Schönfeldvorstadt: Vom Görres-Haus zur Klinik Josephinum

Hinter der jugendstilig-barocken Putzfassade in der Schönfeldstraße 16 befindet sich das Josephinum, eine moderne Privatklinik mit 92 Betten, das rund 4400 Patienten pro Jahr in acht Fachabteilungen versorgt. Es kann mit einer interessanten Historie aufwarten.

 

1893 gründete der Chirurg Doktor Guido Jochner seine „Heilanstalt“ Josephinum in der Arcisstraße 41 in München. Der Erfolg stellte sich schnell ein. Bereits zehn jahre später zog die Klinik in einen wesentlich größeren Neubau in die Schönfeldstraße 16 der Schönfeldvorstadt im heutigen Stadtbezirk Maxvorstadt.

Wohnhaus des Publizisten Joseph Görres

Erst ein Jahr zuvor (1902) wurde das zuvor an der Stelle befindliche Anwesen abgebrochen: Dort befand sich das Wohn- und Sterbehaus des Gründers des Rheinischen Merkurs, des Publizisten Johann Joseph Görres, (1776 – 1848), der sich vom Anhänger der französischen Revolution zum entschiedenen Gegner Napoleons  – der ihn als „fünfte feindliche Großmacht“ bezeichnete, wandelte. 1827 wurde Görres durch König Ludwig I an die Universität München berufen, das er zum geistigen Zentrum des politischen Katholizismus ausbaute.

Privatklinik Josephinum hinter Putzfassade

Auf dem ehemaligen Anwesen von Görres ließ Jochner nach einem Entwurf des Bauunternehmens Heilmann und Littmann einen viergeschossigen Klinikbau errichten. Das Erdgeschoss enthielt ein Ambulatorium, Sprechzimmer, Wartezimmer, Küche, in den obergeschossen lagen die Krankenzimmer. Im obersten Geschoss befanden sich die Operationszimmer sowie eine Kappelle. Die Fassade an der Schönfeldstraße fällt durch seine reich gestaltete Putzfassade – besonders an der Stelle der Kapelle mit dem allegorischen Relief „Caritas“ – auf.

1924 wurde das Josephinum nach Osten um das Nachbarhaus 28 erweitert. 1929 bestimmten Guido Jochner und seine Frau Olga, geborene Gräfin von Tattenbach, in ihrem Testament die Umwandlung der Privatklinik Josephinum in die Form der „Guido und Olga Jochner’schen Stiftung“. Nach dem Tod von Guido Jochner im Jahr 1932 konnte daher die Klinik als Stiftung weitergeführt werden und wurde 1934 durch den Erwerb der Gebäude in der Schönfeldstraße 18 und 20 erweitert. Im Februar 1945 wurde das Josephinum teilweise durch Brandbomben zerstört doch im gleichen Jahr wiederaufgebaut. Ende der 1960er-Jahre erfolgten Um- und Erweiterungsbauten durch den Architekten Jac Lehner und der Firma Späth-Bau.

Seit 1976 ist die Klinik  im Bayerischen Krankenhausbedarfsplan verankert, die Voraussetzung für eine staatliche Förderung. 2012 wurde die Klinik in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft umgewandelt.

 

 

 

Quellen: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München Mitte, Band 3, Seite 1014 - 1015

http://www.josephinum.de/klinik/historie/