Residenz: Steuergelder verschwendet durch Weinlounge

Lieb und im wahrsten Sinne des Wortes teuer ist der Bayerischen Staatsregierung offenbar der Frankenwein. Rund 850.000 Euro sind für die Errichtung einer fränkischen Weinlounge in der Münchner Residenz veranschlagt.

 

Die Bayerische Staatsregierung will bis Ende 2016 in einem Flügel der Münchner Residenz rund 90 Quadratmeter umfassende Räumlichkeiten, in denen bisher der „Residenzladen“, ein Souvenirgeschäft, untergebracht war, zu einer „Fränkischen Weinprobierstube“ umgestalten. Nun hat es die Weinlounge der Münchner-Residenz zu einer unrühmlichen Eintrag im aktuellen Schwarzbuch 2015 „Die öffentliche Verschwendung“ des Bund der Steuerzahler gefunden. Dort werden über 130 Beispiele öffentlicher Steuergeldverschwendung in den vergangenen zwölf Monaten in Deutschland aufgeführt.

Im Zuge der Umnutzung wird auch die Haustechnik erneuert. 2013 ist man für dieses Vorhaben noch von Kosten in Höhe von rund 400.000 Euro ausgegangen. Im Doppelhaushalt 2015/2016 des Freistaats Bayern sind für die Umbaumaßnahmen schon 850.000 Euro veranschlagt. Die Kostensteigerung auf nunmehr etwa eine Million Euro liegt nach Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat darin begründet, dass „die erste Kostenschätzung auf der Grundlage von Vergleichsprojekten erfolgte, während nunmehr eine detaillierte Kostenermittlung erarbeitet wurde“. Über die umzugestaltenden Räumlichkeiten ist bereits ein Pachtvertrag mit dem fränkischen Weinbauverband abgeschlossen worden, der dem Vernehmen nach zu gegebener Zeit einen Unterpächter einsetzen will.
Abzuwarten bleibt, ob sich die kleine, aber teure fränkische Weinlounge gegenüber der benachbarten „Pfälzer Weinstube“, die auf einer Fläche von rund 1500 Quadratmeter betrieben wird, auch tatsächlich behaupten kann. Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat ist zwar der Auffassung, dass mit der Fränkischen Weinlounge ein zeitgemäßer Treffpunkt in München etabliert werden soll: „Es soll das Bild des modernen Frankenweins mit hoher Weinqualität, Winzerpersönlichkeiten, Weintourismus etc. in einem zeitgemäßen Auftritt kommuniziert werden.

Damit ist eine klare konzeptionelle Abgrenzung zur Pfälzer Weinstube gegeben. Die Größe der geplanten Weinlounge entspricht dieser Zielsetzung. Mit völlig unterschiedlichen gastronomischen Konzeptionen werden unterschiedliche Zielgruppen angesprochen. Die Bayerische Staatsregierung ist davon überzeugt, dass die Fränkische Weinlounge als dauerhafte Repräsentanz in München dazu beitragen wird, die Rolle des Frankenweins als Leitprodukt der bayerischen Agrarerzeugung herauszustreichen und auch der Notwendigkeit gerecht wird, überregionale Absatzmärkte für die Existenzsicherung der rund 4.500 bayerischen Winzer zu generieren.“
Trotz allem muss aus Sicht der Steuerzahler die Frage erlaubt sein: Ist ein kleiner, aber feiner „vinophiler Frankenwein-Treffpunkt“ den bayerischen Steuerzahlern so viel Geld wert?

Quelle: Pressemeldung des Bund der Steuerzahler vom 30.09.2015

Bilder: Residenz, Bund der Steuerzahler, Ulrich Lohrer