Viertel am Waldfriedhof: Zwischen West- und Südpark

Das Viertel am Waldfriedhof wird von der stark befahrenen Fürstenrieder Straße, dem Mittleren Ring und der Lindauer Autobahn begrenzt. Aber hinter der Randbebauung der Verkehrsachsen bietet die Villengegend Ruhe, viel Grün und eine hohe Wohnqualität.

 

Zwischen einer der am stärksten frequentierten Verkehrsachsen verbirgt sich eines der ruhigsten und größten Villenviertel von München: der Bezirksteil am Waldfriedhof des Stadtbezirks Sendling-Westpark.

 Während in vergleichbar zentrumsnahen Bezirken bereits Gebäude standen, überwiegten in dieser Gegend noch lange Zeit unbebaute Felder und Wälder. In der Barockzeit wurde durch das Untersendlinger Holz eine gerade Schneise als Verbindungslinie und Allee von Schloss Nymphenburg zum Schloss Fürstenried geschlagen. Die heute stark befahrene Fürstenrieder Straße, die seit den 1950er-Jahren massiv ausgebaut wurde, bildet nun die Westgrenze des Stadtviertels. Erst 1891 wurde im Gebiet des heutigen Westparks im Wald die Gebäude der Nervenheilanstalt Neu-Friedenheim (Bild links) errichtet, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Bayerische Landesschule für Gehörlose genutzt wurde.

Das Villenviertel am Wessobrunner Platz

Ende des 19. Jahrhunderts erwarb die Heilmann `schen Immobiliengesellschaft in dem weiter südlich gelegenen Gebiet der Forstenrieder Straße bei den Dörfern Groß- und Kleinhadern in großem Umfang Grundstücke.

Weil die Stadt München hier den von Hans Grässel entworfenen Waldfriedhof anlegen wollte, kam es zum Geländetausch mit einem städtischen Grundstück östlich der Fürstenrieder Straße. Gegenüber dem Haupteingang des Friedhofs entstand als erstes Haus 1909 noch in völlig unbebauter Umgebung der Gasthof Waldfrieden (Bild links). Das Jugendstilgebäude mit Walmdach und Eckerkern wurde von Alois Ansprenger entworfen.

Die Heimstättengesellschaft, eine Tochtergesellschaft der Heilmann`schen Immobiliengesellschaft, ließ etwas weiter nördlich, beim Ausflugslokal Holzapfelkreuth, den Wald roden und plante östlich und westlich des Friedhofs neue Wohngebiete. Mittelpunkt des östlichen Wohngebiets (großes Bild oben) sollte der neu angelegte Wessobrunner Platz (Bild unten links) werden. Aber erst nach dem Ersten Weltkriegs wurden dort vermehrt Villen errichtet, obwohl bereits seit 1904 eine Trambahn entlang der heutigen Albert-Roßhaupter-Straße und der Waldfriedhofstraße den Friedhof mit Sendling verband.

Krieg stoppt die ganze KdF-Stadt...

Mit der Machtübernahme der Nazis geriet das Gebiet in den Fokus nationalsozialistischer Städteplanung. Das Großprojekt der KdF-Stadt mit 3000 Wohnungen sollte sich über die heutigen Stadtbezirke Laim und Sendling-Westpark zwischen Fürstenrieder Straße und Landshuter Allee erstrecken. Mittelpunkt des von Stadtbaurat Hermann Alker und der Sonderbaubehörde der Hauptstadt der Bewegung geplante und durch die NS-Organisation "Kraft durch Freude“ (KdF) initiierte Stadtviertel sollte ein großer Anger sein, der in etwa dem heutigen Westpark entspricht. Doch nach zweijähriger Planungsphase wurde das Projekt mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aufgegeben.

...aber nur die halbe Oberland-Siedlung

Dagegen wurde die von den Brüdern Sep und Franz Ruf (Bauleitung) sowie von Hans Holzbauer geplante Oberland-Siedlung in den Jahren 1938 bis 1942 nördlich des Autobahnabschnitts A95 ("Olympiastraße“) errichtet.

Auf einer Länge von 1,5 Kilometern wurden fünfgeschossige Häuser in Doppelzeilen (siehe Bild links) mit parallel verlaufenden dreigeschossigen Häuserzeilen gesetzt.

Dazwischen wurde eine Siedlung aus 80 Ein- und Zweifamilienhäusern gebaut, deren Straßennamen nach Bergen und Orten des bayerischen Oberlandes benannt wurden. Die Großwohnanlage mit knapp 800 Wohnungen sollte nicht nur der Wohnraumbeschaffung dienen, sondern auch den Stadtzugang über die Olympiastraße gestalten.

Die südlich der Olympiastraße vorgesehene Anlage wurde nicht mehr errichtet, weshalb das monumentale "Tor zur Stadt“ am Luise-Kiesselbach-Platz unverwirklicht blieb.

Straßen- und Schulenausbau in der Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit wurde mit dem Mittleren Ring, der Forstenrieder Straße und der Lindauer Autobahn das Viertel durch stark befahrene Verkehrsachsen begrenzt. Dahinter entstanden – oft von einer mehrgeschossigen Bebauung wie die Oberland-Siedlung oder die GWG-Siedlung Krünerstraße (erbaut von 1952 bis 1964) vom Lärm weitgehend abgeschirmt – Einfamilienhäuser und Reihenhäuser. Ende der 1950er-Jahre wurden südlich der ehemaligen Nervenanstalt Neu-Friedenheim das Erasmus-Grasser-Gymnasium sowie das Ludwigsgymnasium erbaut. Mit der Gethsemanekirche (Bild links) von Gustav Gsaenger entstand 1957 ein bedeutender Nachkriegskirchenbau in Sichtziegelmauerwerk.

