Im Westen Neues

Um das Landgut Freiham soll ein neuer Stadtteil München entstehen. Während Freiham-Süd bereits als Gewerbegebiet erschlossen wird, hat sich nun der städtebaulicher Wettbewerb über die künftige Wohnbebauung in Freiham-Nord entschieden.

 

Der vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung ausgelobte städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb für den 1. Realisierungsabschnitt Freiham Nord ist entschieden. Die Sieger heißen Ortner & Ortner mit BSM, Berlin und Topotek 1, Berlin sowie West 8, Rotterdam.

„Mit dem ,Grünen Licht' für den 1. Realisierungsabschnitt Freiham Nord wird endlich eine bereits in den sechziger Jahren gesicherte Chance der Münchner Stadtentwicklung genutzt“, sagte OB Christian Ude, Mitglied des Preisgerichts. „ Der Entwurf für das nördlich angrenzende Wohngebiet verspricht eine erfreuliche Lebendigkeit des Quartiers und Vielfalt der Baufelder.“ Die Sieger sehen für das Stadtteilzentrum ein urbanes Entree am S-Bahnhof und klar gegliederte Baufelder. Ein Schulzentrum mit großen gemeinsamen Campus und Sportflächen sind als Übergang zur benachbarten Landschaft konzipiert.

Im neuen Stadtteil Freiham entsteht über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren ein kompakter, urbaner und grüner Wohnstandort für etwa 18.000 bis 20.000 Menschen. Die Entwicklung des Wohnstandortes sollte auf dem Gedanken des „Stadt-Weiterbauens“ basieren; Verbindungen und Nachbarschaften zwischen dem bestehenden Stadtviertel Neuaubing und Freiham sollen geschaffen werden. Das Planungsgebiet wurde für den Wettbewerb in zwei Bearbeitungsbereiche aufgeteilt:

Der Bearbeitungsbereich A mit dem Stadtteilzentrum, das unter anderem Flächen für Handel, Dienstleistung, Versorgung und Mobilität beinhaltet, dem Schul- und Sportzentrum sowie einem Teilbereich des Wohnungsbaus, erstreckt sich entlang der Bodenseestraße. Der Bearbeitungsbereich B mit Schwerpunkt Wohnen einschließlich eines Quartierszentrums grenzt westlich an den derzeitigen Siedlungsrand der Landeshauptstadt an (siehe Achwarzplan links oben, grün schraffierte Fläche).

 

Auf Grundlage der Siegerentwürfe wird ein Rahmenplan und Gestaltleitfaden entwickelt, der Aussagen zur städtebaulichen und landschaftsplanerischen Struktur sowie zur Lage, Größe und zu Gestaltungsmerkmalen einzelner kleinerer Quartiere trifft und Grundlage für die anschließende Bauleitplanung ist. Die Umsetzung durch die erforderlichen Bauleitplanverfahren wird in markt- und bedarfsgerechten Teilabschnitten erfolgen. Der Baubeginn für die Erschließungsmaßnahmen der ersten Wohngebiete ist für 2014 angestrebt.

 

Freiham-Nord

Das eigentliche Gelände des künftigen Stadtviertels Freiham-Nord liegt nördlich der Bodenseestraße und befindet sich derzeit sogar noch im landwirtschaftlichen Urzustand. Für den Wettbewerb arbeiteten Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten. Um den Zuschlag für den Bereich um das künftige Stadtteilzentrum mit etwa 29 Hektar hatten sich zehn verschiedene Büros mit ihren Entwürfen beworben. Für den an Neuaubing angrenzen Siedlungsbereich (rund 45 Hektar) nahmen weitere 14 Teilnehmer an der Ausschreibung teil. Nun wird aber die Arbeit erst so richtig anfangen. .
„Wir haben dabei die Gesamtfläche mit etwa 70 Hektar in zwei Abschnitte unterteilt, weil die Aufgabe ob der Größe sonst nicht mehr zu bewältigen gewesen wäre“, erläutert Katja Strohhäker, Bauoberrätin im Stadtplanungsreferat der Landeshauptstadt. 

 

Landgut als Ausgang des neuen Stadtquartiers

Bis dahin können die Ausflügler noch ungestört von Baulärm die ländliche Stadtgrenze genießen. Denn wenn die sonntäglichen Radel-Ausflügler vorbei an einer Schafherde durch die Allee zum Biergarten gelangen, hat man nicht den Eindruck, sich noch innerhalb der Stadtgrenzen Münchens zu befinden. Die zum Gut gehörenden landwirtschaftlichen Gebäude weisen eine sympathische Patina auf, und die Biergartenbesucher erwecken keinen Anschein der Münchner Schickeria.

