Onlinehandel - Verlierer und Gewinner in 1A-Lagen

In einer aktuellen Analyse berichtet Savills, ein Immobiliendienstleistungs-Unternehmen, wie sich E-Commerce auf den deutschen Einzelhandel auswirkt. Von den Branchen, deren Präsenz in den deutschen 1A-Einzelhandelslagen am deutlichsten zurückging, waren Elektrofachgeschäfte und Buchhandlungen am stärksten betroffen. Am widerstandsfähigsten erwiesen sich Modeunternehmen.

 

Um die Auswirkungen des wachsenden Trends hin zum E-Commerce darzustellen untersuchte Savills die Nutzerstruktur der 19 wichtigsten innerstädtischen Einkaufsstraßen in den sechs größten deutschen Immobilienmärkten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln sowie München und wertete für die Analyse die wichtigsten Veränderungen über den Zeitraum der letzten fünf Jahre aus.

Die Modebranche erwies sich laut Savills mit mehr Geschäftseröffnungen als Ladenschließungen als das stabilste Segment im betrachteten Zeitraum (siehe Grafik links). Ein Viertel aller Neueröffnungen entfiel auf Luxusmarken, bei nahezu der Hälfte handelte es sich um Filialkonzepte während ein Drittel unabhängige Handelsunternehmen waren. Auch die Branchen Einrichtung, Mobilfunk, Kosmetik sowie Lederwaren zählen zu den Segmenten, die sich gegenüber der Konjunkturabschwächung und der zunehmenden Konkurrenz durch den Onlinehandel, der in diesen Segmenten seit 2006 jährlich um durchschnittlich 10 Prozent wächst, widerstandsfähig zeigten.

Savills Research zeigt auf, dass von den Branchen, deren Präsenz in den deutschen 1A-Einzelhandelslagen am deutlichsten zurückging, Elektrofachgeschäfte und Buchhandlungen am stärksten betroffen waren (siehe Grafik unten). So gibt es in den Haupteinkaufsstraßen der untersuchten Städte insgesamt nur noch zwei unabhängige Buchhandlungen, während der Onlinehandel mit e-Books im Zeitraum 2007 bis 2011 um 38 Prozent zunahm. Auch im Elektrosektor verlagerten sich die Umsätze auf den Onlinehandel, der hier um 114 Prozent zulegte. Zudem gab es dem Bericht zufolge in diesem Sektor auch eine Tendenz in Richtung größerer Stores in Außenbezirken, so dass vermehrt Shops in innerstädtischen Fußgängerzonen aufgegeben wurden. „Unsere Analyse zeigt auf, dass einige Segmente des deutschen Einzelhandelsmarktes wie Buchhandlungen und Elektronikgeschäfte von der Zunahme des E-Commerce stark tangiert sind", so Julia Maurer, Analyst European Research bei Savills. "Andere hingegen erweisen sich als sehr widerstandsfähig, da bei ihnen auch praktische Gesichtspunkte zum Tragen kommen, wie dass der Kunde das Produkt vor dem Kauf anprobieren möchte und sich das Einkaufs- mit dem Freizeiterlebnis vermischt.“

„Mit Blick in die Zukunft können wir sagen, dass der Onlinehandel weiter wachsen wird, Einzelhandelsunternehmen aber nach wie vor daran interessiert sind, ihr Business von innerstädtischen Ladenlokalen aus zu betreiben, um damit den Wiedererkennungswert ihrer Marke zu pflegen und den Kundenwunsch nach einem In-Store Shoppingerlebnis zu bedienen. Daher wird es zu einem kontinuierlichen Anstieg der Mieten in Spitzenlagen kommen. Tatsächlich stiegen die Spitzenmieten in Deutschland trotz der Konjunkturabschwächung und der Konkurrenz durch den Onlinehandel in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich 13,4 Prozent.“

Savills prognostiziert, dass die Zunahme des Onlineshoppings in Deutschland bedeuten wird, dass Einzelhandelsunternehmen zukünftig weniger Ladenlokale benötigen, um den gesamten Markt abzudecken und in der Folge versuchen werden, die Anzahl ihrer Geschäfte zu reduzieren. Dies wird zu einer zunehmenden Polarisierung zwischen stärkeren und schwächeren Einzelhandelslagen führen. Die Nachfrage von Einzelhandelsunternehmen nach 1A-Lagen dürfte stabil bleiben, wodurch das Mietniveau in diesen Lagen kontinuierlich steigen könnte.

 

Savills 28.11.12