München: 1,9 Millionen Privatübernachtungen über Online-Portale

Nach einer Untersuchung der GBI AG sollen 2015 mehr als 14,5 Millionen Übernachtungen in Deutschland über Online-Portale wie Airbnb, Wimdu oder 9flats an Private vermittelt worden sein. Die GBI entwickelt Hotels, die im Wettbewerb zu den  Privatunterkünften stehen.

 

Die GBI AG mit Sitz in Berlin, diebislang  acht Hotels, Serviced Apartments und Studentenwohnheime mit 9.426 Zimmern und Apartments, sowie 246 Wohneinheiten entwickelt hat, veröffentlichte die Ergebnisse einer Untersuchung über die Bedeutung von Übernachtungen, die über Online-Portale an Privatunterkünfte, vermittelt wurde. Danach seien alle 179 Städte mit mindestens 50.000 Einwohnern untersucht worden. Die Übernachtungen in Privatunterkünften werden in der Meldung als „Graumarkt-Zuschlag“ bezeichnet, die Vermittlung an Privatunterkünfte würde die angespannte Lage am Wohnungsmarkt „verschärfen“. Offensichtlich ist es nicht im Interesse des Initiators der Studie, dass zunehmend Menschen in Privatunterkünften übernachten, da diese in der Regel günstige Wettbewerber zu den Budget-Hotels sind. Da es in einigen Großstädten und Kommunen wie Berlin oder München sogenannte Zweckentfremdungsverbote gibt, die die Nutzung von Wohnungen durch Touristen behindern, ist die Zielsetzung wohl, unangenehme Konkurrenz über staatliche Regulierungen auszuschalten.

Dennoch spricht sich Stefan Brauckmann, Leiter der Abteilung Research & Analyse des Immobilienentwicklers GBI AG, gegen eine restriktive Zweckentfremdungspolitik, wie sie von Berlin betrieben wird, aus. Wahrscheinlich besteht die Einsicht, dass sich gegen die Interessen einer Mehrheit in einem stark wachsenden Internetmarkt ohnehin nichts mit sozialistischen Regulierungen ausrichten lässt. Zudem würde ein Großteil der Menschen, die in Privatunterkünften übernachtet, bei einem Wegfall dieser Option auch nicht in Hotels übernachten, sondern schlicht auf solche Städtereisen verzichten. Die GBI spricht sich wohl deshalb in der Meldung für den Ausbau von Hotels mit günstigen Übernachtungsmöglichkeiten für Familien und nicht für ein Verbot der Online-Vermittlungs-Übernachtungen aus.

 

„Mehr als 14,5 Millionen Übernachtungen in Privatunterkünften werden in Deutschland jährlich über Online-Portale wie zum Beispiel Airbnb, Wimdu oder 9flats vermittelt und daher von der amtlichen Statstik nicht erfasst. „Der Tourismusrekord liegt also noch deutlich höher als die für 2015 offiziell gezählten 436 Millionen kommerziellen Übernachtungen, nämlich bei mehr als 450 Millionen“, erläutert Dr. Stefan Brauckmann, Leiter der Abteilung Research & Analyse des Immobilienentwicklers GBI AG. Der Wissenschaftler und sein Team haben 179 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern untersucht. Ergebnis: Bezogen auf die dort offiziell rund 157 Millionen Übernachtungen ergibt sich über Privatunterkünfte ein Zuschlag von 9,3 Prozent. „Somit übernachtet faktisch etwa jeder elfte Städtereisende bei Airbnb & Co.“, so Dr. Brauckmann: „Das Phänomen konzentriert sich besonders auf die Metropolen. Mehr als zehn Millionen Graumarkt-Übernachtungen finden in den Millionenstädten Berlin, München, Hamburg und Köln statt.“ Die restlichen rund vier Millionen Übernachtungen in Privatquartieren verteilen sich auf die übrigen 175 Städte.

In den Millionen-Metropolen ist im Deutschland-Vergleich nicht nur die absolute Zahl der Übernachtungen in Privatquartieren Spitze, sondern auch der pozentuale Zuschlag im Vergleich zu den bereits in der amtlichen Statistik erfassten Gästezahlen. Dr. Brauckmann: „In Berlin kommt zu 30,25 Millionen offiziell gezählten Übernachtungen ein Graumarkt-Plus von 6,1 Millionen oder 20,2 Prozent hinzu, der höchste Wert in allen Städten.“ Hamburg weist hier ein Plus von 15,7 Prozent, München 13,6 Prozent und Köln 10,8 Prozent aus. In die Riege der Millionenstädte schiebt sich Leipzig, auf den zweiten Ranking-Platz mit 17,9 Prozent. „Leipzig wird zum einen als Reiseziel immer beliebter. Zum anderen hat sich hier eine besonders starke Privatquartier-Szene entwickelt, viel stärker etwa als in deutlich größeren Städten wie Frankfurt/Main oder Stuttgart“, so Dr. Brauckmann.

