Friedenheimer Siedlungen

Das dicht besiedelte Viertel Friedenheim im westlichen Laim hat heute knapp 20.000 Einwohner. Lange Zeit gab es nur ein Gutshof, der die Gegend den Namen gab. So richtig besiedelt wurde Friedenheim aber erst vor rund 90 Jahren.

 

Wer durch den östlichen Teil des Stadtbezirks Laims fährt, dem fällt die dichte Bebauung mit Mietshäusern auf. Benannt ist das Viertel nach dem dort 1803 erbauten Gutshof Friedenheim. Noch 1888 lebten hier – auf die Gemeinden Neuhausen und Laim verteilt – insgesamt gerade mal 476 Einwohner.

Mit dem Bau des Münchner Rangierbahnhofes 1890 zogen aber immer mehr Bahnmitarbeiter in die Gemeinde Laim, das östlich gelegene Friedenheim blieb aber weiterhin kaum  bewohnt. Allerdings siedelte sich 1892 in der heutigen Elsenheimer Straße eine Eisengießerei an und die Hacker-Brauerei  errichtete ihre Mälzerei.

Dabei erfuhr München um diese Zeit einrasantes Bevölkerungswachstum, weshalb 1892 das Stadterweiterungsbüro mit dem 31-jährigen Theodor Fischer als Leiter gegründet wurde. Mit Hilfe von Fischers Generalbebauungsplan für München, der Baulinien und später für die Bebauungshöhe einen  Staffelplan enthielt, sollte die wilde Bebauung Münchens eine Struktur erhalten. Im Dezember 1894 entwarf Fischer auch für die Gegend von Laim mit Friedenheim Baulinien, obwohl die Gemeinde Laim erst fünf Jahre später in München eingemeindet wurde.

Darin wurde der Verlauf der Straßen und die Anordnung der Wohnblöcke festgelegt. Als Fischer nach seiner Lehrtätigkeit in Stuttgart (1901 -1908) nach München zurückkehrte, wählte er sogar das Laimer als seinen Wohn- und Arbeitsplatz und entwarf dort zahlreiche Gebäude. Doch im östlichen Teil von Laim, in Friedenheim, wurden die Felder trotz der seit 1908 dort durchfahrenden Tramlinie erst Mitte der 1920er Jahre bebaut.

Denkmalschutz für Ludwig-Richter-Höfe rettet alte Hof-Bäume

1926 errichtete der Bauunternehmer und Architekt Karl Stöhr zwei Wohnblöcke in der Agnes Bernauer Straße 1 bis 9 (siehe Bild oben links), die durch die einheitliche Fassadengestaltung mit Klinkersteinen sowie Natursteinportalen im Erdgeschoss und verputzten Obergeschossen auffallen. Der östliche Wohnblock wurde erst vor Kurzem auf Betreiben des 2013 gegründeten Verein„Grüner Innenhof Laim“ von der Denkmalschutzbehörde als Beispiel für den Münchner Heimatschutzstil zum Baudenkmal erklärt. Der Verein konnte damit den Erhalt der Innenhöfe mit alten Bäumen sichern, die sonst durch eine  von der Patrizia geplanten Tiefgarage entfernt worden wären. Die Patrizia hatte die Wohnblöcke von der MEAG, der Investmentgesellschaft der Münchner Rück erworben und die Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt und zwischen 2013 bis 2014 für um die 3000 Euro pro Quadratmeter unter den Namen Ludwig-Richter-Höfe verkauft.

Gegenüber dem östlichen Wohnblock von Stöhr in der Lautensackstraße, errichtete von 1927 bis 1928 dann die Baugenossenschaft Selbsthilfe eine weitere Wohnanlage in Hackenförmigen Grundriss. Die im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaute Anlage (siehe großes Bild ganz oben, Gebäude rechts) befindet sich heute im Eigentum der Wohngenossenschaft von 1871, die aufgrund der langen Warteliste aber für ihre Wohnungen aktuell keine neuen Wohngenossen aufnimmt.

Entstanden im Osten diese Geschosswohnungsbauten, so erschloss etwa zur gleichen Zeit weiter südwestlich die Terraingesellschaft Neu-Westend ein ganzer Flurabschnitt mit Einfamilienhäusern. Südlich der Agnes-Bernauer-Straße, begrenzt zwischen der Fürstenrider Straße im Westen und der Friedenheimer Straße im Osten entstanden knapp hundert Kleinhäuser vom gleichen Typus: Ein zweigeschossiger Würfel mit einem pyramidenförmigen Dach (siehe Bild oben links).

Die Siedlung Friedenheim liegt nicht im Viertel Friedenheim

Auf der westlichen Seite gegenüber dieses Kleinhausquartiers errichtete die GEWOFAG 1929 bis 1930 die kleinste ihrer fünf in der Weimarer Republik erbauten Großsiedlungen. Im Gegensatz zu den anderen Siedlungen der GEWOFAG wurden mit der von Bruno Biehler entworfenen Siedlung Friedenheim vorwiegend Ein- und Mehrfamilienhäuser in einer dörflich-geschlossen anmutenden Anordnung errichtet (siehe Bild oben links). Der Architekt Roderich Fick, der später als einer von Hitlers Lieblingsarchitekten dessen Berghof umgestaltete, errichtete zur Abschirmung der niedrigen Bauten entlang der Fürstenrieder Straße viergeschossige Häuserzeilen. Trotz ihres Namens, liegt die Siedlung Friedenheim heute nicht im Bezirksteil Friedenheim, sondern im westlichen Nachbarviertel St. Ulrich.

