am Wittelsbacherplatz (Bild oben: Blick vom Wittelsbacherplatz an die alte Zentrale vorbei zum Neubau)  in der Münchner Innenstadt umgesetzt werden soll. Erhalten bleibt das von dem Architekten Richard Meier entlang des Oskar-von-Miller-Ring erbaute Siemens-Forum, das den Neubau nach Orden begrenzt.

Zu dem ausgewählten Kreis der Wettbewerbsteilnehmer gehörten neben den deutschen Architekturbüro Allmann Sattler Wappner, Auer + Weber + Assozierte sowie Ingenhoven Architects und Léon Wohlhage Wernik weitere Büros aus Spanien, Österreich, Frankreich und Dänemark.

Der Jury gehörten neben Siemens-Vorstandschef Peter Löscher und den Siemens-Vorständen Brigitte Ederer und Joe Kaeser auch Oberbürgermeister Christian Ude, Stadtbaurätin Elisabeth Merk, Vertreter der Fraktionen des Stadtrats und des Bezirksausschusses sowie Experten für Architektur, Stadtplanung und Landschaftspflege an (Bild: Peter Löscher und Christian Ude).

Der Siegerentwurf von Henning Larsen Architects überzeugte mit einem durchgängigen Nachhaltigkeitsansatz, der höchste internationale Standards an Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz erfüllt. Die neue Unternehmenszentrale wird mit Siemens-eigenen Innovationen aus dem Umweltportfolio ausgestattet. Zum Einsatz kommen unter anderem energieeffiziente Gebäudetechnik und Beleuchtungssysteme sowie erneuerbare Energien wie Photovoltaik. Der Immobiliendienstleister Siemens Real Estate baut bereits heute weltweit nach höchsten Nachhaltigkeitsstandards für Siemens.

Architektonisch fügt sich die zukunftsgerichtete bauliche Gestaltung der neuen Siemens-Zentrale in gelungener Weise in die angrenzenden Gebäudeensembles ein. Als denkmalgeschütztes Prunkstück bleibt das von Leo von Klenze im 19. Jahrhundert erbaute klassizistische Palais am Wittelsbacherplatz erhalten. Das Areal der Unternehmenszentrale wird durch Fußgängerpassagen und lebendig gestaltete, begrünte Innenhöfe für die Öffentlichkeit zugänglich und verbindet den historischen Stadtkern mit dem Museumsviertel der Stadt. Kulturelle Angebote, Cafés und Bistros laden die Passanten zum Verweilen ein. In seiner Innenarchitektur setzt das Neubaukonzept ein modernes und flexibles Arbeitsumfeld für bis zu 1.200 Mitarbeiter der Konzernzentrale und des neuen Sektors Infrastructure & Cities um. Dazu gehören helle, Licht durchflutete Büros, die die Kommunikation und Teamarbeit fördern, ebenso wie großzügige Besprechungs- und Konferenzräume mit modernster technischer Ausstattung.

Mit dem Neubauprojekt setzt Siemens architektonisch wie auch im gesamten Prozess des Umbaus die Offenheit und Transparenz um, die in der Firmenkultur des Unternehmens fest verankert sind: So arbeitet Siemens seit den ersten Planungen zur Neugestaltung seiner Zentrale eng mit der Landeshauptstadt München zusammen. Die Mitarbeiter, die Anrainer im unmittelbaren nachbarschaftlichen Umfeld der Siemens-Zentrale und die Öffentlichkeit werden fortlaufend über die Projektfortschritte informiert. Siemens wird zudem alle zwölf Konzepte des Architektenwettbewerbs in einer öffentlichen Ausstellung präsentieren, die vom 28. Juli bis 30. September 2011 im Siemens Forum, Oskar-von-Miller-Ring, in München stattfinden wird.

Begründung der Jury des Architektenwettbewerbs: 

Dem Siegerentwurf gelingt es mit einer selbstbewussten und zugleich sensiblen Herangehensweise eine neue städtebauliche Qualität in die bestehende Stadt einzubringen. Durch die großzügige Öffnung zum Oskar-von-Miller-Ring entsteht eine neue selbstbewusste Adresse für die Siemens-Konzernzentrale. Der begrünte Vorplatz gewinnt plötzlich eine neue Bedeutung am Übergang von der Altstadt zum Kunstareal und eröffnet dadurch eine Chance für die Innenstadtentwicklung. Der Wittelsbacherplatz wird als Ensemble respektiert; durch die Freistellung des Ludwig-Ferdinand-Palais ergibt sich eine großzügige Eingangssituation. 

Im Inneren entsteht ein durchgehendes Raumerlebnis in der Abfolge von unterschiedlichen Höfen, die jeweils eigene stadträumliche Identitäten durch Nutzungsvielfalt und gestalterische Themen bilden. Der Hof hinter dem Palais ist überdacht und erfährt als repräsentativer Hof für Siemens besondere gestalterische Aufmerksamkeit. Die Erschließung der Konzernzentrale erfolgt über einen klaren Hauptzugang in der Mitte des Areals. Durch die differenzierte architektonische Sprache bindet sich der Baukörper nach außen gut in die bestehende Stadt ein. Naturstein, Glas sowie die Gliederung der Fassaden treten in Bezug zum jeweiligen Gegenüber.

Nach innen entfaltet die Architektur eine moderne, klare ästhetische Sprache, die sich durch eine starke dynamische, horizontale Gliederung auszeichnet. Die vorgeschlagenen Büroflächen sind flexibel und ermöglichen so vielfältige moderne Arbeitswelten mit interessanten Bezügen nach innen und außen. Die nachhaltige Konzeption von Konstruktionsweise, Fassaden und energetischen Bausteinen wird durch eine eigenständige Architektursprache ausgedrückt. 

Für die weitere Bearbeitung wird empfohlen, das vorgeschlagene Fassadenkonzept zu vertiefen und die Höhe der Durchwegung in der Passage zu überprüfen. Der Entwurf bietet durch seine sehr städtische und urbane Anordnung der Baukörper Chancen, die verfügbaren Büroflächen im Rahmen der weiteren Bearbeitung nach oben zu optimieren. Insgesamt bietet der Entwurf eine starke eigene Identität für die neue Siemens-Konzernzentrale mitten in der Altstadt von München. Hier wird der überzeugende Beweis geführt, dass innovative nachhaltige Bauweise in den Dialog mit den Qualitäten der Stadt treten kann.

 

Siemens 30.06.2011