Abwassergebühren-Ranking: Kosten für´s Klo

Für eine vierköpfige Musterfamilie hat das Institut der Deutschen Wirtschaft für den Eigentümerverband Haus & Grund die Abwasserkosten ermittelt. Im Städtevergleich unter den 100 größten deutschen Städte ergeben sich bis zu 650 Euro pro Jahr Unterschied. Die günstigsten und teuersten Großstädte.


Die Kosten für die Abwasserentsorgung variieren je nach Stadt um mehrere hundert Euro pro Jahr. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag von Haus & Grund Deutschland erstellt hat. „Wir wollen Transparenz schaffen und zeigen, dass hohe Abwassergebühren kein Naturgesetz sind“, betonte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke bei der heutigen Präsentation der Studie in Berlin. Verbraucher, aber auch die kommunalen Verwaltungen und die politisch Verantwortlichen können anhand der vorliegenden Ergebnisse ihre aktuelle Positionierung im Wettbewerb der Städte um attraktive Standortbedingungen besser einschätzen. 
 

Die Städte mit den günstigsten Abwassergebühren

Für den Vergleich wurden die jährlichen Abwassergebühren einer vierköpfigen Musterfamilie in den nach Einwohnern 100 größten Städten in Deutschland untersucht. Ein Vierpersonenhaushalt zahlt die Musterfamilie im schwäbischen Ludwigsburg bei Stuttgart mit 260 Euro im Jahr am wenigsten. Von den zwanzig günstigsten Abwasserentsorgern kommen zwölf aus Bayern oder Baden-Württemberg. Mit Ludwigsburg, Heidelberg und Freiburg liegen die drei günstigsten Städte im Abwasserranking alle in Baden-Württemberg.

Die zehn Städte mit den günstigsten Abwassergebühren sind:

1.     Ludwigsburg 261,81 Euro

2.     Heidelberg 308,80 Euro

3.     Freiburg im Breisgau 320,49 Euro

4.     Kaiserslautern 322,52 Euro

5.     Karlsruhe 324,71 Euro

6.     Frankfurt am Main 344,85 Euro

7.     Hanau  346,55 Euro

8.     Tübingen  353,23 Euro

9.     Augsburg  358,33 Euro

10.Regensburg 361,85 Euro

Welche Städte für Abwassergebühren am meisten kassieren

In Potsdam fallen dagegen für die Musterfamilie mehr als 910 Euro an – damit kassiert die Landeshauptstadt unter den 100 deutschen Großstädten die höchsten Abwasserkosten. Mit den Ausnahmen Bremerhaven und Saarbrücken liegen die zwanzig teuersten Abwassersysteme ausschließlich in ostdeutschen und nordrhein-westfälischen Städten. 

100.             Potsdam 911,23 Euro

99. Cottbus            838,76 Euro

98. Mönchenglabnach 837,08 Euro

97. Wuppertal 833,83 Euro

96. Krefeld   754,06 Euro

95. Halle an der Saale 749,30 Euro

94. Saarbrücken 748,03 Euro

93. Moers  731,70 Euro

92. Witten  711,78 Euro

91. Bonn  705,71 Euro

 

Abwasserkosten der zehn größten Großstädte

6. Frankfurt am Main  344,85 Euro

14. Düsseldorf  374,90 Euro

18. Leipzig 385,46 Euro

20. Stuttgart 388,48 Euro

21. München 392,27 Euro

23. Köln  401,30 Euro

61. Dortmund  539,99 Euro

78. Berlin  630,84 Euro

69. Hamburg 574,83 Euro

87. Essen 682,14 Euro

Gründe für die Kostenunterschiede
Äußere Rahmenbedingungen, wie etwa die Dimensionierung der Kanäle, das Alter des Kanalnetzes, Hochwasserschutzmaßnahmen, die Infrastruktur für die Regenrückhaltung und Abwasserbeseitigung, der Einsatz neuer Technologien oder auch Veränderungen in der Bevölkerungsdichte, haben einen wesentlichen Anteil daran, wie hoch oder niedrig die Abwasserpreise in den Städten ausfallen. „Allerdings sind die Strukturunterschiede allein keine ausreichende Erklärung für die enormen Preisdifferenzen“, so Haus & Grund-Präsident Warnecke. „Wir wollen mit unserer Studie Diskussionen vor Ort anstoßen: Die Gründe für die hohen Kosten müssen analysiert und benannt werden.“
Dass die Kommunen durchaus Gestaltungsspielräume haben, belegen die teils erheblichen Veränderungen der Gebühren im Vergleich zur vorigen Untersuchung des IW Köln im Jahr 2008: Danach ist beispielsweise die Stadt Salzgitter im Ranking von ehemals Platz 84 auf 42 gestiegen. Die Kosten für die Musterfamilie sind damit im Jahr um rund 150 Euro gesunken.

Quelle: Haus & Grund Pressemeldung vom 28.06.2017 

Weitere Informationen:

Haus & Grund: Studie Abwassergebührenranking-2017

Bildnachweis: Toilettenkabine im Deutschen Theater in München, Foto: Usien