Altstadt: Hammer AG verkauft Schrannenhalle

Die traditionsreiche Schrannenhalle, Viktualienmarkt 15, von Hacker-Pschorr Bräu und Eataly gastronomisch genutzt wird, wurde im Zuge eines strukturierten. Bieterverfahrens in Form eines Share Deals verkauft. Käufer und Kaufpreis wurden nicht genannt.

 

Die in den Jahren 1851-1853 errichtete, zentral und traditionsreich gelegene, im Jahr 2003 wiederaufgebaute und 2005 eröffnete Schrannenhalle wurde von Hammer 2009 aus der Insolvenz erworben. Nach Umbau und Sanierung wurde sie 2011 als „Markthalle für München“ mit Lebensmitteleinzelhandel und Gastronomie wiedereröffnet.

Michael Schmenger, Geschäftsführer Immobilienmanagement: „Nach drei Jahren Betrieb der Schrannenhalle, haben wir gesehen, dass die kleinteilige Vermietung mit diversen Nutzern dem Markt nicht entsprochen hat. Deswegen haben wir die Schrannenhalle einem langfristigen Turnaround-Prozess sowie umfangreichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen unterzogen. Durch die Re-Positionierung konnte sie im November 2015 erfolgreich wiedereröffnet werden.“

„Neben den Nutzern Bavaria Parkgaragen und Hacker-Pschorr Bräu GmbH haben wir mit dem weltweit agierenden Konzern Eataly für seinen ersten Standort in Deutschland einen Großmieter gefunden, der ein eindeutiges Konzept mit starkem Branding und großer Sogwirkung hat“, erläutert Schmenger. „Dieses Konzept entspricht dem heutigen Konsumentenverhalten und Bedürfnissen des Marktes. Durch unser aktives und nachhaltiges Management haben wir so die Immobilie am Markt neu platziert und als Core-Produkt investmentfähig gemacht.“

Die Transaktion wurde durch JLL, GSK Stockmann und PREUSS auf Verkäuferseite begleitet.

Quelle: Hammer AG, Pressemeldung vom 26.09.2017

Alte Schranne im neuen Kleid

Dank unternehmerischem Mut bekommt Münchens Markthalle eine zweite Chance. Im Oktober öffnete die ehemalige Getreidemarkthalle erneut ihre Tore. Der Angebotsschwerpunkt der Marktstände liegt bei Lebensmitteln in guter Qualität zu akzeptablen Preisen.  

Am 13. Oktober öffnete die neugestaltete Schrannenhalle am Münchner Viktualienmarkt ihre Toren. Nach Besitzerwechsel, halbjährigen Umbauarbeiten und einer Neukonzeption erwartete die Besucher ein breites, aber gehobenes Angebot an Lebensmitteln in der neuen Markthalle. Über einen mangelnden Andrang konnten sich Betreiber und Standmieter nicht beklagen.  

Die „Schranne“ kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Von 1851 bis 1853 wurde die  „Maximilians-Getreide-Halle“ nach den Plänen von Friedrich von Gärtner durch die Architekten Karl Muffat und Arnold von Zenetti errichtet. Sie konstruierten damit erstmals in München einen Bau aus Glas und Eisen - eine technische Neuheit. Der heutige Name rührt von der Bezeichnung „Schranne“, wie in dieser Zeit der Getreidemarkt genannt wurde.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging der Getreidehandel in der Schrannenhalle allerdings immer mehr zurück. Schon seit der Eröffnung wurde die weite Entfernung der Halle zum Bahnhof kritisiert - der größte Teil des Getreides wurde damals mit der Bahn transportiert. Schon 1873 war die Blütezeit der Schrannenhalle vorbei. Denn ein zunehmender Anteil des Getreidehandels wurde direkt am Bahnhof abgewickelt, wo die Züge mit dem Getreide ankamen. 1912 wurde der Getreidehandel endgültig zum Südbahnhof in die neue Großmarkthalle verlagert. 1914 bis 1927 wurde die „Schranne“ zur Hälfte demontiert. 1932 wurde der Rest durch Brand zerstört.

Erst als der Historiker und Architekt Volker Hütsch die Reste des ursprünglich 430 Meter langen Baus in den 1970er-Jahren wieder entdeckte, erlangte die Halle erneute Aufmerksamkeit. Der Wiederaufbau wurde beschlossen.

Der erste Neustart scheiterte 

Der Wiederaufbau erfolgte auf Grundlage eines Erbbaurechtsvertrags der Stadt mit der DBVI GmbH & Co Schrannenhalle KG, einer Tochter der DBVI – Deutsche Beamtenvorsorge Immobilienholding AG. Seit Juli 2003 wurde die Schranne wieder aufgebaut und am 5. September 2005 wieder eröffnet. Die Wiedererrichtung und Erweiterungsbauten folgten zunächst den Entwürfen der Architekten Ackermann und Partner, dann nach Plänen des Wiener Architekten Stefan A. Schumer, welche wegen eines Streits zwischen der Stadt München und Erbbaurechtnehmer DBVI zu nicht planungskonformen Ausführungen gelangten. Auch das Betreiberkonzept erwies sich nicht als erfolgreich. Am 10. Dezember 2008 stellte das Amtsgericht München die Betreibergesellschaft unter vorläufige Insolvenzverwaltung und eröffnete am 1. März 2010 über deren Vermögen das Insolvenzverfahren.