Die grüne Oase des Westparks

Durch den – anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) 1983 vom Landschaftsarchitekten Peter Kluska angelegten – Westpark wurde die Lebensqualität des Viertels deutlich verbessert.

Schließlich entstand mit den Brücken des Parks eine Verbindung der zuvor von stark befahrenen Straßen getrennten Bezirksteile des Viertels am Waldfriedhof, der Kleingartensiedlung Land in der Sonne und Mittersendling.

Mit dem im vergangenen Jahr  fertiggestellten Tunnel des Projekts Mittlerer Ring Südwest und dem darüberliegenden in diesem Jahr vollendeten Heckenstallerpark wird die Verkehrsbelastung für die Anwohner deutlich reduziert und zusätzliche Grünflächen geschaffen.

 

Das Viertel in Zahlen

Die Flur des heutigen Sendling-Westpark gehörte ursprünglich zur Sendlinger Haide, die sich zwischen dem Forstenrieder Park und der Stadt München erstreckte. Sendling-Westpark hat, anders als der benachbarte Stadtteil Sendling, keinen historischen Ortskern. Das Viertel wurde überwiegend nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut.

Das Viertel „Am Waldfriedhof“ ist der westlichste von drei Bezirksteilen des 7. Münchner Stadtbezirk Sendling-Westpark. Der Stadtbezirk entstand erst bei der Bezirksreform 1992 aus Teilen der früheren Stadtbezirke Sendling und Laim, sowie dem aufgelösten Bezirk Waldfriedhofviertel.

Der heutige Bezirksteil am Waldfriedhof wird im Norden durch die Lindauer Autobahn von dem Laimer Bezirksteil Friedenheim (im Nordwesten) und von dem Land in der Sonne (im Nordosten) –ebenfalls ein Bezirksteil von Sendling-Westpark getrennt.

Im Osten trennt der Mittlere Ring im Bereich Garmischer Straße und Luise Kiesselbach-Platz sowie die Murnauer Straße das Stadtviertel von Mittersendling.

Im Süden bildet die Höglwörther Straße die Grenze zu Obersendling und der Westabschnitt der Boschetsrieder Straße die Trennung zu Forstenried, beides Bezirksteile des 19. Münchner Stadtbezirk.

Die Westgrenze des Viertels am Waldfriedhof bildet die Fürstenrieder Straße, wo sich gegenüber im südlichen Bereich der Waldfriedhof im Viertel Großhadern und nördlich der Würmtalstraße Neuhadern befinden – beides Teile des Stadtbezirks Hadern.

 

Einwohner: Der Altersdurchschnitt der Stadtteilbewohner liegt unter dem Stadtdurchschnitt.  Der Ausländeranteil, die Bevölkerungsdichte und der Anteil der Einpersonenhaushalte entspricht in etwa den Durchschnittswerten der Stadt.

Infrastruktur: Das Viertel mit den Haltestellen Westpark und Holzapfelkreuth ist an die U-Bahn-Linie U6 angebunden. Außerdem verkehren verschiedene Buslinien (51, 54, 63). Mit dem Westpark, Südpark und den Sportanlagen sind zahlreiche Freitzeitmöglichkeiten gegeben. Mit dem Ludwigsgymnasium und dem Erasmus-Grasser-Gymnasieum existieren im Nordwesten des Stadt beeinander gleich zwei Gymnasien. Ein weiterer Ausbau zum Bildungscampus Westpark ist in Planung. Nahversorgung mit Lebensmittel-Einzelhandel und Gastronomie gibt es an der Waldfriedhofstraße / Ecke Fürstenrieder Straße , bei der U-Bahnstation Holzapfelkreuth, der Fürstenrieder Straße gegenüber dem Eingang Waldfriedhof und an der Ehrwalderstraße / Ecke Mittlerer Ring.

Immobilien: Es überwiegen Einfamilien- und Doppelhäuser von Eigentümern. Mehrgeschossmietwohnungen sind häufig entlang der Verkehrsachsen anzutreffen.  

Eigentumswohnungen aus dem Bestand werden im Schnitt um 5.400 Euro pro Quadratmeter angeboten. Die Mietpreise für Häuser aus dem Bestand liegen im Schnitt über 15,00 Euro pro Quadratmeter. Bei Bestandswohnungen liegen die Mietpreise aktuell bei 13,80 Euro pro Quadratmeter.

Im Mietspiegel für München 2017 wird das gesamte Stadtviertel am Waldfriedhof mit „gute Wohnlagequalität“ eingestuft – mit Ausnahme der direkten Randbebauung an den Hauptverkehrsachsen Fürstenrieder Straße, Garmischer Autobahn (A95), Mittlerer Ring  sowie der Waldfriedhofstraße und der Murnauer Straße, die von „durchschnittlicher Wohnlagequalität“ sind.

Größere Neubauvorhaben gibt es aktuell nicht im Stadtviertel. Vereinzelt werden aber bestehende Einfamilienhäuser durch neue Einfamilienhäuser oder kleinere Mehrfamilienhäuser ersetzt. Größere Bauvorhaben werden östlich des Mittleren Ring von in Mittersendling von der GWG und Terrafinanz verwirklicht.