Augustenstrasse

Bislang galt die Augustenstraße eher als Studentenviertel und nicht gerade als noble Wohngegend. Vor dem zweiten Weltkrieg lag hier die Kriminalitätsquote überdurchschnittlich hoch, und auch heute gilt das Gebiet um den Bahnhof nicht gerade als beste Adresse. Projektentwickler erschließen nun die Gegend zunehmend mit neuen Wohngebäuden im mittleren bis gehobenen Bereich. 

 

Das Café Jasmin ist trotz Oma-Ambiente mit lindgrünen Plüsch-Sofas, pastellfarbenen Wänden und ausgepolsterten Türen beliebter Treffpunkt von Aperol schlürfenden Studentinnen und mit ihrem Notebook spielenden Jung-Akademikern.

Eine Maklerin händigt einer Studienanfängerin den Mietvertrag aus und erklärt ihr, wo sie sich anmelden muss. Mit günstigen Mini-Wohnungen der 1950er-Jahre, der Nähe zur Technischen Universität München (TUM) und Lokalen wie dem Steinheil mit legendärem Riesenschnitzel bietet das Viertel für Studenten die perfekte Infrastruktur.

Wohl nicht mehr lange. Nach dem Bau der Lenbachgärten am Alten Botanischen Garten und den Nymphenburger-Höfen, entdecken Projektentwickler die Häuserzeilen zwischen Luisenstraße und Stiglmaierplatz. In den Innenhöfen und Baulücken entstehen Eigentumswohnungen in einer für Normal-Studenten unerschwinglichen Preisklasse. 

Entlang der Augustenstraße herrscht eine dichte Bebauung vor. Hier sind Cafes, Restaurants und vereinzelt Galerien entstanden. Die Wohnbebauung im nördlichen Teil der Augustenstraße wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, weshalb hier einfache Mietwohnungen aus den 1950er Jahre vorherrschen. Freiwerdende, bislang gewerblich vor allem genutzte Grundstücke, werden aber nun neu bebaut und als gehobene Eigentumswohnungen angeboten.  

Eine große Baugrube befindet sich an der Ecke Dachauer-Straße/Augustenstraße und gibt den Blick auf die Hinterhofbebauung frei. Die Anwohner können sich in der Zeit bis zur Fertigstellung des Neubaus über die freie Sicht und die Sonne freuen, die sonst die Ecken des Hinterhofes nicht erreicht.

Karls-Palais

An der Karlstraße  Ecke Augustenstraße wird hinter einem Gerüst gerade ein Bestandsgebäude aufwendig saniert und zum „Karls-Palais“ umgebaut, das bis August nächsten Jahres fertiggestellt sein soll. „Im ersten bis vierten Obergeschoss entstehen 16 Wohneinheiten mit Denkmal-AfA, von denen bereits sieben verkauft und drei reserviert sind“, erläutert Christian Heimbach, Geschäftsführer der Heimbach & Schoeller GmbHÔÇĘin Pullach, die das Projekt entwickelt. „Im Dachgeschoss sind aktuell vier Wohnungen auf insgesamt 450 Quadratmetern Fläche geplant, wobei man diese auch zusammenlegen könnte und zwei Wohnungen mit je etwa 230 Quadratmeter Wohnfläche anbieten könnte.“ Im Erdgeschoss entstehen Läden. Die Wohnungen werden für 7400 bis knapp 9000 Euro pro Quadratmeter offeriert.

 

Augustenhöfe

Größer sind die Augustenhöfe, die noch im Dezember dieses Jahres bezugsfertig sein sollen. „Aus architektonischer Sicht sind die Augustenhöfe ein klares Bekenntnis zu großbürgerlicher Lebensart und ihren Wurzeln. Wie sie ursprünglich in den Plänen für die Maxvorstadt vorgesehen war - klassizistisch und von repräsentativer Eleganz.“, heißt es im Internetauftritt des Entwicklers. Die noch angebotenen sechs Wohnungen weisen eine Wohnfläche zwischen 136 und 240 Quadratmeter auf. Die Architektur greift historische Elemente auf, für die Fassade wurden Naturstein und Holzfenster verwendet.