Der Münchner Projektentwickler, die Hammer AG, erwarb die Halle für 34,8 Millionen Euro. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Hans Hammer beglich der neue Besitzer zusammen mit dem Insolvenzverwalter die Forderungen der Altgläubiger und investierte noch mal zehn Millionen Euro in den Umbau der Halle.

 Nach den Plänen der Architekturbüros a + p Architekten und oliv wurde die Halle umgestaltet: Es wurden zwei Emporen für Gastronomie und Handel eingerichtet, die Halle mit zusätzlichen Flügeltüren durchlässiger und transparenter gestaltet und feste Stände mit einem einheitlichen Auftritt eingebaut. „Wir haben bei den verschiedenen Ständen mit unserem Designkonzept Wert auf eine gleiche Formensprache und  auf ein verbindendes Erscheinungsbild gelegt.  Das Architekturbüro oliv hat bei der Neugestaltung auf helle und warme Materialien wie etwa die Verwendung von viel Holz Wert gelegt“, erläutert Chantal Hammer, zuständig für das Marketing des Projekts Schrannenhalle. Zudem war eine klare Ausrichtung der Mieter und des Warenangebots wichtig. „Wir haben auf ein breites und qualitativ gutes Angebot geachtet, das das bestehende Sortiment des Viktualienmarktes ergänzt und das zu akzeptablen und fairen Preisen angeboten wird“, betont Chantal Hammer.

Ausgewogene Mieterstruktur

Als Ankermieter konnte bereits früh der Feinkostunternehmer Michael Käfer gewonnen werden, der in der Schrannenhalle das Marktrestaurant und einen Delikatessenstand betreibt. Auf 1300 Quadratmeter werden dabei an verschiedenen Ständen belegte Brote, angemachte Salate, Käse aus Bayern, Frankreich und Italien, Schinken und Wurst aus Deutschland, Italien und Spanien, frisch gebackenes Brot, Kaffeespezialitäten und Kuchen oder Suppe zum Sofortverzehr und auch zum Kaufen und Mitnehmen angeboten. Preise und Angebot richten sich nicht an das Luxussegment wie im Feinkosttempel an der Prinzregentenstraße, sondern eher auf ein breiteres Münchner Publikum. So wird Hummus aus Sesam-Mus mit Fladenbrot für 7,20 Euro, die kleine Portion Pasta mit Garnelen und Brocoli für 9,20 Euro und Tatar-Gericht für 13,20 Euro offeriert.

Neben dem von Käfer betriebenen Marktrestaurant sorgt zudem Hacker-Pschorr, die schon zuvor für die Bewirtschaftung der Schrannenhalle zuständig war, für das gastronomische Angebot.

Rechtzeitig zur Eröffnung wurden alle Stände mit etwa drei bis fünf Jahre laufenden Verträgen vermietet. Zusätzliche Interessenten mussten in einer Warteliste aufgenommen werden. Insgesamt bieten 24 verschiedene Standbetreiber ihre Produkte an: Tiroler Bauernstandl, Steirerladen, Confiserie Amai, Biomilch-Standl, Champagne & More, der Tee-Handel-Kontor Bremen, dem Olivenölhändler Oliviers & Co., Schwarzbrenner, Tantris und das Weingut Hillinger sowie die Metzgerei Wild.

Zu den wenigen Nicht-Lebensmittelhändlern gehört das Handelsunternehmen Butlers, einem Anbieter von Wohnaccessoires, Dekorationsartikeln, Möbeln und Geschenken. Auch die Agentur Jochen Schweizer des gleichnamigen ehemaligen Stuntmans ist mit in der Schranne vertreten und bietet Erlebnisgeschenke wie Bungee-Jumping, Ballonfahren oder Kochkurse an.

Nach den Schlangen an den Kassen und dem Andrang an den Ständen und Essbereichen scheint der Neustart der Schranne gelungen zu sein. Auch sorgt die Transparenz der neuen Markthalle und ihre Passanten-Durchlässigkeit für eine bessere Verbindung zum Viktualienmarkt, dem Gärtnerplatz-Viertel und dem  Museumsbereich am Jakobsplatz.

Bleibt nicht nur für Investor, Standmieter und Kunden zu hoffen, dass  zum 160. Geburtstag der Schranne diesmal das Konzept auch dauerhaft aufgeht.
 

Die Schrannenhalle Historie

1851 Bau als Getreidehalle

ab 1914 teilweiser Abriss

2005 Neubau als Markthalle

2011 Neueröffnung nach Umbau 

Betreiber und Investor 

Hammer AG 

 

Bild: Hammer AG (klein), groß oben: Ulrich Lohrer