46.400 Unterkünfte durch Airbnb & Co. dem Wohnungsmarkt entzogen

Die zusätzlich ermittelten mehr als Millionen Übernachtungen verteilen sich bundesweit auf mehr als 46.400 angebotene Privatunterkünfte. „Diese Zahlen sind bemerkenswert, zumal wir nur komplette Unterkünfte ermittelt haben, die dauerhaft zur Vermietung angeboten wurden. Werden über Airbnb & Co. lediglich Schlafstellen ohne eigenes Bad und WC angeboten, haben wir diese nicht erfasst“, erläutert Dr. Brauckmann. In Berlin etwa würden ansonsten zu 14.400 kompletten Dauer-Unterkünften weitere rund 9.600 Angebote hinzukommen. Ziel der GBI-Studie ist aber vielmehr, Unterkünfte zu ermitteln, die eine quasi-gewerbsmäßige Konkurrenz zu Hotels und Pensionen darstellen und zudem einen anhaltenden Effekt auf den regulären Wohnungsmarkt haben. Dort sinkt durch die Vermietung an Städtereisende nämlich das Angebot kleiner Apartments. So gibt es beispielsweise in Berlin ohnehin nur 75.000 Ein-Zimmer-Wohnungen, rechnerisch lediglich für jeden zwölften Ein-Personen-Haushalt. In anderen Großstädten ist das Verhältnis ähnlich ungünstig. Dr. Brauckmann: „Wenn dann mehrere tausend solcher Unterkünfte überwiegend in Innenstadt-Lagen dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt entzogen werden, verstärkt das den Engpass extrem.“

Rechtliches Verbot nicht sinnvoll

Einem rechtlichen Verbot der Privatvermietungen steht Dr. Brauckmann jedoch skeptisch gegenüber, nicht nur in Berlin. Dort hat der Staatssekretär für Bauen und Wohnen Engelbert Lütke Daldrup angekündigt, ab Mai mit verschärfter Überwachung auf die Einhaltung des Zweckentfremdungsverbots zu pochen. Wer dann keine Genehmigung des Bezirks vorweist, riskiert als Privatvermieter Bußgelder, das Gesetz sieht Strafen von bis zu 100.000 Euro vor. Portale müssen laut einer neuen Regelung den Bezirksämtern Auskunft über Anbieter von Wohnungen für Touristen geben. „Doch das Vorgehen löst kaum das grundlegende Problem“, betont Dr. Brauckmann: „Viel effektiver wäre es, dem wachsenden Personenkreis, der länger als ein paar Tage in Berlin und anderen gefragten Städten bleiben möchte, preisgünstige Alternativen zum herkömmlichen Beherbergungs- und Wohnungsmarkt anzubieten.“

Gruppenunterkünfte werden nach Auffassung Dr. Brauckmanns künftig extrem wichtig, denn vor allem Familien und Kleingruppen nutzen Vermittlungsportale: „Die in Deutschland bisher wenig verbreiteten Hostels könnten eine günstige und effektive Alternative darstellen.“ Das gleiche gilt für Serviced Apartments. Diese werden neben Touristen und Wochenendpendlern auch von Dienstreisenden genutzt, die einige Wochen oder Monate in der Stadt bleiben. Mit solchen Angeboten seien in Berlin bei Aufenthalten von mindestens einer Woche Übernachtungspreise von 35 bis 40 Euro pro Tag möglich, noch mal deutlich unter Preisen für Budgethotels. Dr. Brauckmann: „Gibt es ausreichend solcher Angebote für Städtereisende, werden Privatvermietungen bei AirBnB & Co. abnehmen – und nicht durch Verbote, die ohnehin in der Praxis kaum durchsetzbar sind.“

Dass das Airbnb & Co.-Phänomen in Metropolen ausgeprägt ist, dafür sorgt der Boom des Städtetourismus. In den vergangenen 20 Jahren erhöhten sich die Übernachtungszahlen bundesweit um 54 Prozent. In Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern lag die Steigerungsrate sogar mehr als drei Mal höher, bei 180 Prozent. Der Marktanteil des Großstädte-Tourismus stieg dadurch von 11,4 Prozent in 1996 auf 20,8 Prozent in 2015.“

Quelle: Pressemeldung GBI AG vom 18.04.2016