Neue Tankstellenstudie: E-Mobiltät bringt Autonomie des Tankens

Auch wenn aktuell noch relativ wenig Elektroautos verkauft werden, früher oder später wird die Elektromobilität auch das Tankstellengeschäft völlig umkrempeln. Dies hat auch Auswirkungen für Tankstellenbesitzer und Mieter: Tankstellen müssen mehr Zusatzangebote liefern.

 

Wesentlich für die erfolgreiche Durchsetzung von Elektroautos ist die Verfügbarkeit von E- Tankstellen. Auch bei der flächendeckenden Verbreitung von Ladestationen tut sich international einiges. So gab John Abbott von Shell bekannt, dass der britisch-niederländische Ölkonzern mit dem Aufbau von Ladestationen an Tankstellen dieses Jahr starten wird. Auch der französische Ölkonzern Total will demnächst damit loslegen. In Deutschland schmieden Daimler, VW, BMW und Ford Pläne, entlang deutscher Autobahnen tausende Stationen zu errichten.

In einem ersten Schritt sind europaweit rund 400 Standorte geplant, bis 2020 sollen es tausende Hochleistungsladepunkte an Autobah- nen und hoch frequentierten Durchgangsstra- ßen sein. Die Automobilhersteller verfolgen dabei das Ziel, das Laden derart weiterzuent- wickeln, dass es in Zukunft ähnlich bequem funktioniert wie herkömmliches Tanken. „Wir wollen ein Netz schaffen, mit dem unseren Kunden für das Nachladen auf längeren Fahrten eine Kaffeepause reicht”, sagt Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender bei Audi. Stadler zufolge spiele ein verlässliches Schnelllade-Angebot eine Schlüsselrolle bei der Entschei-dung für ein Elektroauto.

 

Während das Tanken an einer Zapfsäule innerhalb von rund drei Minuten erledigt ist, nimmt das Laden eines E-Fahrzeuges in jedem Fall Zeit in Anspruch. Aufgrund dessen ist es von zentraler Bedeutung, wo sich die Ladepunkte befinden. Sinnvoll ist es, sie in eine Infrastruk- tur einzubetten und damit dem Besitzer eines Elektrofahrzeuges einen Mehrwert zu bieten. Tankstellen werden in Zukunft aber nicht unbedingt mehr dort sein müssen, wo sie heute sind – so lautet eine These des 4. Frequenzimmobilien-Reports der Wiener Side Projekt Immobilienmanagement GmbH, der am 24. April 2017 erschienen ist. Abhängig von den unterschiedlichen Arten, die Akkus aufzuladen, kann sich das „Betanken“ zunehmend zu anderen Immobilien oder Plätzen verschieben, schon jetzt gibt es etwa in Niederösterreich Wirtshäuser, die mit dem Angebot locken, gut zu essen, während das Fahrzeug geladen wird. „Freizeiteinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten, Parkplätze und –häuser, Umsteigepunkte wie Bahnhöfe, wo man beispielsweise vom Zug aufs Fahrrad umsattelt – sie alle könnten die Aufgabe von Tankstellen im Zeitalter der E-Mobilität übernehmen“, warnt Wolfgang Schmitzer, Geschäftsführer der Side Immobilien Gruppe und Herausgeber des Frequenzimmobilien-Report.

Chancen für herkömmliche Tankstellen sieht Schmitzer allerdings auch. „Der Wandel vollzieht sich nicht von heute auf morgen. Aber man sollte sich mit den Veränderungen befassen und etwa das Convenience-Geschäft verbessern und die Aufenthaltsqualität auf Tankstellen verbessern“, warnt Schmitzer. Wenig Gefahr bestünde laut der Analyse momentan für Tankstellen an der Autobahn und für ausgezeichnet gelegene Stationen mit starken Zusatzangeboten – wie Lebensmittel-Nahversorger, Waschgeschäft, Kleiderreinigung, Logistik-Abholstationen etc.

Mögliche Szenarien

Spannend in diesem Zusammenhang ist auch eine Studie des Instituts für Strategie, Techno- logie und Organisation in Kooperation mit der Wirtschaftskammer aus dem Februar 2017, in welcher drei verschiedene Szenarien von Ge- schäftsmodellen für die Tankstelle der Zukunft erarbeitet wurden.

Das erste Szenario geht von einer intensiven Nutzung alternativer Energien aus: Es herrscht ein hohes Bewusstsein für Nachhaltigkeit, 50 Prozent der Bevölkerung fährt E-Autos, Car- Sharing hat sich durchgesetzt, die Menschen haben ein hohes Gesundheitsbewusstsein, be- vorzugen regionale Produkte. In diesem Fall gehen die Studienautoren davon aus, dass sich für die Tankstelle neue Geschäftsfelder als Mobilitätsversorger, als Landeplatz für Drohnen oder Paketverteiler auftun.

Im zweiten Szenario steht das Motto „Geiz ist geil“ ganz oben: Es gibt eine kleine Oberschicht und eine große Arbeiterschicht, 90 Prozent der Menschen fahren Autos mit fossilen Brennstoffen, da sich nur wenige E-Autos leisten können. Jeder hat sein eigenes Auto, Internet ist das bevorzugte Kommunikationsmittel. In diesem Szenario sieht die Studie die Möglichkeit für Tankstellen, sich in eine Art Lounge zu verwandeln und unterschiedliche Dienstleistungen anzubieten: von der Gastronomie bis hin zu Fitnessräumen.

Im dritten Szenario geht die Studie von einer Zukunft aus, in der das Autofahren in Städten gänzlich verboten ist und auf dem Land Car- Sharing mit selbstfahrenden Autos dominiert.

Sämtliche Abläufe sind vollautomatisiert, Bezahlen oder das Identifizieren von Personen laufen über im Auge implantierte Chips, Roboter gehören zum Alltagsbild und sie helfen den Menschen in allen Lebenslagen. Natürlich werden auch Tankstellen von Robotern betrieben. 

Über den Frequenzimmobilien-Report

Der Frequenzimmobilien-Report beleuchtet den Trend der E-Mobilität und fasst übersichtlich zusammen, welche Techniken bereits eingesetzt werden, welche Ziele die Politik weltweit/europaweit verfolgt, welche Hindernisse es gibt und was die Auswirkungen auf das Tankstellengeschäft sind.

Weitere Informationen:

Side Immobilien Gruppe: Frequenzimmobilien-Report – Tankstellen in Zeiten der Elektromobilität

Quelle: Pressemeldung vom Side Immobilien Gruppe vom 24.04.2017

Bildnachweis (von oben nach unten): BMW i3 electric car charging, München,, Foto: Kārlis Dambrāns; car2go-Elektroautos in Berlin, Foto: Avda