Tatsächlich befindet sich das Gut Freiham mit  einem herausgeputzten Schlösschen und der Hofmarktkirche aus dem 17. Jahrhundert am äußersten westlichen Rand von München auf dem freien Feld. Nach wechselhaftem Besitz gelangte das Gut schließlich an die amerikanische Gesellschaft Forever Living Products, die im aufwändig sanierten Schloßgebäude nun ihre Deutschland-Zentrale untergebracht hat.  

Urkundlich erwähnt wurde der Edelsitz bereits 1184 als „Frihaim“– freies Heim. Über den  Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern gelangte das Anwesen 1676  an dessen Kammermusikus Achilles von Hermannsreuth, der das Schloss in seiner ursprünglichen, heute noch bestehenden Form errichtete. Über ein Jahrhundert waren die Grafen von Yrsch die Besitzer von Freiham, bis schließlich 1887 Carl Theodor von Yrsch das Gut für den Kaufpreis von 460.000 Reichsmark an Reichsrat Hugo von Maffei (1836 - 1921) verkaufte. Dessen Onkel hatte ein halbes Jahrhundert zuvor die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank sowie in der Hirschau im Englischen Garten die Lokomotivfabrik J. A. Maffei gegründet. In Münchens Altstadt im Kreuzviertel ließ er zudem das Hotel Bayerischer Hof errichten.

 

In Freiham begannen die Maffeis – damals eine der reichsten Familien Deutschlands – mit dem Anbau von Futtermitteln und Kartoffeln auf dem künftigen Muster-Anwesen. Kurz nach 1900 verkaufte Hugo von Maffei einen Teil der östlich vom Gut gelegenen Ländereien, damit darauf das Ausbesserungswerk Neuaubing errichtet werden konnte. 

Bereits 1966 wurde ein Teil der Ländereien östlich des Gutshofs an die Stadt München zur Errichtung der Neubausiedlung verkauft, aber erst 2006 wurde dort mit dem Bau des ersten Teils des Großprojektes begonnen. In den nächsten zwei Jahrzehnten entsteht hier, im westlichsten der Münchner Stadtbezirke, in Aubing-Lochhausen-Langwied, nun das komplett neue Stadtviertel. Auf der von der Autobahn und dem Stadtteil Neuaubing begrenzten Fläche von insgesamt 350 Hektar – dies entspricht etwa 250 Fußballfelder – entstehen die Neubauprojekte Freiham Süd und Freiham-Nord.

 

 

Freiham Süd

Der Gewerbestandort von Freiham-Süd südlich der Bodenseestraße ist mit der Infrastruktur wie der Straßenbebauung erschlossen und zu einem großen Teil bereits bebaut. Das städtebauliche Konzept des Gebietes basiert auf einer markanten ost-west-gerichteten Bandstruktur. Die Bänder stellen sich entweder als Erschließungsstraßen, öffentliche Grünflächen oder Grünkorridore in Bauflächen dar. Das räumlich wirksamste Element der Bandstruktur ist das prägnante Baumdach des "Kiefernhains" im Zentrum des Gewerbegebietes, der das Gesamtgebiet deutlich ablesbar in ein nördliches und ein südliches Stadtfeld gliedert. Im Süden dieses Gewerbegebiets befindet sich die klassische Gewerbeansiedlung, die weitgehend fertig gestellt ist. Der Baumarkt Hornbach und das Möbelhaus Höffner dominieren mit riesigen Gebäuden, während die Hallen und Bürogebäude anderer Unternehmen westlich davon, Richtung Gut Freiham liegen. Der mittlere Teil von Freiham-Süd mit einem Technologiestandort befindet sich dagegen weitgehend noch im Bau.

Im nördlichen Feld von Freiham-Süd soll nach dem Willen der Stadtplaner ein "vielfältiges und urbanes Nutzungsspektrum" aufweisen. Dem entspricht die dichte, homogene und kompakte Baustruktur in der die Vielfältigkeit des Gebietes gefasst wird. Die höherwertigen Gewerbeflächen werden eher übereinander geschichtet als räumlich getrennt. An der neuen S-Bahn-Station soll bei der Bodenseestraße als verbindendes Zentrum von Freiham-Süd und dem neuen Wohngebiet Freiham-Nord ein Einkaufszentrum entstehen. Dort befindet sich auch bereits die erste Wohnanlagen des Projektentwicklers Demos. "NEW WEST FREIHAM ist das erste Wohnprojekt in München-Freiham und damit eine Gelegenheit für alle, die gerne vorne mit dabei sind.", wirbt Demos auf seinen Internetauftritt. "Flexibilität, Vielfalt, Weiterentwicklung: Lebensinhalte, die heute auch für eine Wohnung gelten. So steht NEW WEST FREIHAM nicht nur für Citylife, sondern auch für grüne Nachbarschaft. NEW WEST FREIHAM ist modern und trotzdem auf langfristige Werte ausgerichtet. Vor allem: NEW WEST FREIHAM beweist, dass man in München preiswert wohnen kann."

