Die Hitliste der Einbrecher

In 2015 stieg laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) die Anzahl der Wohnungseinbruchdiebstähle in Deutschland gegenüber 2014 um knapp zehn Prozent auf 167.136 Fälle an. Vor allem in Großstädte wird häufig eingebrochen. Dabei gibt es allerdings extreme Unterschiede.

 

Im Jahr 2015 wurden bundesweit 167.136 Wohnungseinbruchdiebstähle (2014: 152.123 Fälle), darunter 70.333 Fälle von Tageswohnungseinbruch (2014: 63.282 Fälle) registriert. Die Fallzahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 9,9 Prozent gestiegen, der darin enthaltene Tageswohnungseinbruch (TWE) stieg um 11,1 Prozent.

Die registrierten 95.836 vollendeten Fälle von Wohnungseinbruchdiebstahl verursachten im Jahr 2015 einen Schaden von 440 Millionen Euro (2014: 422 Millionen Euro). Dabei wurde in 7.368 Fällen nur mit einem ideellen Schaden von einem Euro gerechnet, da die tatsächliche Schadenshöhe nicht bezifferbar war. Mit 48,1 Prozent haben die Fälle mit Schaden von 500 bis unter 2.500 Euro den höchsten Anteil an den Schadensgruppen des Wohnungseinbruchdiebstahls.

Insgesamt wurden nur 25.376 Fälle aufgeklärt, was einer Aufklärungsquote von lediglich 15,2 Prozent (2014: 15,9 Prozent) entspricht. Der Anteil der Fälle von Tageswohnungseinbruch an allen aufgeklärten Wohnungseinbruchdiebstählen beträgt 42,7 Prozent (10.847 Fälle).

Wo oft und wo selten eingebrochen wird

Bezogen auf die Einwohnerzahl (Fälle pro 100.000 Einwohner) wurden 2015 in Städten mit mehr als 200.000 Einwohner am häufigsten Wohnungseinbrüche in Dortmund (578,3), Gelsenkirchen (564,3), Essen (527,9), Düsseldorf (514,1), Hamburg (510,9) und Bremen (503,1) gemeldet.

Am relativ wenigsten Wohnungseinbruchdiebstähle wurden in Rostock (76,4), München (77,5), Augsburg (81,1), Erfurt (103,8), Nürnberg (108), Chemnitz ((114,6), Dresden (120,3) und Stuttgart 147,4) gemeldet.

Mehr abgebrochene Einbrüche

Über den Zeitraum von 15 Jahren ist der Anteil vollendeter Fälle stetig gesunken, wie die steigenden Versuchszahlen zeigen. Dies könnte durchaus auf Verbesserungen der Sicherungsmaßnahmen im privaten Bereich gegen Wohnungseinbruchdiebstahl beruhen und somit die entsprechenden Präventionsaktionen der Polizei hinsichtlich des zu erzielenden Erfolges bestätigen

Aufgeklärte Fälle

Zu den bundesweit registrierten 167.136 Fällen von Wohnungseinbruchdiebstahl wurden 17.670 Tatverdächtige ermittelt (2014: 152.123 Fälle, 17.051 Tatverdächtige), darunter 70.333 Fälle von Tageswohnungseinbruch mit 8.629 Tatverdächtigen (2014: 63.282 Fälle 7.962 Tatverdächtige).

Die höchste Aufklärungsquote laut der PKS gab es in den Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern in Stuttgart (28,1), Erfurt (23,8), Hannover (23,2), Magdeburg (21,8) und Chemnitz (20,4). Am niedrigsten war die Aufklärungsquote in Bremen (5,4), Kiel, Bochum (beide 6,8), Köln (7,8), Mainz (8,2), Berlin, Karlsruhe (beide 8,5) und Hamburg (8,7).

Wer die Tatverdächtigen sind

85,1 Prozent (2014: 85,5 Prozent) der Tatverdächtigen bei Wohnungseinbruchdiebstahl sind männlichen Geschlechts. Die deutschen Tatverdächtigen nehmen einen Anteil von 59,8 Prozent (2014: 64,5 Prozent) an den Tatverdächtigen insgesamt ein. Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen ist also gestiegen. Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen nahmen Tatverdächtige aus Serbien (11,3 Prozent der nichtdeutschen Tatverdächtigen), gefolgt von Tatverdächtigen aus Rumänien (10,8 Prozent) den höchsten Anteil ein. Der überwiegende Teil der Täter stammt allerdings von der Umgebung: 46 Prozent von der Tatortgemeinde, darüber hinaus zehn Prozent vom Landkreis des Tatortes und knapp zwanzig Prozent darüber hinaus noch vom selben Bundesland. Nur knapp acht Prozent der Tatverdächtigen hatten ihren Wohnsitz im Ausland.

Den 25.376 aufgeklärten Fällen konnten 17.670 Tatverdächtige zugeordnet werden. In 54,7 Prozent der aufgeklärten Fälle (13.889) handelten 8.486 Tatverdächtige allein. Bei 22.150 aufgeklärten Fällen (87,3 Prozent) waren die ermittelten 14.055 Tatverdächtigen bereits früher polizeilich in Erscheinung getreten. In 40 aufgeklärten Fällen führten 41 Tatverdächtige Schusswaffen mit sich.

Bei 13.2 Prozent der aufgeklärten Fälle waren die Tatverdächtigen Konsumenten harter Drogen (2.148 Tatverdächtige), 852 aufgeklärte Fälle wurden von 880 Tatverdächtigen unter Alkoholeinfluss begangen.

Die Statistik der Versicherer

Laut dem Branchenverband der Versichungswirtschaft GDV haben allein in den letzten fünf Jahren Einbrüche um über 30 Prozent zugenommen. Der Schadenaufwand stieg sogar um über 50 Prozent. 2014 waren es 150.000 Einbrüche, die Versicherungsleistung betrug 480 Millionen Euro. Das geht aus dem Einbruch-Report 2016 hervor, den der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jetzt in Berlin vorgelegt hat. Der durchschnittliche Schaden nach einem Einbruch liegt mit 3.250 Euro seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Geld, Schmuck und teure Mobiltelefone, Tablet-Computer und Digitalkameras finden sich in fast jedem Zuhause – meist in mehrfacher Ausführung. Diebe haben es besonders auf solche technische Geräte abgesehen, da sie einen hohen Wiederverkaufswert haben. Bei jedem zweiten Einbruch wurde die Wohnung größtenteils oder teilweise verwüstet. In 41,5 Prozent der Fälle blieben die Wohnungen nahezu unverändert.

Die Täter nutzen am häufigsten die günstige Gelegenheit – also ein offenes Fenster oder eine leicht zu öffnende Tür. Als Einbruchwerkzeug wird meist ein Schraubendreher oder einfach körperliche Gewalt eingesetzt. Der typische Einbrecher ist unter 30 Jahre alt, männlich und begeht den Einbruch gemeinsam mit einem Komplizen. Die Täter kommen auch aus dem engeren und weiteren Bekanntenkreis des Opfers.

Quellen: Polizeiliche Kriminalstatistik 2015;  GDV: Studie Wohnungseinbruch

Weitere Informationen:

PKS 2015: Polizeiliche Kriminalstatistik 2015

K-einbruch: Kampagne für aktiven Einbruchschutz

Polizeiliche Kriminalprävention

Polizeiinitiative Netzwerk: „Zuhause sichern“

GDV: Einbruchreport