Feldmoching: Großprojekte auf der grünen Wiese

Mit seinen Bauernhöfen, ländlichen Gasthäusern und den großen unbebauten Feldern hat das Münchner Stadtviertel Feldmoching noch Dorfcharakter. Dies wird sich in den nächsten Jahren ändern. Stadt und Projektentwickler haben große Pläne.

 

Feldmoching mit dem Naturschutzgebiet Schwarzhölzl ist eines der dörflichsten Gebiete Münchens. Der flächenmäßig größte Bezirksteil erinnert mit alten Höfen, Gaststätten und unbebauten Wiesen an das bayerische Landleben.

Dünn besiedelter Stadtteil...

Das Viertel ist mit rund 11.000 Bewohnern nur gering besiedelt. Vorherrschend ist eine lockere und individuelle Bebauung mit Einfamilienhäusern. In den kommenden Jahren wird sich die Einwohnerzahl deutlich erhöhen. Aufgrund des starken Bevölkerungszuwachses und akutem Wohnungsmangel in München hat die Stadtverwaltung die Entwicklung neuer Wohnquartiere in Feldmoching forciert und städtebauliche Wettbewerbe angestoßen. Auf der Wiese zwischen Herbergstraße und Hochmuttinger Straße sowie östlich der S-Bahnhaltestelle Feldmoching entlang der Raheinstraße und Ratoldstraße werden zwei große Wohnquartiere entstehen. „Der Südteil des Planungsgebietes bietet die vor dem Hintergrund des akuten Wohnraumbedarfs in München günstige Konstellation, zeitnah nunmehr zugunsten Wohnbau entwickelt werden zu können“, hatte Stadtbaurätin Elisabeth Merk im März 2016 angekündigt.

...mit großem Entwicklungspotenzial

Kurz danach hatten die 03 Architekten, München, mit ver.de Landschaftsarchitekten, Freising, den von der CA Immo ausgelobten städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb zum Bau von 900 Wohnungen des Quartiers Ratoldstraße/Raheinstraße gewonnen. Der Entwurf sieht auf dem schmalen Streifen östlich der Gleise eine Reihe von „polygonalen Baukörpern“ vor, die ein diagonales Netz sich verbindender Stadträume bildet. Das Quartier würde sich zur schallabgewandten Seite nach Osten öffnen und eine Verbindung zu den Bestandsbauten herstellen, so Architekt Andreas Garkisch (03 Architekten).

 

Wenig Begeisterung für Hochhäuser

Bei den Anwohnern fand die Anordnung zwar Gefallen, nicht aber der gegenüber dem Bahnhof vorgesehene 14-stöckige Turm. Garkisch hält dieses Hochhaus als Akzentuierung des Zentrums für wichtig. Doch für die dringend benötigte dichtere und urbanere Bebauung zeigen viele Feldmochinger  – etliche von ihnen Bewohner von Einfamilienhäusern –  kaum Verständnis.

Noch größer war der Unmut der Anwohner bei der Vorstellung des Wettbewerbsergebnisses für das Quartier mit 600 Wohnungen nördlich der Herbergstraße. Den von den Projektentwicklern Demos, HI Wohnbau und Wowobau ausgelobten städteplanerischen und landschaftsgestalterischen Wettbewerb hatten die Züricher Architekten Ammann Albers mit den Münchner Landschaftsarchitekten Burkhardt und Engelmayer gewonnen. Bei der Präsentation des Konzepts stieß unter anderem die Höhe des höchsten Gebäudes mit sechs Vollgeschossen auf Kritik. Auch die Architektur des geplanten Quartierstreffs nahe der Grünanlagen an der Herbergstraße kam nicht gut an. Der moderne Bau passe nicht zu den umliegenden Satteldachhäusern.

 

Ehemaliges karolinisches Haufendorf

Mit der Gründung um 500 durch bajuwarische Siedler ist das um die Zeit Karls des Großen (um 800) erstmals urkundlich erwähnte Haufendorf Feldmochinga deutlich älter als München. Beim Fasaneriesee freigelegte Reihengräber belegen die frühe Besiedlung. Lange war es der Hauptort der Gegend, bis Feldmoching durch den Bau von Schloss Schleißheim ab 1599 seine Bedeutung verlor. 1818 wurde Feldmoching immerhin zur selbstständigen Gemeinde erhoben. Das typische Ortsbild zeigt sich entlang der Feldmochinger Straße mit Hofreihen aus dem 19. Jahrhundert (siehe oberstes Bild links). Dort herum befinden sich kleinere Bauernhäuser (Herbergstraße 6, Pflaumstraße 2). 