Die Wohnanlage  besteht aus drei Häusern  mit  insgesamt 70  Eigentumswohnungen sowie  einem  Stadthaus im  Innenhof, wo sich ein japanischer Garten befinden wird. Auch soll die Anlage über eine Concierge, ein Fitnessstudio, ein Business-Center sowie über eine Tiefgarage verfügen. Den Verkauf der Wohnungen, die im Durchschnitt 6000 Euro pro Quadratmeter kosten, hat die T & H Immobilienmarketing GmbH übernommen. Der Projektentwickler, die RBB Grundbesitzverwaltungsgesellschaft mbH I, hat bereits etwa 90 Prozent der Wohnungen verkauft.

 

Atelierhäuser

Ebenfalls im gehobenen Preissegment angesiedelt, aber mit ihrem modernen-minimalistischen Stil einer gänzlich anderen Architektur verschrieben,  sind die vier Atelierhäuser im Hinterhof der Augustenstraße. „Wir bieten die etwa 200 Quadratmeter großen Häuser zwischen 1,3 und 1,4 Millionen Euro an“, sagte Jürgen Schorn, Gesellschafter von Bauwerk Capital. Aktuell ist eines  der von tools off. architecture entworfenen und durch die REDAG erbauten Häuser verkauft. Sie sind Teil des Neubauprojekts, die auch aus Eigentumswohnungen in dem Vorderhaus bestehen, die bereits verkauft sind.

Von solchen Wohnungen können die Studenten im Café Jasmin allerdings nur träumen. 

 

Augustenstraßen-Charme

Dabei hat die Augustenstraße auch unter ihren bestehenden Gebäuden durchaus architektonische Perlen aufzuweisen. So etwa der von Hermann Leitenstorfer Ende der 1920er-Jahre im Stil der neuen Sachlichkeit erstellte Ziegelbau in der Augustenstraße 20/22 (Bild links).  Das Gebäude, als „städtisches Pfandleihanstalt“ errichtet, wurde im Nationalsozialismus als Ablieferungsstelle jüdischen Schmuck und Edelmetall-Besitzs missbraucht und beherbergt heute Wohnungen und Büros.

Auch sind einige Gebäude aus der Mitte des 19. Jahrhundert noch erhalten, wie die Reste der 1853 als klassizistischen Vorstadtvilla  des Privatiers Brunner in der Augustenstraße 45 (Bild rechts). 

 

Tatsächlich weist die Gegend um die Augustenstraße große Brüche auf. Im Süden grenzt das Viertel bei der Arnulfstraße an das Bahnhofsviertel mit seiner Dichte an Hotels, Restaurants, Schnellimbissläden, Sex-Shops und Spielsalons, die dann nördlich der Marsstraße und östlich der Dachauer Straße an Anzahl zurückgehen.

Entlang der Luisenstraße, nördlich des von Theodor Fischer zwischen 1897 und 1901 erbauten Luisengymnasiums, der ehemaligen Höhere Töchter- und Gewerbe-Schule herrscht eine völlig andere Bebauung vor. Auf der anderen Seite der Luisenstraße, bereits im Königsplatz-Viertel, befindet sich das Nobelhotel „The Charles“, die das erst vor wenigen Jahren entstandene Luxusquartier Lenbach-Gärten nach Südwesten hin abschließt.

 

Künstlervillen

Vor allem aber auf der Höhe der Briennerstraße finden sich im Augustenstraßen-Viertel noch imposante Häuser des Großbürgertums aus der Zeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier residierten arrivierte Künstler und Unternehmer in der Nähe des Königsplatzes. Die bekannteste Künstlervilla ist das von Gabriel von Seidl erbaute Lenbachhaus, dass heute eines der bekanntesten Museen Münchens ist und gerade nach den Plänen des britischen Stararchitekten Forster erweitert und umgestaltet wird. Auf der anderen Seite der Luisenstraße ließ sich der Dichterfürst und spätere Literaturnobelpreisträger Paul Heyse von Gottfried von Neureuther eine Neorenaissance-Villa errichten. Bevor das Lenbachhaus errichtet wurde, residierte auch der Komponist Richard Wagner, im Dienste des Märchenkönigs Ludwig II., kurzfrisitg in einer Villa an der Briennerstraße. Erhalten geblieben ist von Wagners Haus allerdings nichts, stattdessen befinden sich heute dort die Bauten der Berufsschule.

