Nicht (nur) auf Sand gebaut

2010 ging die Projektentwicklung von Büros weiter zurück, während die Wohnprojekte vorherrschten. München ist die Großstadt mit dem größten Entwicklungsvolumen. Eine Studie verrät, wer in Deutschland die größten Projekte entwickelt – darunter auch in München bekannte Unternehmen. 

 

 

Der Bau von Sandburgen oder von Modellbaustädten um Spielzeugeisenbahnen fasziniert Eltern oft noch mehr als ihre Kinder. Auch im Erwachsenenleben bleibt die Gestaltung ganzer Stadtquartiere nur Projektentwicklern vorbehalten. Eine Studie des Analysehaus BulwienGesa hat nun die deutschlandweiten Ergebnisse zum Stichtag Ende 2010 ausgewertet.

Zum fünften Mal hat BulwienGesa den Markt für Projektentwicklungen in deutschen A-Städten, somit Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart untersucht. Berücksichtigt wurde nach Stand Ende 2010, welches Projektvolumen, gemessen in Quadratmetern, bereits fertiggestellt war, im Bau befindlich oder konkret geplant ist (bis 2015). Der Fokus liegt dabei auf den Nutzungsarten Büro, Einzelhandel, Wohnen und Hotel.

Zum bundesweiten Ergebnis: Während die Entwicklung von Büroflächen 2010 um 13,4 Prozent und die der Einzelhandelsflächen um 8,8 Prozent zurückgingen, boomte der Wohnbereich. Gegenüber 2009 berechneten die Analysten einen Zuwachs von 21,8 Prozent.

Weitere Zuwächse gab es nur im Hotelsegment (+2,3 Prozent), welches erstmalig über dem Flächenvolumen des Einzelhandels liegt. Gleichzeitig wurden in den Großstädten weniger Shoppingcenter und Fachmärkte errichtet.

„Die Projektentwickler sind einigermaßen unbehelligt geblieben von der Krise“, erklärt BulwienGesa-Vorstand Andreas Schulten die stabile Entwicklung bei den Neubauten in den sieben größten Städten der Bundesrepublik. Das Volumen der geplanten, im Bau und der Vermarktung befindlichen Neubauten in den Metropolen sei gleich geblieben.

In den genannten deutschen A-Städten werden in den Jahren 2008 bis 2015 Wohn- und Gewerbebauten mit einer Gesamtfläche von 22,1 Millionen Quadratmetern geplant, errichtet und fertiggestellt. Insgesamt hatten die Analysten 2569 Projekte mit einer Nutzfläche ab 1000 Quadratmetern erfasst, 13,5 Prozent mehr als Ende 2009. Bei der Fläche gab es einen Zuwachs von 2,8 Prozent.

 

München ist spitze

Unter den sieben untersuchten Großstädten weist München das größte Projektvolumen auf (siehe Grafik). Von dem erfassten 76 Milliarden Euro Projektvolumen entfallen auf die bayerische Landeshauptstadt 17,2 Milliarden Euro und damit knapp zwei Milliarden mehr als noch im Vorjahr. Vom Umfang des Projektvolumens folgen Hamburg, die Bundeshauptstadt sowie Frankfurt. Berlin verzeichnete als einzige der untersuchten Großstädte einen spürbaren Rückgang, und zwar aufgrund des gewerblichen Flächenvolumens. Deutlich weniger als in München, Hamburg, Berlin und Frankfurt wird dagegen in Köln, Düsseldorf und Stuttgart entwickelt.

In München wurden im Vergleich zum Bundesdurchschnitt absolut gesehen noch viele Büroprojekte entwickelt. Bezogen auf die neuen Vorhaben liegt in der Landeshauptstadt an der Isar jedoch wie in keiner anderen Großstadt der Schwerpunkt der Projektentwicklungen überwiegend auf Wohnbauten.

Der Trend hin zum Wohnungsbau ist auch durch die zeitweilige Sättigung des Büromarktes und den noch relativ hohen Leerstandsraten zu erklären. Eine Bauflaute wird es in den Metropolen jedoch auch bundesweit nicht geben.

Bei den Unternehmen nach Projektentwicklungsvolumen in Quadratmeter ergab sich auf den vorderen Positionen keine große Veränderung. Bundesweit waren Vivico und Hochtief die wichtigsten Akteure. Es folgten Frankonia Eurobau, Bouwfonds, der IVG-Konzern, Strabag und die Bayerische Hausbau. Gegenüber der letzten Erhebung haben die Tabellenführer Vivico und Hochtief lediglich die Plätze getauscht (siehe Tabelle links). Vivico nimmt mit einem Entwicklungsvolumen von 734.000 Quadratmetern Platz 1 ein. Grund dafür ist das extrem große Planungsvolumen von 465.000 Quadratmetern, oft an den ehemaligen Bahngleisanlagen. Im Gegensatz zu Städten wie Augsburg ist die Entwicklung in München für Vivico mit den „Zentralen Bahnanlagen“ jedoch weitgehend abgeschlossen.

Auch das Flächenvolumen von 634.000 Quadratmetern des zweitplazierten Hochtief ist eindrucksvoll. Das Unternehmen hat sich an den Markt angepasst und den Anteil an den Wohnungsprojekten erhöht.

Die im hochpreisigen Wohnungssegment tätige Frankonia Eurobau, die bundesweit Platz 3 belegt, ist in München nach Fertigstellung der Lenbach Gärten vor vier Jahren aktuell mit der Entwicklung des „Montgelas Parks“ in Bogenhausen vertreten.

Grundsätzlich sind regional ausgerichtete Unternehmen mit einem Anteil von 47,2 Prozent aber nach wie vor die aktivste Gruppe. Das hohe Wachstum von 6,5 Prozent in dieser Klasse ist auf die stetige Zunahme von Wohnprojektentwicklungen zurückzuführen. Insbesondere kleine bis mittlere Projekte im Wohnbereich werden von ausschließlich lokal ausgerichteten Akteuren dominiert.

 

Baywobau ist top in München

An der Isarmetropole heimische Projektentwickler weisen auch im bundesweiten Maßstab eindrucksvolle Volumina auf. Insgesamt werden 3,9 Millionen Quadratmeter an Fläche entwickelt. Die Bayerische Hausbau nimmt mit einem deutschlandweiten Volumen von 269.000 Quadratmetern bundesweit Platz 7 ein. Obwohl das zur Schörghuber-Gruppe gehörende Unternehmen mit zahlreichen Bauprojekten wie dem Joseph-Pschorr-Haus in der Altstadt, den Welfenhöfen in Haidhausen und der Planung zu dem Wohnareal an der Hochäckerstraße große Projekte realisiert, ist sie gemessen am Flächenvolumen in München nicht auf Platz 1.

Diesen Rang belegt die Baywobau mit 192.000 Quadratmetern. Zu den großen Projekten des traditionellen Münchner Unternehmens gehören die Wohnanlagen am Hirschpark (siehe Seite 3-4), der Südseite in Obersendling sowie die Entwicklung auf dem ehemaligen Rodenstock-Gelände an der Isar. Da kann auch die größte Sandburg nicht mithalten.

Die Studie kann bei BulwienGesa je nach Version für 850 oder 1950 Euro plus Mehrwertsteuer bestellt werden.