Tankstellen: Augustiner Helles statt Euro Super

Europaweit verzeichnen Tankstellen Umsatzeinbrüche –  nur in Deutschland können sich die Pächter über relative stabile Einahmen freuen – Dank lukrativer Nebengeschäfte. Diese Einnahmen sind nun für Münchner Tankstellen-Pächter aufgrund einer Regulierung des Kreisverwaltungsreferats und des Freistaats gefährdet.

 

Benzin ist teuer wie nie und nicht mal mehr Bier können sie verkaufen, wie sie wollen: Münchner Tankstellen haben es nicht einfach. Nach einem Schreiben des Münchner Kreisverwaltungsreferats vom März 2012, dürfen sie ohne Gaststättenerlaubnis nach Ladenschluss nur noch kleinere Mengen an Lebens- und Genussmitteln und nur an Reisende verkaufen.

Dabei wurde eine Gesetzesänderung der bayerischen Staatsregierung vorweggenommen, die seit Juni diesen Jahres für alle Tankstellen im Freistaat gilt. Zwei Liter Cola oder vier Halbe Bier, zwischen acht und 14 Prozent Alkoholgehalt nur noch ein Liter - für Autofahrer oder deren Beifahrer ab 20 Uhr. An Fußgänger und Radfahrer darf gar nichts mehr verkauft werden.

Anscheinend hat sich wie bei der Mehrwertsteuersenkung wieder mal die mächtige Gaststättenlobby auf Kosten der Verbraucher durchgesetzt. Vor allem zum Ärger der Tankstellenpächter. Denn die Erlöse aus Einzelhandelsprodukten nehmen für die Tankstellenbetreiber einen hohen Stellenrang ein. Nach dem Informationsdienst Datamonitor werden sie in Deutschland von 94,8 Prozent der Tankstellen angeboten.

Die meisten Tankstellenketten sind entweder Kooperationen mit lokalen Lebensmittelanbietern eingegangen oder haben eigene Shop-Marke geschaffen.  Bei Aral heißt sie „Petit Bistro“. Shell hat 280 Tankstellen mit der Marke Break Timer, welches sich auf auf Lebensmittel fokussiert ist, ausgestattet und will sie in dieseem Jahr bundesweit auf 400 erhöhen. Esso, Total, Aviva und Jet setzen dagegen auf große Versorger-Netzwerke.

Die Tankstellen stehen unter Druck, neue Einnahmen zu generieren. So hat die Marktkonsolidierung dazu geführt, dass der Spritumsatz seit 2011 rückläufig ist. Trotzdem hat Aral – in Deutschland vor Shell (2071 Tankstellen) mit 2406 Tankstellen Marktführer – angekündigt, sein Netz bis 2017 um 150 Stationen zu vergrößern. Shell und Orlen haben bereits 2011 von Total und OMV 40 beziehungsweise 56 Tankstellen erworben.

Für die Pächter stellen die Mieten die weitaus größten Ausgaben dar. Laut CBRE müssen sie in Deutschland pro verkauften Treibstoffliter im Durchschnitt 1,28 Euro an Miete zahlen. Je Tankstelle lag die Durchschnittmiete im ersten Halbjahr 2012 bei 48.000 Euro.

Trotzdem gibt es in Deutschland immerhin noch 4594 freie Tankstellenbetreiber, die keine der großen Ketten zuordenbar sind. In München ist dies das mittelständische Unternehmen Allguth. „Als Pionier des One-Stop-Shopping konnten wir die bis dahin vorherrschende Auffassung revolutionieren, eine Tankstelle sei nur zum Kraftstoff tanken da, und setzte damit branchenweit ganz neue Premium-Standards“, heißt es in der Internetseite von Allguth. Laut Angaben des Unternehmens verfügt Allguth über das hochvolumigste Tankstellennetz in Deutschland.

Der Vorstoß des Münchner Kreisverwaltungsreferats und des Freistaates wird daher dort sicherlich nicht mit Begeisterung aufgenommen