An den Rändern Richtung Stadt München entstanden die „Kolonien“ Fasanerie (seit 1897), Lerchenau (seit 1901) und Harthof (seit 1908). Um das alte Dorf wurden vereinzelt bürgerliche Wohnhäuser erbaut, wie etwa die 1912 von Paul Breitsameter entworfene Villa in der Lerchenstraße 57 (Bild links) oder das ländliche Wohnhaus mit Turmerker in der Lerchenauer Straße 107 (Bild links oben). Und 1913 leistete sich die Gemeinde ein Rathaus im historisierenden Baustil mit Erkern (großes Bild ganz oben).

 

Doch 1938 wurde Feldmoching von den Nationalsozialisten in München eingemeindet. Mit dem Baugüterbahnhof (1940 bis 1943) entstanden durch die Kiesentnahme die Baggerseen der Dreiseenplatte, darunter der Feldmochinger See (siehe Bild links), die ab Mitte der 1960er-Jahre zu Badeseen mit attraktiven Freizeitanlagen umgestaltet wurden.

Ausläufer des Hasenbergls

In dieser Zeit wurde östlich von Feldmoching die Großsiedlung Hasenbergl für 18.000 Menschen errichtet. Auch im Südosten Feldmochings entstanden an der Weitlstraße vier- bis achgeschossige Wohnbauten sowie drei 13 bis 16 Stockwerke umfassende Hochhäuser (Bild links unten). Auf diese Bauten verwiesen nun die Stadtplaner angesichts der Kritik der Anwohner, die Hochpunkte der geplanten Neubauquartiere würden nicht zu Feldmoching passen.

 

Das neue Viertelzentrum ist der nach dem 1990 ermordeten Volksschauspieler  benannten Walter-Sedlmayr-Platz am S-Bahnhof Feldmoching. Sedlmayr lebte lange Jahre in Feldmoching im Haus seiner Mutter, bis diese starb.  Der leere Platz mit dem ihn ungebenden Geschosswohnungsbauten wirkt etwas trist. Vielleicht liegt dies aber auch an der Baustelle: hier erbaut die Bremer Real Estate einen fünfgeschossigen Gebäuderiegel. Im Erdgeschoss wird ein Rewe-Supermarkt, darüber  ein Boardinghouse für BMW untergebracht.

Auf der anderen Seite der Gleisanlagen stehen bereits zwischen der Leberlestraße und Morigglstraße die Rohbauten von zehn Mehrfamilienhäusern mit 40 Wohnungen der städtischen GWG. Auch neben der Bergwachtsiedlung, ein Großprojekt, das bereits seit einem Jahrzehnt diskutiert wird, soll nun bald eine Neubausiedlung verwirklicht werden. Auf den Äckern zwischen Lerchenauer- und Lerchenstraße sind 2500 Wohneinheiten geplant – von dem Joint Venture Lerchenauer Feld der Bayerischen Hausbau und der Concept Bau sowie der Stadt München. Und für die weitere Entwicklung hat die Stadt München ein 900 Hektar großes Areal am Feldmochinger See erworben. Das ehemalige Dorf ist endgültig Großstadtviertel – auch wenn einige Bewohner dies nicht akzeptieren wollen.

 

Das Viertel in Zahlen

Feldmoching ist der nördlichste und größte Bezirksteils des 22. Münchner Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl. Nördlich der Bezirks- und Stadtgrenze befindet sich im Osten Oberschleißheim und im Westen die Gemeinde Karlsfeld. Östlich des Grünstreifens des Feldmochinger Angers befindet sich der Bezirksteil Hasenbergl – Lerchenau-Ost. Südlich von Feldmoching liegt beim Lerchenauer See der Bezirksteil Lerchenau West und südwestlich des Feldmochinger Sees das Nachbarviertel Ludwigsfeld.

 

Einwohner: Der Altersdurchschnitt der Einwohner von Feldmoching liegt genau im Durchschnitt der Städte, es gibt relativ viel Familien mit Kindern.

 

Infrastruktur: Am Bahnhof Feldmoching besteht Anschluss an die S-Bahnlinie S1 und U-Bahnlinie U2. Nahversorgung und Einzelhandel gibt es am Bahnhof (Aldi) und am alten Ortskern an der Feldmochinger Straße. Freizeitmöglichkeiten bieten Feldmochinger See, Fasaneriesee, die Regattaanlage und am Schwarzhölzl.

 

Immobilien: Die Preise und Mieten von Wohnimmobilien liegen unter dem Münchner Durchschnitt, doch ist auch hier das Angebot knapp. Bei der Wohnbebauung überwiegen Einfamilien- und kleinere Mehrfamilienhäuser.