Gegenwärtig ist von Citylife in der staubigen Baustelle in Mitten eines Gewerbeareals neben grünen Wiesen allerdings noch nichts zu spüren. Für die Kinder bietet die Anlage mit ihren Erdwällen und Baupaletten aber der ideale Abenteuer-Spielplatz. Und vor allem: Die Preise sind mit unter 3000 Euro pro Quadratmeter Neubauwohnung für Münchner Verhältnisse noch äußerst günstig. "Der Rohbau des letzten Bauabschnitts ist gerade fertiggestellt", sagt Christian Grabinger, Vertriebsleiter bei der Demos Wohnbau. "Von insgesamt 116 Wohnungen sind aber bereits alle außer drei verkauft.".  

 

 

 

Wohnsiedlung Neuaubing

Die angrenzende Wohnsiedlung Neuaubing entstand kurz vor dem Zweiten Weltkrieg als „Ludwig-Siebert-Siedlung“ für Betreibsangehörige der Dornier-Flugzeugwerke. Benannt wurde die Siedlung nach dem nationalsozialistischen bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert, der 1931 als Lindauer Oberbürgermeister durch seinen Parteieintritt der erste OB des Deutschen Reichs mit NSDAP-Parteibuch wurde. Unter seiner Anwesenheit wurde am 17. September 1938 das Richtfest der Muster-Siedlung gefeiert. 

Geplant wurde die Werksiedlung damals von dem Architekten Franz Ruf, dem Bruder des späteren Erbauer des Bonner Kanzlerbungalows Sep Ruf. Die Brüder Ruf entwarfen zusammen mit dem Architekten Hans Holzbauer etwa zur gleichen Zeit die Oberland-Siedlung entlang der Garmischer Autobahn. Nach dem Krieg wurde in den 1950er-Jahren auch von Franz Ruf der Bebauungsplan für die Parkstadt Schwabing ausgearbeitet, der die geschwungene Straßenführung der Wohnsiedlung Neuaubing dort wieder aufgriff.

 

Die Werksiedlung Neuaubing zeichnet sich neben der geschwungenen Straßenführung durch eine Vielfalt unterschiedlicher Haustypen – vom Einfamilienhaus bis zum Geschosswohnungsbau – aus. Bis zum Kriegsbeginn wurde der erste Bauabschnitt mit 406 Wohneinheiten errichtet. „Eine Fortführung kam aber danach nicht zustande, weil der Architekt Franz Ruf „im Felde“ stand und seine Pläne nicht auf die Minimalstandards des Kriegswohnungsbaus umarbeiten konnte“, schreibt Ulrike Haerendel in ihrem Beitrag zur Siedlung Neuaubing für die Dokumentation „Orte und Erinnerung – Nationalsozialismus in München“ (Hrsg. Winfried Nerdinger).

Durch die Grünanlagen und dem mittlerweise dichten Bewuchs sowie der Distanz der vielbefahrenen Bodenseestraße wirkt die Anlage heute angenehm ruhig und wenig martialisch. Der in der Mitte der Siedlung befindliche Hauptplatz kann allerdings nicht die Zeit verleugnen, in der die Siedlung erbaut wurde: Der quadratische, durch Ladeneinbauten, einer Gaststätte und einem Glockenturm begrenzte Platz diente in der NS-Zeit als „Appell- und Aufmarschplatz.“

 

 

Ausbesserungswerk Neuaubing

Südöstlich dieser Wohnsiedlung aus den 1930er-Jahren befand sich die Flugzeugfabrik Dornier Werke. Auf dem Werksgelände einer ehemaligen Waggonfabrik wurden seit 1935 Flugzeugrümpfe für die Kriegsrüstung produziert. Neben der deutschen Werksangehörige arbeiteten hier im Krieg auch zunehmend Zwangsarbeiter. Nach dem Krieg wurde das Werk wegen des Bauverbots von Flugzeugen durch die Alliierten eingestellt, aber 1955 im Zuge des Aufbaus der NATO wieder von Dornier in Betrieb gesetzt. Seit 1995 besteht dort im Nordteil ein Gewerbepark, südlich der Timburgstraße soll eine Wohnanlage entstehen, für die gerade der Bebauungsplan ausgearbeitet wird.

