Schönfeldvorstadt: Von der Schule zum Edelbüro

Neben Leo von Klenzes Ludwigspalais errichtete Baurat Ulrich Himbsel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Palast für Schüler. Heute befindet sich das Gebäude mit Rundbogenarkaden im Besitz von Quantum Immobilien und weist edle Büros und Ladeneinrichtungen auf.

 

Als prachtvoller Palast Knaben und Mädchen entwarf Baurat Johann Ulrich Himbsel die 1827 bis 1829 erbaute Bezirksschule der Schönfeldvorstadt. Das Gebäude befindet sich direkt an dem von Leo von Klenzes geplanten Ludwigspalais in der Von-der Tann-Straße 2 in der Schönfeldvorstadt im heutigen Münchner Stadtbezirk Maxvorstadt. Das ehemalige Schulgebäude passt sich auch in der Gestaltung an die florentinisch-rundbogige Fassadenstruktur des Klenzeschen Prachtbau im Renaissance-Stil an. Das dreigeschossige Gebäude ist durch Gurtgesimse geteilt und weist im Erdgeschoss sieben Rundbogenarkaden auf. Dort waren ursprünglich Feuerlösch-Gerätschaften untergebracht. Auf solche Gebäudetypen war Himbsel auf seiner Studienreise in Frankreich angeregt worden. In den Obergeschossen waren die jeweils fünf Schulsäle um den Treppenbereich angeordnet.

Als Bankgebäude wieder aufgebaut

Ab dem späten 19. Jahrhundert wurde das Gebäude unter anderem als Frauenarbeitsschule und als Berufsschule genutzt. Im Zweiten Weltkrieg brannte es aus. Die Ruine wurde 1949  von der Deutschen Beamtenversicherung erworben, die das Gebäude von 1950 bis 1951 äußerlich in ihrer früheren Erscheinung wiederaufbaute. 1961 wurde es von der Bayerischen Handelsbank gekauft und ließ es in der Folge für ihre Bedürfnisse anpassen. So wurde die Zone der Volutengesimse erhöht und zu einem weiteren Geschoss ausgebaut. 1985 folgte eine Renovierung der Fassade.

Büro- und Einzelhandelsgbäude der Quantum Immobilien

Nachdem die Bayerische Handelsbank  in die Hypo Real Estate (HRE) aufgegangen war und diese im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise im Jahr 2008 de facto insolvent war, wechselten auch verschiedene Liegenschaften die Eigentümer. Heute ist das Gebäude wie auch das benachbarte Ludwigspalais und das Vorstadthaus in der von-der-Tann-Straße im Besitz der Quantum Immobilien. Von 2010-2014 hat Quantum den denkmalgeschützten Gebäudekomplex mit dem Münchner Architekturbüro Pott zu einem Bürohaus mit Einzelhandelsnutzung umgebaut. Dazu wurde in den großzügigen Innenhof noch ein zweigeschossiger Neubau, der sogenannte Ludwighof, integriert – heute die Haus-Nr. 6–10.

Quellen: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern, Landeshauptstadt München, Band Mitte / 3, Seite 1194 – 1195; Pressemeldungen

Bildnachweis: Von-der-Tann-Straße 2, Foto: Ulrich Lohrer