DIW: Vermögen der Deutschen seit 2003 um 15 Prozent geschrumpft

Das reale Nettovermögen der Privathaushalte in Deutschland ist laut einer Studie des Ökonomen Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin von 2003 bis 2013 im Durchschnitt um 15 Prozent gesunken. Die Gründe: Die Rendite von selbstgenutzten Immobilien und Sparanlagen lag unter der Inflationsrate.

 

Studien, die die Entwicklung der Vermögen privater Haushalte in Deutschland darstellen, stützen sich typischerweise auf nominale Werte, lassen also Preissteigerungen und somit die tatsächliche Kaufkraft des Vermögens außen vor. Das DIW Berlin hat in einer aktuellen Auswertung nun die Inflation berücksichtigt. „Wir kommen zu dem überraschenden Befund, dass wir in Deutschland für die letzten zehn Jahren schrumpfende Realvermögen beobachten können“, so Markus M. Grabka, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin. Das durchschnittliche reale Nettovermögen der Privathaushalte in Deutschland ist in den Jahren 2003 bis 2013 real um knapp 15 Prozent geschrumpft. Diese Zahl, die auf der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes basiert, wird bestätigt durch Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), denen zufolge die realen Vermögen in den Jahren 2002 bis 2012 um mehr als elf Prozent gesunken sind.

1. Grund für den Vermögensverlust: Kaufkraftverlust größer als Immobilienrendite

Dazu beigetragen haben dürfte vor allem die schwache Entwicklung der geschätzten Marktwerte selbstgenutzter Immobilien. „Wir hatten zwischen 1995 und 2010 eine lange Phase sinkender Immobilienpreise“, betont Grabka. „Das ist maßgeblich dafür, dass wir von 2002 bis 2012 sinkende Realvermögen beobachten.“ Dass die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) im Kontrast zu den Ergebnissen des DIW Berlin einen Anstieg der realen Nettovermö- gen von 2003 bis 2013 um rund 19 Prozent ausweisen, dürfte an einer abweichenden Bewertungsmethode liegen. Dass die Marktwerte des Immobilienbestands aber eher gesunken sind, darauf deuten neben EVS und SOEP auch die Studie von Möbert, J., Peters, H., Lechler, M. im Wirtschaftsdienst sowie der Preisindex des Statistischen Bundesamtes für bestehende Wohnimmobilien hin. Der vielfach berichtete starke Anstieg der Miet­ und Kaufpreise seit dem Jahr 2011 konzentrierte sich vor allem auf bestimmte Großstadtregionen wie München oder Berlin. Im Durchschnitt haben die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren real nur um 1,7 Prozent pro Jahr zugenommen. Die Immobilienwerte haben sich regional stark unterschiedlich entwickelt.

2. Grund für den Vermögensverlust: Niedrige Rendite durch Lebensversicherung und Riester-Rente

Negativ verlief die Entwicklung bei den privaten Versicherungen und Bausparverträgen, zu denen auch die Riesterren­ ten zählen. Während in den Jahren von 2002 bis 2007 zumindest noch Zuwächse von durchschnittlich rund 1700 Euro erzielt wurden, reduzierte sich das Vermögen dieser Anlageform von 2007 bis 2012 um knapp 500 Euro. Auch daran dürfte die Niedrigzinsphase einen Anteil haben. „Eine der Ursachen für das Schrumpfen der Realvermögen der Privathaushalte in Deutschland dürfte sein, dass die Deutschen ihr Vermögen bevorzugt in risikoarme, dafür aber renditeschwache Anlagen wie Sparbücher, Girokonten, Bausparverträge oder Riesterrenten investieren, die oftmals nicht einmal die Inflation ausgleichen.

Kurssteigerung von Aktien und Anleihen erhöhten Vermögen

Das Geldvermögen hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt positiv entwickelt, was sowohl an der insgesamt guten Entwicklung des Aktienmarktes gelegen haben dürfte. Aufgrund der Zinssenkungen stiegen auch die Kurse älterer, hochverzinster Rentenpapiere. Im Durchschnitt gab es Kurssteigerungen beim Geldvermögen um mehr als 9000 Euro.

Gründe für Vermögenszuwachs

Untersucht wurde auch über den Zeitraum, welche Gruppen ihr Vermögen erhöhen konnten und welche die Gründe für Vermögensänderungen waren. So stiegen beispielsweise die Vermögen jener Personen, die in den vergangenen fünf Jahren eine selbst genutzte Immobilie erworben hatten, obwohl deren Wertzuwachs unter der Inflationsrate lag. Der Grund war nicht die gute Wertanlage der Immobilie, sondern schlicht die höhere Sparquote der Eigenheimerwerber. Das regelgebundene Sparen in Form der Tilgung von Hypothekenkrediten reduzierte die Schuld und erhöhte dadurch das Nettovermögen. Personen, die in den vorangegangenen fünf Jahren geheiratet hatten, konnten sich über Vermögenszuwächse freuen – wohl auch, weil sich in einem gemeinsamen Haushalt Skaleneffekte positiv auswirkten. Dagegen traten erwartungsgemäß Vermögensverluste im Falle von Scheidungen oder Trennungen auf. Hier sanken die realen Vermögen um mehr als 10 000 Euro relativ stark. Beeinträchtigungen der Gesundheit können mit finanziellen Belastungen verbunden sein und auch die steigende Lebenserwartung kann zu wachsendem Vermögensverzehr im hohen Alter führen. Dies gilt ins­ besondere für Pflegebedürftige, da die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Teilabsicherung bietet.

Letztlich können Erbschaften und Schenkungen eine Ursache bedeutender Vermögensveränderungen sein. Am höchsten fiel die Zunahme des Nettovermögens bei Schenkungen aus. Der Zuwachs belief sich im Zeitraum von 2002 bis 2007 gemessen am Median auf rund 35 000 Euro. Erbschaften fielen mit einem Plus von knapp 18 000 Euro weniger ins Gewicht.

Weitere Informationen:

DIW: Reale Nettovermögen der Privathaushalte in Deutschland sind in den Jahren 2003 bis 2013 geschrumpft

Foto: Markus M. Grabka von Detlef Güthenke/DIW Berlin