 

Richard-Wagner-Straße

Sein Name trägt allerdings die Straße gegenüber, die zwischen dem Eon-Verwaltungsgebäude und dem Lenbachhaus die Brienner Straße mit der Gabelsbergerstraße befinden. Hier befindet sich ein weitgehend von Leonhard Romeis zwischen 1898-1904 angelegtes Ensemble von Bürger- und Mietshäusern. Er realisierte dabei den städteplanerischen Entwurf von Theodor Fischer, der auch den typischen malerischen Platz beinhaltete. Dieser befindet sich etwas versteckt zwischen dem Rückgebäude des Lenbachhauses und der von Romeis entworfenen Kunstgewerbeschule, die heute der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie als Museum dient.

Im Westen wird die Richard-Wagner-Straße von den hohen Wohnhäusern Leonhard Romeis begrenzt. Mit ihren Giebeln, den geschmückten Fassaden mit Formen der Spätgotik und der deutschen Renaissance sind die Häuser eine der wenigen weitgehend erhaltenen Bauten im späthistoristischen Stil. Einige Gebäude nähern sich allerdings dem Jugendstil an. Dazu gehört das von Franz Rank erbaute Gebäude des Familiensitzes der Rank, einer der führenden Bauunternehmer Münchens. Die bebauung des Rank-Grundstücks zieht sich in voller Tiefe durch den Wohnblock bis zur Augustenstraße, wo die Geschäftsräume des Unternehmens untergebracht waren.  

 

Das Viertel 

Das Viertel der Augustenstraße ist ein Teilbereich des Stadtbezirk Maxvorstadt. Im Süden wird das Viertel von der Arnulfstraße, im Westen durch die Seidlstraße, den Stiglmaierplatz, die Dachauerstraße und die Maßmannstraße begrenzt. Im Norden verläuft die Grenze entlang der Theresienstraße bis zur Luisenstraße, den Bezirksteil Augustenstraße nach Osten abschließt. Begrenzt zwischen den Vierteln St. Benno mit den Nymphenburger Höfen am Stiglmaierplatz und den Lenbachgärten in Königsplatzviertel. 

Einwohner: Hier leben überdurchschnittlich viele Singles der Stadt. Aufgrund des hohen Studentanteils im Viertel liegt der Altersdurchschnitt mit 38 Jahren deutlich unter dem der Stadt. Das Viertel weist eine hohe Bevölkerungsdichte auf.

Infrastruktur: Im Viertel gibt es mehrere U-Bahn-Stationen (U2: Stiglmaierplatz, Theresienstraße) sowie den Hauptbahnhof. Das Museumsviertel und die TUM liegen direkt daneben. 

Auch wenn der Bezirksteil Augustenstraße oft fälschlicherweise dem Museumsviertel – Königsplatz – zugeordnet wird, weißt es doch immerhin mit dem Lenbachhaus, der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie sowie mit dem Volkstheater bedeutende kulturelle Einrichtungen auf. Eines der erfolgreichsten Münchner Theater ist das Volkstheater in der Brienner Straße. Intendant ist seit 2002 Christian Stückl, der mit seinem jungen und bodentsändigen Theater klassische Stücke interpretiert. Das Gebäude befindet sich in einem Innenhof hinter der Briennerstraße.

Theater für Kinder Seit 30 Jahren bietet das private Theater in der Dachauer Straße 46 Unterhaltung für Kinder mit Stücken wie der Zauberer von Oz, Bühnenbearbeitungen von beliebten Büchern Astrid Lindgrens bis Opern der Unterhaltung für Kinder ab vier. Das etwas heruntergekommene Gebäude ist mit seiner eigenartigen Fassade mit riesigen Plastiken von Atlanten, die das Eingangsportal tragen, selbst schon eine Attraktion

 

Immobilien: Große Unterschiede zwischen den zum Teil nicht mehr zeitgemäßen Bestandsimmobilien und den gerade im Bau befindlichen Luxusimmobilien.

 

Weitere Informationen zum Viertel:

Das neue Lenbachhaus: Sir Norman Fosters Goldkubus an der Renaissaincevilla