Lehel: Patrizia verkauft Ensemble auf der Praterinsel

Die Praterinsel zwischen Isar und Isarkanal wechselt den Eigentümer. Der Bauunternehmer Urs Brunner soll privat den Gebäudekomplex, bestehend aus fünf Gebäuden mit insgesamt knapp 10.100 Quadratmeter Mietfläche, von der Patrizia Immobilien AG, erworben haben.

 

Bei dem neuen Eigentümer soll es sich laut Angaben der "SZ" vom 14. Dezember 2015 um den Münchner Bauunternehmer Urs Brunner handeln,  der Kaufpreis soll bei 50 Millionen Euro liegen. Die Insel im Stadtbezirk Lehel des 1. Münchner Stadtbezirks befindet sich unweit der Münchner Luxusmeile Maximilianstraße.

Die Insel diente bis Anfang des 19. Jahrhunderts den Franziskanermönchen als Erholungs- und Nutzgarten. Erstmals 1810 wurde sie mit einem Gasthaus des Wirts Anto Gruber bebaut. Er errichtete einen kleinen Vergnügungspark mit Karussell und nannte es in Anlehnung an den Wiener Prater „Die Praterwirtschaft.

Später erwarb der Spirituosenfabrikant und Politiker Anton Riemerschmid das Grundstück und errichtete dort zwischen 1868 und 1870 nach einem Entwurf von Reinhold Hirschberg Fabrik-, Lager- und verwaltungsgebäude (Praterinsel 3/4) für seine „Königlich Bayerische privilegierte Weingeist-, Spiritus-, Likör- und Essigfabrik“. Das heutige Atelierhaus im Osten der Insel war damals als Heizgebäude errichtet worden. 1887/1888 entstand zudem für die "Deutsch-Nationale Kunstgewerbeausstellung 1888" auf der Feuerwerksinsel ein Weinrestaurant und Wiener Cafe nach einem Entwurf des Bauamtmann Friedrich Löwel, das seit 1908 vom Deutschen Alpenverein genutzt wird.

Anton Riemerschmids Enkel, Robert Riemerschmid, der das Geschäft weiterführte, veranstaltete neben dem Fabrikgebäude in den 1920er Jahren Symposien und Vorträge mit international bekannten Wissenschaftlern, Künstlern und Literaten. Auch ließ er das ehemalige Wirtshauses um eine Etage aufstocken. 1922 wurde von dem bekannten Architekten Richard Riemerschmid – wie Robert ebenfalls ein Enkel Anton Riemerschmid – einen weiteren Verbindungsbau zwischen Nord- und Westflügel errichtet.

Die Schnapsfabrik verlegte ihren Produktionsstandort 1984 vor die Tore von München nach Erding, die Fabrik auf der Praterinsel wurde stillgelegt. 1988 erwarb ein Investor das Gelände und ließ Fabrik- und Lagerhallen zu Künstlerateliers, Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen („Aktionsforum Praterinsel“, eine Kulturinstitution in Privatbesitz) ausbauen.

Die Patrizia hatte das Areal im Jahr 2007 von dem Vorbesitzer Dieter Bock für ein Co-Investment gekauft und die Gewerbe- und Büroflächen an namhafte Mieter weitervermietet. „Durch die langfristige Vermietung an bonitätsstarke Mieter sowie einer Ausweitung der Nutzungsmöglichkeiten konnte in den vergangenen Jahren eine deutliche Wertsteigerung der Gewerbeimmobilie erzielt werden“, heißt es in der Pressemeldung der Patrizia AG.

 

Die Gebäude werden vorwiegend als hochwertige Büro- und Veranstaltungsflächen sowie als Künstlerateliers genutzt. Im Südbau befindet sich das Abgeordnetenhaus des Bayerischen Landtags. Unter anderem befinden sich unter den Mietern zudem eine Eventagentur und der Deutsche Alpenverein (Museum, siehe Bild links).

Gemäß dem Flächennutzungsplan ist für die knapp 6.100 Quadratmeter große Insel eine überwiegend kulturelle Nutzung in dem weitestgehend denkmalgeschützten Gebäudeensemble vorgesehen. Jedes Jahr finden dort unzählige Empfänge, Messen, Flöhmärkte und Festivals statt. Seit 2013 ist ein Bereich der Insel als Praterstrand als sommerlicher Erholungsbereich zugänglich.

 

Colliers International war auf der Verkäuferseite beratend und vermittelnd tätigt.

Quellen: Pressemeldungen der Patrizia AG und Colliers International München vom 8. Dezember 2015, Süddeutsche Zeitung vom 14.12.2015

Fotografien: Ulrich Lohrer