Agnes-Bernauer-Siedlung mit rot-oranger Fassade

Im Laufe der Jahre entstanden weitere Wohnquartiere und Großsiedlungen, von denen die vom Münchner Begräbnisverein nach Plänen des Architektenbüros Eduard und Höhne in den Jahren 1935 und 1936 errichtete Agnes-Bernauer-Siedlung, die sich auf drei Wohnblöcke erstreckt und 43 Häuser mit insgesamt 376 Wohnungen umfasst, die wohl größte Wohnanlage in dieser Zeit ist.

Alte Heimat mittlerweile arg heruntergekommen

Nach 1945 wurden die im Krieg zum Teil beschädigten Wohnanlagen wiederaufgebaut und neue Wohnanlagen errichtet. 1953 erhielt das Viertel mit der katholischen Pfarrkirche Zu den heiligen zwölf Aposteln von Sep Ruf einen architektonisch bedeutende Saalkirche sowie der Grundschule ein neues Zentrum. Sein Bruder Franz Ruf entwarf gemeinsam mit Sepp Pogadl die mit Spendengeldern finanzierte südlich davon die Wohnsiedlung Alte Heimat für bedürftige und evakuierte Münchner. Analog der von Franz Ruf zuvor entworfenen Parkstadt Schwabing ist die bis 1962 erstreckt sich die Wohnanlage Alte Heimat inmitten einer großzügigen Grünanlage. 2012 geriet jedoch die von der GEWOFAG verwaltete Anlage aufgrund ihres schlechten Zustandes in die Schlagzeilen. Die von den Bewohner gegründete Initiative „Alte Heimat Arbeitskreis AHA“ erreichte zwar, dass die GEWOFAG nun einige bauliche Mängel beseitigt und dass die Stadt für die Sanierung und Erweiterung der Anlage 60 Millionen Euro bewilligt hat. Mit der Errichtung 345 neuer Wohnungen bis 2025 dürfte aber auch ein Teil der schönen Parkanlage und damit der ursprüngliche Flair verschwinden.

Wohnturm der Seniorenresidenz ist Friedheimer Wahrzeichen

Östlich davon, zwischen Zschokkestraße und Elsenheimer Straße entstanden in den 1970er-Jahre bereits deutlich dichter und höher erbaute Wohnanlagen, deren Höhepunkt in der Westendstraße 174 steht. Das von Fred Angerer entworfene 87 Meter hohe Hochhaus mit 27 Geschossen des Bauträger DEBA sollte urpsrünglich als Hotel für die Olympischen Spiele 1972 eröffnet werden. Weil es aber erst drei Jahre später fertig gestellt wurde und für Großhotels kein Bedarf bestand, beschlossen die Eigentümer eine Nutzungsänderung. Nun befindet sich in dem zweithöchsten Wohngebäude München die Seniorenresidenz am Westpark, das außer den 368 Appartments und 58 Pflegeplätze auch ein Restaurant, Kliniken und auf dem Dach ein Schwimmbad aufweist.

Das künftig größte Neubauprojekt Zschokkestraße befindet sich gleich darunter, auf dem Gebiet des ehemaligen Tram-Depot, zwischen Zschokkestraße und Westendstraße Nachdem von dort auch die SWM ihren Busbetriebshof ab 2018 in ihr neues Gebäude nach Moosach verlegt, sollen dort bis zu 850 Wohnungen entstehen. Aktuell entstehen jedoch dort erstmal Unterkünfte für rund 300 Flüchtlinge. In der Elsenheimer Straße 48 bis 50 sollen ab März 2016 weitere 600 Flüchtlinge untergebracht werden, dort allerdings in einem aktuell leer stehenden Bürogebäude.

Aktuell errichtet die Real-Treuhand Immobilien Bayern mit der Projekt Westart Laim an der Ecke Friedenheimerstraße 51 / Fachnerstraße Eigentumswohnungen, die sich auf ein Gartenhaus im Innenhof sowie auf ein Mehrfamilienhaus verteilen. Das Projekt wurde von Rock Capital Group übernommen. Die Stadtwohnungen weisen Wohnflächen von rund 29 bis 165 Quadratmeter auf. Wenige Meter davon entfernt, in der Justinus-Kerner-Straße 27 werden zwei kernsanierte möbilierte Zwei-Zimmer-Appartments mit 60 Quadratmeter für 390.000 Euro pro Wohnung (6500 Euro pro Quadratmeter) zum Kauf angeboten. Die Mietrendite soll bei fünf Prozent liegen.