Erste und größte Gewerbeansiedlung war jedoch das Ausbesserungswerks Neuaubing der Reichsbahn, beziehungsweise später der Deutschen Bundesbahn. In den Ziegelbauten nördlich der großen Hallen befinden sich die ehemaligen Eisenbahnerwohnungen. Das unter Denkmalschutz stehende Ausbesserungswerk  wird nach den Plänen der Architekten Ackermann und Partner vom Projektentwickler Aurelis Real Estate saniert und zu dem Gewerbe-Quartier Triebwerk umgebaut. In dem Gebäudekomplex solle künftig Gewerbeeinheiten und (in den beidseitigen Kopfbauten der südlichen Halle) Loft-artige Grossraumbüros untergebracht werden.

Auf den Gleisanlagen, die zum ehemaligen Ausbesserungswerk Neuaubing führen, der sogenannten Gleisharfe, entsteht in den kommenden Jahren ein Wohngebiet.

 

 

 

Am Westkreuz

Die Bevölkerung Aubings wuchs durch Neubausiedlungen im Osten und im Süden von Altaubing in den 1960-19770er-Jahren stark an. Diese Siedlungen gehören nun zum Bezirksteil Aubing-Süd. In der Gegend des Westkreuzes stand vor 1964 nur ein Bauernanwesen, der Kreuzhof, auf dem Gelände eines heutigen Spielhauses.

Die ersten Wohnungen der neuen Siedlung „Am Westkreuz“ wurden 1966 bezogen, insgesamt war für 12.000 Bewohner geplant worden. Die verantwortliche Planungsgesellschaft, die Südhausbau GmbH, nannte die Siedlung nach einer in der Nähe geplanten Straßenkreuzung, die jedoch nie realisiert wurde: Die Gotthardstraße, die heute in Laim endet, sollte dort die Bodenseestraße kreuzen. 

Paul-Ottmann-Zentrum: Dachspaziergang am Ramses?

Workshop: Gestaltungsideen für das Forum Westkreuz

 

Neuaubing-West

Etwa zeitgleich entstand auch die Siedlung Neuaubing-West, dass sich südlich von Altaubing und nördlich der inr 1930-Jahre entstandenen Wohnsiedlung Neuaubing befindet. Insgesamt erhöhte sich durch den Bau der Siedlungen „Am Westkreuz“ und „Neuaubing-West die Bevölkerung des Bezirks um etwa 22.000 Einwohner. 

 


Weitere Informationen:

Einwohnerstruktur: Der Bezirksteil Aubing-Süd weißt einen im Vergleich zum Münchner Durchschnitt hohen Familienanteil mit Kindern aus. Trotzdem liegt des Altersdurchschnitt hier etwas über dem Münchner Level, weil die Altersklasse der 15 bis 45-jährigen hier eher unterrepräsentiert ist. Die Gegend hat einen leicht gerongeren als sonst für die bayerische Landeshauptstadt üblichen Ausländeranteil. Auch ist der Anteil der Ein-Personen-Haushalte unterdurchschnittlich. Aufgrund des noch relativ niedrigen Preis- und Mietniveau ist die Region besonders bei Familien beliebt, weshalb der Bezirksteil eine konstante Zuwanderung aufweist.

Infrastruktur: In Aubing-Süd bei Freiham ist die nächste Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsnetz ist die S-Bahn-Station Neuaubing. Die neue Haltestelle im künftigen Zentrum Freihams befindet sich im Bau und soll nächstes Jahr fertiggestellt sein. Die Versorgung mit Kindertagesstätten und Schulen könnte besser sein – wird sich aber mit dem Ausbau des neuen Stadtteils aber wohl deutlich verbessern.

Immobilien: Die Neubauwohnungen der Demos Wohnbau liegen bei 3000 Euro pro Quadratmeter, sind allerdings mit Ausnahme von drei Wohnungen bereits alle verkauft. Für eine 3-Zimmer—Dachterrassenwohnung mit 95 Quadratmeter Wohnfläche verlangt Demos Wohnbau besipielsweise 284.900 Euro. 

Die Preise für ETW im Bestand betragen im umliegenden Aubing-Süd 2100 bis 4200 Euro pro Quadratmeter. Die Miete liegt bei etwa neun Euro/Quadratmeter.

Entwicklung: Das Planungsreferat der Landeshauptstadt München hat in ihrem Internetauftritt eine Informationsseite zu dem neuen Stadtteil Freiham angelegt, in dem über bereits verabschiedete Bebaunngspläne sowie über aktuelle Entscheidungen berichtet wird.