Auch die städtische GEWOFAG baut. Zwischen der Siglstraße und der Walter-Scott-Straße wird ein kompletter Wohnblock mit drei fünfgeschossigen Gebäuden nach Plänen von bogevischs  buero mit 105 Wohnungen sowie eine Kita für 200 Kinder errichtet. Insgesamt entstehen bis 2018 rund 50 einkommensorientiert geförderte Wohnungen, rund 30 nach dem Kommunalen Wohnungsbauförderprogramm (KomPro B) geförderte Wohnungen und rund 25 weitere im München Modell Miete.

Die Zeiten, in der die Gegend um Friedenheim aus unbebauten Wiesen bestand, sind unwiederbringlich vorüber.

Das Viertel in Zahlen

Friedenheim ist der östliche der zwei Bezirksteile des 25. Münchner Stadtbezirk Laim. Im Norden verläuft die Grenze , entlang der Gleisanlagen der S-Bahn-Stammstrecke zu Neuhausen und dem östlichen Teil von Nymphenburg, beides Bezirksteile des 9. Stadtbezirks. Im Osten bildet der Gleisbogen und dann die weiter südöstlich, parallel zur Elsenheimer Straße verlaufende Gleisanlage die Grenze zum Westend – einem Teil des 8. Bezirks Schwanthalerhöhe. Nach Südosten wird Friedenheim dann von der Westendstraße vom Land in Sonne im Bezirk Sendling-Westpark getrennt. Der kleine Abschnitt der Linauer Autobahn von der Westendstraße bis zur Fürstenrieder Straße begrenzt das Viertel im Süden zum gegenüberliegenden Waldfriedhof-Viertel. Nach Westen bildet die Friedenheimerstraße weitgehend den Grenzverlauf zum Nachbarviertel St. Ulrich, ebenfalls ein Bezirksteil von Laim.

Einwohner: Altersdurchschnitt, Ausländeranteil und Anteil der Einpersonenhaushalte in Friedenheim liegen über den Durchschnittswerten der Stadt. Das Viertel ist dicht bewohnt.

Infrastruktur:  Es besteht Anschluss an die U-Bahn-Linie U5 (Westendstr., Friedenheimerstr.) und die Tram-Linien 18 und 19. Einzelhandel befindet sich an der Ecke Zschokkestr/Friedenheimerstr und entlang der Fürstenriederstr.. Südöslich des Viertels befindet sich der Westpark.

Wohnimmobilien: Das Viertel ist mit Ausnahme der Elsenheimerstraße und Landsberger Straße fast ein reines Wohngebiet. Südlich der Hans-Thonauer-Straße und der Nördlinger Straße sowie nordwestlich der Westendstraße befinden sich hinter den Geschosswohnungsbauten abgeschirmt Einfamilienhäuser. Auch westlich der Friedenheimer Straße liegt bis zur Fürstenrieder Straße ein ganzer Flurabschnitt von  Einfamilienhäuser, die in der Zeit der Weimarer Republik errichtet wurden. Sonst überwiegen Geschosswohnungsbauten mit viel Sozial- und Genossenschaftswohnungen. 

Größere Neubauprojekte sind in der Karte oben mit rot markiert. Dabei handelt es sich um die genannten Objekte der fast fertig gestellten Wohnanlage Westart-Laim in der Ecke Friedenheimer Straße/Fachnerstraße, der in der Bauphase befindlichen GEWOFAG-Wohnanlage an der Ecke Siglstraße/Ludwig-Richter-Straße und dem sich im Planungsstadium befindlichen Quartier Zschokkestraße/Westendstraße. 

Laut dem Mietspiegel für München 2015 wird der Bezirksteil Friedenheim weitgehend als Gegend mit „durchschnittlicher Wohnlagequalität bezeichnet“, als „gute Wohnlagequalität“ wird der genannte Einfamilienhausbereich zwischen Fachnerstraße, Burkmaierstraße und Westendstraße bewertet.

Im Frühjahr 2015 hat der Münchner Stadtrat die Rechte der Vermieter in Friedenheim durch die Ausweisung eines so genannten Erhaltungssatzungsgebiet Laim massiv eingeschränkt. Damit können die Behörden der Stadt in das Recht der Wihnungseigentümer begrenzen, ihre Wohnungen selbst zu nutzen, zu modernisieren oder frei zu veräußern. Das Erhaltungssatzungsgebiet befindet sich zwischen der Elsenheimerstraße /Ludwig-Richter-Straße, Lautensackstraße, Zschokkestraße, Friedenheimer Straße, Agnes-Bernauer-Straße und Fürstenrieder Straße.

Gewerbeimmobilien: Gewerblich genutzte Immobilien befinden sich weitgehend auf der nördlichen Seite der Landsberger Straße sowie an der östlichen Seite der Elsenheimer Straße. Zu den größeren Projektentwicklungen bzw. Refurbishments zählen der Neubau des Bürogebäudes Trikot an der Ecke Landsberger Straße/Elsenheimerstraße südöstlich der Friedenheimer Brücke sowie die Modernisierung und Umbau des M-Square in der Elsenheimerstraße 61 an der Ecke Westendstraße.

Text: Ulrich Lohrer, erstellt am 15.02.2016

Fotografien: Ulrich Lohrer